Es ist später Nachmittag im Lebzelter von Dorfen. Draußen färbt sich der Himmel langsam goldgelb, und drinnen knarzt das Holz unter den Stiefeln der Gäste. Ein lauer Wind weht durch das gekippte Fenster, während im Nebenzimmer Stimmen leiser werden. In einer Nische am Stammtisch setzen sich vier Männer zusammen, ein paar Jahre älter, ein paar Falten mehr, aber mit einem Lächeln, das jung geblieben ist. Die Karten liegen schon bereit – heute wird Schafkopf g’spielt.
In Dorfen ist Schafkopfen nicht bloß ein Spiel – es ist ein Stück Leben, ein Teil jener alten bayerischen Seele, die in jedem Eichel-Ober und jedem Schellen-König weiterklopft. Es ist ein Kulturgut, tief verwurzelt in der altbayerischen Lebensart, wie das dunkle Bier im Krug oder der grantelnde Kommentar beim Stammtisch. Jeder Spieler nimmt acht Karten auf die Hand – bayerisches Blatt, versteht sich, mit Eichel, Gras, Herz und Schellen, liebevoll abgenutzt vom jahrzehntelangen Mischen.
Zunächst wird gemischt – kunstvoll, ruhig, fast schon andächtig. Dann hebt der Spieler zur Rechten des Gebers ab – mindestens drei Karten, nicht mehr als drei Mal. Oder er klopft. Ein leises „Kloff!“ – und schon darf der Geber die Karten einmal anders verteilen. Jeder hat sein Ritual. Jeder weiß, was jetzt kommt. Acht Karten wandern über den Tisch, zweimal vier, rundherum im Uhrzeigersinn. Der Spieler links beginnt – die Vorhand, der erste Mann. Die Spannung wächst.
Dann kommt die erste Stimme: „I dad spuin.“ – Die Spielansage. Das Herz klopft. Wird’s ein Rufspiel? Ein Wenz? Ein Solo? Wer wagt, gewinnt – oder verliert. Der Nächste überlegt, dann: „I spui a.“ – Ein höherwertiges Spiel liegt auf dem Tisch. Jetzt zählt die Sitzordnung. Wer zu erst kam, mahlt zuerst – oder verliert als Letzter.
Der erste Stich wird gelegt. Ein Gras-Unter wandert auf das Holz – hart, bestimmt. Die anderen legen nach. Man spielt im Uhrzeigersinn. Wer die höchste Trumpfkarte legt oder die stärkste Farbe bedient, sticht – nimmt die Karten an sich, zählt still mit: Wie viele Augen liegen hier? 120 gibt’s insgesamt, aber wer 61 hat, gewinnt. Wer 91 holt, gewinnt mit Schneider. Und wer alles gewinnt – schwarz.
Aber da geht es nicht nur um Punkte. Es geht um Taktik. Ums Reizen. Um das feine Spiel zwischen Vertrauen und Täuschung, zwischen Mitziehen und Überstechen. Der Eichel-Ober, die Sau von Herz, der schüchterne König von Schellen – sie alle erzählen Geschichten, die nur der versteht, der sie oft in Händen hielt.
Zwischendrin wird gelacht, gescherzt, manchmal auch geschimpft – ein falsches Bedienen, ein vorlautes Wort, und das Spiel ist verloren. Doch in der nächsten Runde kann alles anders sein. Die Karten wechseln, die Rollen auch. Heute ist einer Solospieler, morgen ein leiser Mitgeher. Was bleibt, ist das Miteinander.
Am Ende zählt man zusammen. Die Gewinner fordern ihren Lohn – oft nur ein paar Cent, manchmal ein kleiner Betrag in den Stock, der langsam wächst. Schneider? „A Ehrensach.“ – Schwarz? „Des muaßt da aber auch zahlen!“ Man lacht, man zählt, man vergisst die Zeit. Der Abend ist noch lang.
Und wenn draußen längst die Lichter in Dorfen glimmen und drinnen die Karten erneut gemischt werden, spürt man, was das Schafkopfen wirklich ist: ein warmes Flackern zwischen den Menschen. Eine alte Sprache, die man nicht lernen kann, nur erleben. Ein Gefühl von Heimat – Karte für Karte, Stich für Stich.
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14. Jahrhundert - Spielverbote
Die rapide Ausbreitung des Kartenspiels im letzten Drittel des 14.Jh. in seine Verbindung mit Geldeinsätzen und eine damit einhergehende Zunahme von Spielschulden rufen alsbald städtische Obrigkeiten hervor, die oft mit einschränkenden Spielordnungen und auch Verboten reagieren, zumeist in relativ milder Form als gegen Würfeln.
Als frühestes Verbot von Spielkarten gilt das Florentiner Spielverbot von 1377.
1377 - Moralische Spielkarten und Ass
Aus dem Jahr 1377 stammt der Traktat des Johannes von Rheinfelden, in dem er Spielkarten beschreibt und moralisch ausdeutet.
Johannes von Rheinfelden beschreibt die Spielkarten als ein 4 × 13-Blatt mit 52 Karten zu je 10 Zahlkarten und 3 männlichen Hofkarten (einem König und zwei Marschällen). In diesem System hat jede Karte einen Zahlenwert und eine von vier Farben. Somit ergeben sich im vollständigen Blatt mit den Zahlenwerten 1 (= Ass) bis 10 zuzüglich der drei Hofkarten insgesamt 13 Karten pro Farbe, also insgesamt 52 Karten pro Spielsatz oder Blatt.
Der Name Ass leitet sich vom lat. as ab, der kleinsten Währungseinheit im europäischen Mittelalter.
Ab 1400 - Papierindustrie
Grundlage für die künstlerische Blüte des Holzschnitts in Europa ist der Aufbau einer leistungsfähigen Papierindustrie in Europa ab etwa 1400.
1400 bis 1550 - Einblattholzschnitte
Die frühesten Holzschnitte entstehen als Einblattholzschnitte zwischen 1400 und 1550 zuerst in alpenländischen und bayerischen Klöstern.
Als Karten durch Holzschnitttechnik vervielfältigt werden können und in Serien damit auch preiswert in der Herstellung werden, kommt es zu einer schnelleren Verbreitung beim breiten Publikum. Nebenbei entwickeln sich dadurch Holzschnitt, Kupferstich und Buchdruck in Deutschland früher als in anderen Ländern.
15. Jahrhundert - Höfische Spielkarten
Bis in das 15.Jh. sind die Kartenblätter geprägt durch Bilder und Darstellungen des höfischen Lebens, des Lebens der Soldaten und des fahrenden Volkes.
15. Jahrhundert - Zahlenkarten
Seit dem 15.Jh. setzen sich die heute üblichen Kartenwerte in Form von Zahlenwerten von eins bis zehn und der Bildwerte Bube (Unter), Dame (Ober) und König durch.
15. Jahrhundert - Spielkartenblätter
Im 15. und 16.Jh. bilden sich die heute bekannten Spielkartenblätter heraus. Zu den wichtigsten Blättern werden das nach und nach an Dominanz gewinnende französische Blatt mit Treff oder Kreuz, Pik, Herz und Karo, das deutsche Blatt mit Eichel, Laub, Herz und Schellen und das spanisch-italienische Blatt mit Stäben, Schwertern, Kelchen und Münzen.
Ab 1403 - Bernhardin von Siena
In seinen Predigten verurteilt Bernhardin von Siena als „soziale Sünden“ Wucher, Kartenspiel, Gewalttätigkeit und Luxus und „betont die Würde des Menschen als Geschöpf Gottes“.
1426 - Karnöffel-Spiel
Ein weiterer Vorfahr des Schafkopfs ist das Karnöffel-Spiel. Es wird 1426 in Nördlingen erstmals urkundlich erwähnt.
Die Verteilung der Trümpfe ist ähnlich revolutionär wie später beim Schafkopfen: Der Landsknecht, genannt "Karnöffel", ist als Unter die höchste Karte im Spiel. Er sticht nicht nur den Ober, sondern auch die restlichen Kartengrößen seiner Zeit wie "Kaiser" oder "Papst".
1427 - Stuttgarter Kartenspiel
Die älteren Spielkarten sind handgemalt und ein dem Adel vorbehaltener Luxus.
Das Stuttgarter Kartenspiel, datiert auf 1427–1431, zeigt Jagdszenen der Hofgesellschaft in den vier Farben Ente, Falke, Hund und Hirsch. Die auf Goldgrund gemalten Blätter haben ein Maß von 19 × 12 cm.
1440 - Trionfi-Karten
In Italien entwickeln sich in der höfischen Kultur der Visconti-Familie in Mailand und der Este in Ferrara um 1440 die Trionfi-Karten, die sich in einigen Entwicklungsstufen zum frz. Tarot-, dem dt. Tarock- und dem it. Tarocchi-Spiel weiterentwickeln.
Der Begriff der Trionfi führt später u.a. zum dt. Begriff „trumpfen“, der immer noch im Kartenspiel geläufig ist.
1450 - Tarock
Der Urahn aller europäischen Kartenspiele heißt Tarock: Es entsteht vor 1450 in Italien und verbreitet sich während der Habsburger Monarchie in Mitteleuropa aus.
1450 - Kartenmacher-Innungen
Kartenmacher-Innungen um 1450 im deutschsprachigen Raum befinden sich in Nürnberg, Augsburg, Ulm und Straßburg. In Österreich ist Wien ein früher Ausgangspunkt der Spielkartenproduktion.
1450 - Hofämterspiel
Das Hofämterspiel entsteht 1450 im höfischen Umfeld und ist das älteste gedruckte und nachträglich kolorierte Kartenspiel, das bis heute erhalten geblieben ist. Aufgrund seiner Symbolik geht man davon aus, dass es im höfischen Umfeld entstanden ist.
1451 bis 1456 - Johannes Capistranus
Für die deutsche Spielkartenproduktion erweist sich Capistranus als problematisch, da er zwischen 1451 und 1456 in deutschsprachigen Ländern predigt und selbst den sehr zahlreichen Kartenmachern der Stadt Nürnberg für einige Jahre den Broterwerb unmöglich macht.
Ab 1482 - Girolamo Savonarola
Girolamo Savonarola lässt ab 1482 allgemein Spiele neben anderem verwerflichem Tand auf Scheiterhaufen verbrennen.
1500 - Spielkarten aus Lyon
Lyon entwickelt sich um 1500 zu einem Zentrum der Kartenspielproduktion und lässt Kartenspiele zu seinem Exportschlager werden – das Resultat ist eine Dominanz des französischen Farbsystems, die immer noch vorherrscht.
Spielkarten erhalten die noch heute gebräuchlichen Farben cœur („Herz“), pique („Lanze“), trèfle („Kleeblatt“) und carreau („Quadrat“).
16. Jahrhundert - Farbzeichensysteme
Im 16.Jh. entstehen regionale Farbzeichensysteme mit vier Farbzeichen in Europa, die die bis dahin üblichen Tiere, Blumen, Wappen, Helme und anderen Farben ablösen.
16. Jahrhundert - Kartenspiele der Landsknechte
Ab dem 16.Jh. werden Kartenspiele in den Spielsalons höherer gesellschaftlicher Kreise gepflegt. Doch durch die Landsknechte des 16. und 17.Jhs., die sich die Zeit mit Kartenspielen vertreiben, werden Spielkarten von einem reinen Adelsprivileg zum Volksvergnügen für die Massen.
17. Jahrhundert - Französische Kartenspiele
Viele bekannte Kartenspiele entstehen in Frankreich und breiteten sich ab dem 17. und 18.Jh. nach Deutschland und in andere Regionen aus, darunter Bassette und dessen Weiterentwicklung Pharo sowie Piquet und L’Hombre.
17. Jahrhundert - L’Hombre und Deutsch Solo
Ende des 17.Jhs. wird das aus Frankreich kommende Kartenspiel L’Hombre in Spanien zum Nationalspiel. In Deutschland wird L’Hombre unter der vereinfachten Ableitung, das Deutsch Solo, bekannt.
Die Unterscheidung zwischen variablen und ständigen Trümpfen sowie die Spielfindung durch Ansage und Reizen beim Schafkopf entstammt wohl diesen Spielen.
Das Spezifikum des Bayerischen Schafkopf, die Partnerfindung durch Rufen einer Ass, ist ebenfalls im Deutsch Solo üblich; die Ermittlung der Gewinnerpartei durch Zählen der Augen, anstatt der Stiche, hingegen hat ihren Ursprung im Bayerischen Tarock.
17. Jahrhundert - Societäts-, Denunciations- und Conversationsspiel
Aus dem Tarock entwickelt sich im 17.Jh., vermutlich schon zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648), das Schafkopfen. Zu dieser Zeit ist es jedoch noch unter den Namen Societäts-, Denunciations- und Conversationsspiel bekannt.
Zur Schafkopf-Familie gehören neben dem Bayerischen Schafkopf auch Skat, Doppelkopf sowie Deutscher und Wendischer Schafkopf.
18. Jahrhundert - Schafkopf
Ursprünglich bezieht sich die Bezeichnung "Schafkopf" auf mehrere, mehr oder weniger im sächsisch-thüringischen Raum angesiedelten Vorläufervarianten wie Wendischer und Deutscher Schafkopf.
In diesen älteren Schafkopfvarianten wird die Spielerpartei bei Partnerspielen generell durch ein Zusammenspiel der beiden höchsten Trümpfe ermittelt, wie es ganz ähnlich zum Beispiel auch heute noch im Doppelkopf (Kreuz-Damen) gehandhabt wird.
17. Jahrhundert - Pharo
Ab dem 17.Jh. ist das Kartenspiel Pharo in Spielsalons, Clubs und Spielgesellschaften in Europa und später in den Spielsalons der amerik. Goldgräber sehr verbreitet und beliebt.
Der Name „Pharo“ ist von einer Spielkarte mit der Darstellung eines Pharaos abgeleitet, die in frz. Kartensätzen des 17.Jhs. vorkommt und die als besonders glücksbringend gilt, was dazu führt, dass Spieler häufig auf sie setzen.
Ende 18. Jahrhundert - Doppelköpfige Spielkarten
Ende des 18. Jahrhunderts kommen die modernen doppelköpfigen Spielkarten auf.
1782 - Zechen und Spielen an Werktagen und Sonntagen
Im sächsischen Straf- und Bußgeldkatalog von 1782 gilt das Schafkopfspiel nicht als Glücksspiel im juristischen Sinne wie etwa Hazard und ist daher erlaubt.
Ab 19. Jahrhundert - Bedruckte Rückseiten
Ab dem 19.Jh. werden die Rückseiten der Spielkarten bedruckt, wobei sie bei frühen Karten marmoriert und später mit Punkt- und Strichmustern sowie schließlich mit der auch heute noch üblichen schottischen Karierung gestaltet werden.
Ab 19. Jahrhundert - Skat, Whist und Bridge
Ab dem 19.Jh. werden Spiele wie Skat, Whist und Bridge entwickelt, im frühen 20.Jh. folgen Canasta und Rommé.
1800 bis 1850 - Bauernspiel Schafkopf
In der ersten Hälfte des 19.Jhs. gilt Schafkopf als unmodernes und einfaches „Bauernspiel“. An den Universitäten werden Kartenspiele wie Deutsches Solo und Skat bevorzugt.
Mit „Schafkopf“ wird im Hessen auch das Kartenspiel Schwarzer Peter bezeichnet.
1803/1811 - Paul Hammer
1803 und 1811 wird Schafkopf von Paul Hammer in Leipzig in eine Beschreibung deutscher Kartenspiele aufgenommen.
1827 - Johann Schmeller
Der Sprachforscher Johann A. Schmeller erwähnt das Spiel im Bayerischen Wörterbuch, das zwischen 1827 und 1837 entsteht.
1843 - Schafkopf in Franken
Das Oberpfälzische Zeitblatt (Amberg) berichtet 1843 über eine ziemliche Verbreitung eines gewissen Kartenspieles namens Schafkopf in manchen Gegenden Frankens.
1849 - Schafkopfspiel in Gräfenberg
Die spezifisch bayerische Variante entsteht mit der Einführung des Rufspiels in der ersten Hälfte des 19.Jhs. in Franken: Die erstmalige Erwähnung eines definitiv nach bayerischen Regeln in Gräfenberg gespielten Schafkopfspiels datiert aus dem Jahr 1849.
1850 - Amerikanischer Schafkopf
Das Schafkopfspiel wird um die Mitte des 19.Jhs. von deutschen Einwanderern in die USA gebracht. Das amerikanische Sheepshead leitet sich jedoch nicht vom Bayerischen Schafkopf ab, sondern von älteren Varianten wie dem Deutschen Schafkopf.
In Staaten mit starker deutscher Gemeinde, insbesondere in Wisconsin, wird es schnell sehr populär und ist auch bei den „Damenkränzchen“ ein beliebter Zeitvertreib.
1876 - Das edle Schafkopf-Spiel
Die früheste klare Beschreibung der bayerischen Abart von Schafkopf taucht 1876 in Das edle Schafkopf-Spiel auf, einem Gedicht vom L. Schwarzmann im Regensburger Conversations-Blatt. Dieses listet alle 14 Trümpfe, die Spielansagen Rufer und Solo sowie Besonderheiten wie Schneider und die Ruf-Sau.
1884 - Der Schaffkopf: ein geistreiches Kartenspiel
Die ältesten schriftlich fixierten Regeln zum Bayerischen Schafkopf finden sich in Der gewandte Kartenspieler: Der Schaffkopf: ein geistreiches Kartenspiel, die 1884 in Würzburg veröffentlicht wird.
Zu dieser Zeit gibt es bloß zwei Spiele: die Frage (heute Rufer, Rufspiel od. Sauspiel), bei dem Herz immer Trumpf ist, und der Spielmacher eine Sau einer Fehlfarbe ruft und der mit dem Rufsau sein Mitspieler wird; und das Solo, bei dem der Spielmacher irgendeine Farbe als Trumpf nennt und allein gegen drei Gegenspieler spielt.
1895 - Schafkopf-Büchlein
Im Schafkopf-Büchlein – Ausführliche Anleitung zum Erlernen und Verbessern des Schafkopfspiels mit deutschen Karten (Obsis, Amberg 1895) geht der Autor auf die Unterschiede zu den in Norddeutschland gespielten Schafkopfvarianten, sprich Skat und Doppelkopf, ein.
1900 - Bayrischer Schafkopf wandert von Norden nach Süden
Im Bayerischen Wald ist um 1900 noch das Tarockspiel populärer. Die Frage nach dem Ursprung des Bayerischen Schafkopf lässt sich nicht abschließend beantworten, jedoch legen die vorhandenen Quellen eine Wanderung von Norden nach Süden nahe.
1900 - Spielschulden sind Ehrenschulden
In Deutschland wird ab 1900 durch das Bürgerliche Gesetzbuch geregelt, dass eine Spielschuld nicht einklagbar ist (§ 762 BGB) - Spielschulden werden als Ehrenschulden betrachtet.
Bis 20. Jahrhundert - Gebetbuch des Teufels
In puritanischen Kreisen wird das Kartenspiel bis in das 20.Jh. hinein als „Gebetbuch des Teufels“ bezeichnet, um die Gefahren des Glücksspiels und auch des Müßiggangs zu verdeutlichen.
1931 - Spielkartenfabriken
16 Spielkartenfabriken in Deutschland stellen 1931 insgesamt 10 Millionen Kartenspiele her.
In der ersten Hälfte des 20.Jhs. werden Spielkarten in Deutschland hauptsächlich in Altenburg und Stralsund hergestellt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgt eine Verlagerung der Produktion nach Stuttgart und später ins benachbarte Leinfelden-Echterdingen. In Altenburg entsteht unter Landesregie der VEB Altenburger Spielkartenfabrik mit der Marke „Coeur“.
Die beiden Betriebe werden 2002 durch den belgischen Eigentümer Carta Mundi als ASS Altenburger wieder vereinigt.
Die Firmen Dal Negro in Treviso (Italien) und Piatnik in Wien gehören heute neben ASS Altenburger zu den größten und bekanntesten europäischen Spielkartenherstellern.
Nach 1945 - Bettel und Ramsch
Nach dem Zweiten Weltkrieg tauchen weitere Schafkopf-Spiele auf, insbesondere das Bettel und der Ramsch sowie das Schieber-Solo.
1974 - Variante Wenz
1974 wird der heute standardmäßige Wenz noch als eine Variante beschrieben.
1970er - Schreibweise Schaffkopf
Bis Ende der 1960er ist in Bayern die alternative Schreibweise "Schaffkopf" nicht selten zu finden, ehe sich ab etwa 1970 die gängige Variante Schafkopf weitgehend durchsetzt.
1983 - Herz-Solo-Schafkopf-Spiel
In einer bairischen Version des Liedes "Herz ist Trumpf (Dann rufst du an …)" von Trio beschrieb Max Griesser den Verlauf eines Herz-Solo-Schafkopf-Spieles.
1989 - Offizielles Regelwerk
Offiziell festgelegt werden die Spielregeln des Bayerischen Schafkopf beim 1. Bayerischen Schafkopf-Kongress 1989 im Münchner Hofbräuhaus durch den Bayerischen Schafkopf-Verein e. V.
Die Schafkopfschule hat sich mittlerweile als eine Art inoffizielle Berufungsinstanz bei Fragen der Regelauslegung etabliert.
1990er - Schreibweise Schaffkopf
Der Autor Wolfgang Peschel plädiert Anfang der 1990er unter Verweis auf die im Volksmund überlieferte Ansicht, dass in früheren Zeiten auf den Deckeln (= Köpfen) von Fässern (oberdeutsch Schaff) gespielt (geklopft) worden sein soll, für die Doppel-f-Schreibweise. Die Wirtshäuser des ausgehenden Mittelalters waren nämlich nur mit Fässern statt Tischen möbliert.
Obschon diese Hypothese in Fachkreisen einhellig abgelehnt wird und sich in älteren Quellen auch keinerlei Belege dafür finden lassen, ist sie im Internet weit verbreitet.
2006 - Guinness-Buch
Das Guinness-Buch der Rekorde erkennt Kartenspielrekorde bis 2006 nur an, wenn diese auf einem vollständigen Satz mit 52 Karten basieren. Erst nach Intervention des Bayerischen Rundfunks wird diese Regel gelockert und Schafkopf in dieser Kategorie anerkannt; seitdem wird der Rekord im Dauerkartenspiel ausschließlich von Schafkopfrunden gehalten - aus medizinischen Gründen gestatten die Guinness-Regeln dabei zwei Auswechselspieler.
2011 - 170 Stunden Schafkopf
Der letzte verbriefte Weltrekord ist mit 170 Stunden aus dem Jahr 2011, aufgestellt in München. 2024 wird ein neuer Rekordversuch über 192 Stunden in Sonthofen im Oberallgäu aufgestellt.
2012 - "A bissel was geht immer"
Schafkopf – a bissel was geht immer ist der Titel einer seit 2012 ausgestrahlten Vorabendserie im ZDF.
2013 - Roman "Schafkopf"
Mit dem Alpenkrimi Schafkopf um das Ermittlerduo Kommissar Wallner und Polizeiobermeister Kreuthner thematisiert Andreas Föhr das Spiel.
2022 - Schafkopf-Trikot
Der FC Bayern München stellt für die Champions-League-Saison 2022/23 ein Adidas-Trikot im Schafkopfdesign vor. Innerhalb abgesetzter Rauten sind auf dem Trikot die Symbole der Blattfarben Eichel, Gras, Herz und Schellen zu sehen.

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