Donnerstag, 17. Juli 2025

Facebook zensiert sie als Pornografie


Die Venus von Willendorf
Sie steht vor mir, kaum 11 Zentimeter hoch, doch mit einer Präsenz, die Jahrtausende überdauert. Die Venus von Willendorf. Eine Frau aus Stein. Voll, rund, nackt – ja, nackt in einer Weise, die für unsere Gegenwart eine Provokation zu sein scheint. Facebook zensiert sie. Warum? Weil sie ihre Brüste berührt? Weil ihre Vulva sichtbar ist? Oder weil jemand sie als Kette trägt – zu nah am Herzen, zu frei im Blick?

Sie ist nicht jung. Und sie ist nicht „schön“ im Sinne jener genormten Schönheitsideale, die unsere Zeit so grausam zu definieren versucht. Doch genau das macht sie verletzlich: eine uralte, nackte Frau, der unterstellt wird, pornografisch zu sein. Als ob Nacktheit schon ein Vergehen wäre. Als ob Alter vor Begehren schützen könnte.

Pornografie, so heißt es, sei die direkte Darstellung der Sexualität – mit dem Ziel, zu erregen. Aber wer entscheidet das? Ist es der Künstler, der Schöpfer dieser Figur aus Kalkstein? Oder ist es der Blick des Betrachters, der sie entblößt – mit Gedanken, die sich in ihren Leib hineinschreiben?

Denn vielleicht ist nicht die Venus pornografisch – sondern der, der sie dazu macht. Der Pornograph. Der Voyeur. Der Sehende, der in ihr nicht Fruchtbarkeit, nicht Kunst, nicht Geschichte, sondern Lust erkennt – oder erkennen will.

Was heute als Pornografie gilt, war es vor 30.000 Jahren vielleicht nicht. Damals war diese Venus ein Symbol. Für Leben. Für Weiblichkeit. Für Hoffnung. Für das Geheimnis des Gebärens. Und heute? Heute ist sie ein Streitfall zwischen Moral, Kunst und Algorithmen.

Denn Facebook scheint es zu wissen – besser als jeder Archäologe, besser als du und ich: Die Venus von Willendorf ist pornografisch. Und darum wird sie gelöscht.

Doch ich frage mich: Ist es wirklich ihr nackter Körper – oder unser nackter Blick, der zensiert werden müsste?

Der Blick des Begehrens
Pornografie – das Wort flüstert etwas Verbotenes, etwas Lockendes, etwas Dunkles und doch allzu Menschliches. Sie ist da, wo die Kamera nicht mehr nur beobachtet, sondern aufdringlich nahe kommt. Wo der Körper, besonders der weibliche, nicht einfach nur erscheint, sondern in seiner sexuellen Aktivität betont, entblößt, ausgeleuchtet wird – in einer Weise, die den Blick nicht mehr loslässt. Ziel ist nicht mehr die Schönheit, nicht das Spiel, sondern die Erregung. Und wer sieht, wird zum Porneur, zum Voyeur. Zur schaulustigen Seele im Schatten des Bildes.

Pornografie hat viele Gesichter. Sie lebt in Bildern, in Filmen, in Worten und in Stimmen. Doch immer wieder geht es um das eine: um nackte Haut, um Lust, um einen Körper, der zur Projektionsfläche wird – für das, was wir begehren, für das, was uns fehlt. Was sie zeigt, beeinflusst, wie wir über Sexualität denken. Wie wir den weiblichen Körper wahrnehmen. Was wir erwarten – und was wir uns nicht mehr trauen zu geben.

Denn dort, wo Pornografie normiert, wo sie Schönheit auf eine Handvoll Körperformen reduziert und jede Szene zum Hochleistungsakt stilisiert, dort beginnen unsere Zweifel zu wachsen. Wer bin ich, wenn ich nicht aussehe wie sie? Wenn ich nicht kann wie er? Enttäuschung keimt. Scham legt sich auf das eigene Begehren. Und irgendwann beginnt die Wirklichkeit zu verblassen – neben einer Phantasie, die sich ständig steigert.

Manche verlieren sich. In Frustration, in Entfremdung, in der Sucht nach immer neuen Bildern. Die Lust versiegt. Beziehungen trocknen aus. Der reale Mensch wird zu viel – zu komplex, zu langsam, zu nah. Die Erregung, so leicht erreichbar auf dem Bildschirm, wird zum Maß aller Dinge. Und im schlimmsten Fall bleibt nur noch das: Impotenz. Isolation.

Doch Pornografie wirkt nicht nur zerstörend. Sie offenbart auch: Männer und Frauen reagieren körperlich ähnlich – mit schnellerem Herzschlag, tieferem Atem, stärkerer Durchblutung. Im Gehirn brennen die gleichen Regionen, nur beim Mann leuchtet der Hypothalamus etwas stärker. Und doch sind die Wege verschieden. Frauen brauchen Handlung, Nähe, Identifikation. Männer sehen oft nur Körper – Objekt ohne Geschichte.

In der Pubertät ist Pornografie ein erster Spiegel der Begierde. Für Jungen öffnet sie früh ein Tor in die eigene Sexualität – doch auch ein Tor zu unrealistischen Erwartungen. Für Mädchen bleibt das Bild oft fremd. Und wer viel, zu viel sieht, der verliert den inneren Kompass. Die Lust wird stumpf. Das Gehirn verändert sich – und mit ihm das Fühlen.

Was als Aufklärung beginnt, kann zur Einsamkeit führen. Und was Erregung verspricht, kann die Liebe entwöhnen. In der Pornografie spiegelt sich nicht nur unsere Sexualität – sondern auch unsere Sehnsucht nach Nähe, unsere Angst vor dem Echten, unser Wunsch, gesehen zu werden, ohne entblößt zu sein.

Handlanger der Misogynie
Es beginnt mit einer Frage. Warum genügt uns nicht die Zärtlichkeit im geschützten Raum, das Flüstern im Dunkel, das Schweigen nach der Ekstase? Warum muss Lust hinaus in die Welt gezerrt, seziert und als Ware angeboten werden? Wenn die Sexualität öffentlich ausgestellt wird, verwandelt sie sich – oft unbemerkt – in Pornografie. Und in vielen Fällen wird aus der Lust ein verzerrtes Bild: ein Spiegel der Macht, der Demütigung, der Misogynie.

Denn was geschieht, wenn ein Mann nicht nur liebt, sondern sehen muss, besitzen will, beherrschen möchte? Wenn sein Blick die Frau nicht als Gegenüber, sondern als Objekt versteht – regungslos, gefügig, bereit? Dann beginnt Pornografie nicht nur zu zeigen, sondern zu verzerren. Sie wird zur Bühne für ein uraltes Drama der Unterwerfung. Und je öfter es gespielt wird, desto tiefer brennt es sich ein.

Viele Darstellungen im Mainstream-Porno reduzieren die Frau auf eine Hülle: ohne Stimme, ohne Geschichte, ohne Wunsch. Ihre Lust zählt kaum. Ihr Schmerz wird geleugnet. Ihre Würde geopfert. Gewalt, Spanking, Würgen, Demütigung – und das alles unter einem Schleier der Lust verkauft. In 88 Prozent der Szenen ist physische Aggression gegen Frauen zu sehen, in fast der Hälfte auch verbale. 94 Prozent dieser Gewalt trifft sie – nicht ihn. Und fast immer zeigt sie sich „einverstanden“, reagiert mit einem Lächeln, mit Schweigen, mit gespieltem Vergnügen. Der Zuschauer glaubt, das sei normal.

So wird aus Pornografie ein Lehrbuch der Erniedrigung. Ein Handbuch der Gewalt. Ein Flüstern, das sagt: Sie will es doch. Sie widerspricht ja nicht. Und der Mann, der oft gelernt hat, nicht zu fragen, sondern zu nehmen, hört zu. Lernt. Und glaubt. Die Darstellung wird zur Wirklichkeit, die Wirklichkeit zur Ausrede.

Es gibt sie, die Gegenbilder – feministische Pornografie, ethisch produziert, respektvoll, gleichberechtigt. Aber sie bleiben leise im Rauschen des lauten Marktes. Denn die Mainstream-Welt verkauft lieber die Dominanz. Das Objekt. Den Mythos der nymphomanen Frau, die immer will, immer lächelt, immer schweigt. Es ist nicht nur Sex, was da gezeigt wird. Es ist ein Weltbild. Und das ist zutiefst misogyn.

Diese Bilder verletzen – nicht nur die Darstellerinnen. Sie verändern, was wir glauben, was wir fühlen, was wir begehren. Und sie bringen Dunkelheit in Räume, die eigentlich hell sein könnten: die Zärtlichkeit zwischen zwei Menschen, das Vertrauen, das Staunen über das andere. Wenn Pornografie nur noch den Körper kennt, nicht aber das Herz, wenn sie Gewalt feiert statt Hingabe, dann wird sie zum Handlanger einer Gesellschaft, die Frauen nicht achtet, sondern erniedrigt.

Und so bleibt die Frage: Was wollen wir sehen – und was dürfen wir nie mehr übersehen?
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Ab 300 v. Chr. - Pornografische Darstellungen
Pornografische Darstellungen, auch explizit der Geschlechtsorgane, reichen bis in vorantike Zeiten zurück. Auf Wandbildern im alten Rom und auf antiken griechischen Vasen finden sich derartige Motive. Auch in anderen Teilen der Welt haben ähnliche Darstellungen eine lange Tradition, z.B. während der Shunga-Dynastie in Japan oder Keramik der Mochica im Peru. 

193 - Der pornográphos im Gelehrtengastmahl
„Pornografie“ ist ein aus dem Altgriechischen abgeleitetes Kunstwort, zusammengesetzt aus pórnē „Hure, Dirne“ und gráphein „schreiben, malen, zeichnen“.
Einziger Beleg für den Gebrauch ist eine Stelle im Gelehrtengastmahl des Athenaios, wo vom pornográphos die Rede ist, worunter ein Autor einer Biografie einer berühmten Hetäre oder ein Maler entsprechender Sujets verstanden wird.

Ab 15. Jahrhundert - Kupferstiche
Seit der Renaissancezeit und vor allem im 18.Jh. werden „pornografische“ Darstellungen in Form von Kupferstichen verbreitet.

1450 - Buchdruck
Durch die Erfindung des Buchdrucks wird nicht nur die Verbreitung der Bibel, sondern auch der Handel mit pornografischen bzw. erotischen Drucken erleichtert.

1769 - Der Pornograph
1769 erscheint eine Abhandlung von Nicolas Edme Restif de la Bretonne mit dem Titel Der Pornograph: Ideen eines Herrn für ein Projekt zur Regulierung von Prostituierten, geeignet zur Verhütung des Unglücks aufgrund des öffentlichen Austausches von Frauen.

Vor 1830 - Reglementierung der Prostitution
Der Begriff "Pornografie" wird in sozialwissenschaftlichem Zusammenhang verwendet, wenn es um Projekte der öffentlichen Sittlichkeit und der Reglementierung der Prostitution geht.

Ab 1830er - Erotische Fotos
Das Aufkommen neuer Medien Anfang des 19.Jhs., führt in der westlichen Welt auch bald zur Nutzung dieser für pornografische Inhalte. Nach der Erfindung der Fotografie im 19.Jh. gibt es Fotos mit pornografischen Motiven.

1830 - Müllers Pornografie
Der Begriff Pornografie in seiner heutigen Bedeutung wird 1830 von Karl Otfried Müller geprägt, der eine Bezeichnung für diverse, als äußerst obszön empfundene Kunstwerke, die bei den Ausgrabungen in Pompeji entdeckt werden, sucht.

1864 - Websters Pornografie
Das Werk Müllers von 1830 erscheint 1850 auf Englisch und von da findet der Begriff Eingang in den englischen Wortschatz: „Pornographie: Freizügiges Gemälde zur Ausschmückung der Wände in Räumen, die bacchanalischen Orgien gewidmet sind. Beispiele sind in Pompeji vorhanden.“ – Webster’s Dictionary, 1864.

1872 bis 1973 - Unzüchtige Darstellungen
Von 1872 bis 1968 in der DDR bzw. 1973 in der Bundesrepublik wird Pornographie als „unzüchtige Schriften, Abbildungen oder Darstellungen“ bezeichnet.

Ab 1896 - Erotische Filme
Mit der Entwicklung des Films werden die Möglichkeiten der Pornografie erweitert, indem es möglich wird, sexuelle Handlungen in bewegten Bildern direkt abzubilden. Die ersten pornografischen Filme entstehen im späten 19.Jh., z.B. Le Coucher de la Mariée, 1896.
Im 20.Jh. erfolgt die Vorführung in speziellen Pornokinos.

1900 - Lex Heinze
Von 1872 bis 1900 ist die Höchststrafe für die Verbreitung von Pornografie 100 Taler bzw. 300 Mark Geldstrafe bzw. 6 Monate Gefängnis, mit der Lex Heinze wird 1900 die Höchststrafe auf 1000 Mark Geldstrafe bzw. ein Jahr Gefängnis angehoben.

20. Jahrhundert - Frauen lesen Porno
Im 20.Jh. erreichen pornografische Texte erstmals in großer Zahl auch solche Leser, die bis dahin nicht zum Kern der Porneure, der Pornografieverbraucher zählen, darunter etwa Frauen.

1905 - Oxfords Pornografie
Das Oxford English Dictionary definiert 1905 „Pornographie“ als „eine Beschreibung von Prostituierten oder der Prostitution als Angelegenheit der öffentlichen Hygiene“.

1933 bis 1945 - Volks- und sittenzersetzende Pornografie
In Deutschland ist während der Zeit des Nationalsozialismus sowohl heterosexuelle als auch homosexuelle Pornografie als volks- und sittenzersetzend streng verboten. Es kommt zu einem Handel mit beschlagnahmter Pornographie unter SS-Gruppenführer Reinhard Heydrich.
In der Zentralbibliothek des Reichssicherheitshauptamtes wird eine einer Erotika-Sammlung angelegt, die „von den SS-Leuten sehr oft benutzt“ wird.

1967 - Die pornografische Vorstellungskraft
Spätestens seit Susan Sontags Essay The Pornographic Imagination, in dem sie Die Geschichte der O „als hochgradig literarisches Werk“ und als ein Beispiel für die Legitimität anspruchsvoller Pornografie als eigenständiges literarisches Genre bezeichnet, unterscheidet man zwischen pornografischen Texten im Allgemeinen und erotischer Literatur im Besonderen.

1969 - Fanny-Hill-Urteil
Die strafrechtliche Definition des Begriffs Pornografie basiert auf dem Fanny-Hill-Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 1969; da damals das Verbreiten unzüchtiger Schriften verboten ist, hat das Gericht der Frage nachzugehen, ob es sich bei Schilderungen geschlechtlicher Vorgänge grundsätzlich um unzüchtige Schriften handelt.
Das Gericht kommt dabei zu der Erkenntnis, dass eine solche Schrift dann nicht unzüchtig sei, „wenn sie nicht aufdringlich vergröbernd oder anreißerisch ist und dadurch Belange der Gemeinschaft stört oder ernsthaft gefährdet“.

1970er - Bodice-Ripper-Roman
In den 1970er erlebt in den USA der Bodice-Ripper-Roman eine Konjunktur, ein Subgenre trivialer Liebesromane, die Elemente des Abenteuerromans und des Geschichtsromans verwenden, ihre Geschichten aber aus der Perspektive der weiblichen Hauptfigur erzählen. Im Mittelpunkt dieser Geschichten steht stets die „Eroberung“ der als unwiderstehlich, aber auch „unbezähmbar“ charakterisierten jungen Frau durch den draufgängerischen und schurkenhaften Mann, dem sie sich am Ende liebend ergibt.
Bodice-Ripper-Romane enthalten regelmäßig explizite Beschreibungen sexueller Handlungen, die im Gesamtumfang der dickleibigen Bücher jedoch nur einen geringen Anteil ausmachen.

1970er - Porno-Videos
Ein rasanter Anstieg in der Verbreitung von Pornos kommt mit der Entwicklung der Videokassette in den 1970er.
Dank dieser Technologie wird es zum einen möglich, die Filme direkt auf Video billiger zu produzieren. Zum anderen ermöglicht die Verbreitung des Videorekorders und der Videotheken den privaten Konsum zuhause.

1970er - Porno Chic
Der Ausdruck Porno Chic wird erstmals in den frühen 1970er gebraucht, um die Welle pornografischer Filme zu beschreiben, die zu diesem Zeitpunkt erstmals in US-amerikanischen Mainstream-Kinos vorgeführt werden und zu denen u.a. Produktionen wie Behind the Green Door, Deep Throat, The Devil in Miss Jones und Score gehören.
Heute wird der Begriff auch verwendet, um die zunehmende Verbreitung pornografischer Stilelemente in unterschiedlichsten medialen Mainstream-Kontexten zu beschreiben.

1973 - Obszöne Pornografie
Nach Auffassung des Sonderausschusses des Bundestags für die Strafrechtsreform sind Schriften, Ton- und Bildträger dann als pornografisch einzustufen, wenn sie „zum Ausdruck bringen, daß sie ausschließlich oder überwiegend auf die Erregung eines sexuellen Reizes bei dem Betrachter abzielen und dabei die im Einklang mit allgemeinen gesellschaftlichen Wertvorstellungen gezogenen Grenzen des sexuellen Anstandes eindeutig überschreiten“. Der Gesetzgeber geht bei Pornografie also von einer Obszönität aus.

1974 - OLG Düsseldorfs Pornografie
Nach dem OLG Düsseldorf handelt es sich bei Pornografie um „grobe Darstellungen des Sexuellen, die in einer den Sexualtrieb aufstachelnden Weise den Menschen zum bloßen, auswechselbaren Objekt geschlechtlicher Begierde degradieren. Diese Darstellungen bleiben ohne Sinnzusammenhang mit anderen Lebensäußerungen und nehmen spurenhafte gedankliche Inhalte lediglich zum Vorwand für provozierende Sexualität.“

1975 - Legalisierung
1973 erfolgt in der BRD die Umbenennung von „unzüchtige“ in „pornographische“ Schriften und seit 1975 ist die Verbreitung von Pornografie in der Bundesrepublik grundsätzlich nicht mehr verboten, sondern nur noch aus Gründen des Jugendschutzes stark eingeschränkt.
Ein Problem für den deutschen Jugendschutz stellen frei empfangbare Sender aus Ländern dar, in denen Pornografie im Fernsehen nicht verboten ist, vor allem aus Spanien und Italien, deren Sendegebiet durch das Satellitenfernsehen aus technischen Gründen zwangsläufig und quasi unverhinderbar auch Deutschland umfasst.

1975 - Harte Pornografie
Die harte Pornografie darf weder verbreitet noch einem anderen auf sonstige Weise zugänglich gemacht werden. Dabei wird nicht unterschieden, ob die Darstellungen ein wahres oder ein fiktives Geschehen wiedergeben.
Zur harten Pornografie gehören pornografische Darstellungen, die Gewalttätigkeiten oder sexuelle Handlungen von Menschen mit Tieren oder Kinder, also einer Person unter 14 Jahren, oder Jugendliche, also eine Person zwischen 14 und 18 Jahren, zum Inhalt haben.

1976 - Sexualität und Wahrheit
Foucault untersucht darin, wie Gesellschaften Sexualität nicht nur unterdrücken, sondern auch erzeugen, beobachten und regulieren – etwa durch Medizin, Kirche, Psychiatrie oder Recht. Seine zentrale These lautet: Nicht die Repression, sondern die Macht über das Reden über Sexualität ist entscheidend.

1980er - Erotische Liebesromane
Als die romantisierende Darstellung sexueller Gewalt von den feministisch mittlerweile sensibilisierten Leserinnen im Laufe der 1980er und 1990er als zunehmend befremdlich empfunden wird, treten an die Stelle der Bodice Ripper erotische Liebesromane, die anstelle von „erzwungener Verführung“ nur noch einvernehmlichen Sex zeigen.

1980er - Demokratisierung der Pornografie
Die „Demokratisierung der Pornografie“ beginnt in den 1980er, als mit erschwinglichen Hand-Videokameras die Produktion technisch einfach wird: Während bis dahin Pornografie von professionellen Produzenten und Darstellern hergestellt und kommerziell vertrieben wird, werden nun zunehmend Inhalte von Amateuren ins Internet gestellt.

1980er - Feministische Pornografie
Feministische Pornografie entsteht im Umfeld des sex-positiven Feminismus. Es wird darin eine Strömung innerhalb des Feminismus bezeichnet, die der Pornografie prinzipiell offen gegenüber steht, im Gegensatz zur Pornografie-feindlichen Haltung des klassischen Feminismus. So existieren zahlreiche pornografische Medien, die sich explizit als feministisch einstufen.

1990er - Alternative Pornografie
Alt porn, als Abkürzung für „alternative Pornografie“, bezeichnet eine Form der Pornografie, die sich bewusst von der „Mainstream“-Pornografie abgrenzen will.
Die Akteure entsprechen in ihrem Stil und Aussehen meist nicht den üblichen Klischees der Pornobranche. Piercings, Tattoos und andere Formen von Körpermodifikation sind häufig zu finden.
Altporn entsteht in den 1990er, aufbauend auf dem Cinema of Transgression der 1980er. Populärste Vertreter des heutigen Altporns sind die SuicideGirls.

1990 - Mutzenbacher-Entscheidung
Wissenschaftliche Schriften können nicht pornografisch sein. Dagegen ist eine strikte Trennung zwischen Kunst und Pornografie nicht möglich, wie das Verfassungsgericht in seiner Mutzenbacher-Entscheidung feststellt.

1993 - Kinderpornografie
Da die Beschaffung von Kinderpornografie, welche Bilder realer Kinder zeigt, einen Markt bereitet und mittelbar zum Missbrauch von Kindern beiträgt, ist seit 1993 in Deutschland auch der Besitz von Kinderpornografie, die einen tatsächlichen Missbrauch zeigt, strafbar (Besitzverbot).

Ab 1995 - sex stories im Internet
Mitte der 1990er, mit der Nutzung des Internets aufkommend, beginnt eine Welle der Veröffentlichungen von sex stories, meist in englischer Sprache im Usenet.

21. Jahrhundert - Wirtschaftsfaktor Pornografie
Die gesamte Pornografie-Branche wird im Verlauf der zweiten Hälfte des 20.Jhs. zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Liegt 2005 der weltweite taxierte Umsatz noch bei rund 20 Milliarden Dollar pro Jahr, erwirtschaftet die Pornographie-Branche 2018 alleine in den USA rund 15 Milliarden Dollar.

21. Jahrhundert - Internet-Pornografie
Das Internet wird durch Anonymität, Verfügbarkeit und teilweise kostenlose Angebote ein zentraler Verbreitungsweg von Pornografie.
Online-Angebote können, im Gegensatz zu klassischen Vertriebswegen wie Print oder DVD, auch Interaktivität bieten in Form von Cam-Portale, Cam-Sex, Fernsteuerung von Sextoys.

2000er - Amateurpornografie
Die Amateurpornografie verbreitet sich mit der Entstehung von Web 2.0 und User-generated Content in den 2000er stark im Internet, insbesondere auch mit der Gründung der Plattform YouPorn im Jahr 2006 und deren zahlreichen Nachahmern.
Der überwiegende Teil der Amateurpornografie besteht aus selbst gemachten Aufnahmen von Einzelpersonen oder Paaren, die diese im Internet hochladen.

2000er - Camgirls und Livestreaming
Mit dem Aufkommen von Breitbandinternet und Webcams entstehen neue Formen der interaktiven Pornografie, etwa durch Live-Chats, bei denen Nutzer direkt mit Darstellenden kommunizieren können.

2002 - Bundesverwaltungsgerichts Pornografie
Das Bundesverwaltungsgericht definiert 2002: „Ein Film ist ‚pornographisch‘ im Sinne von § 184 StGB, wenn sein Inhalt unter Hintansetzung sonstiger menschlicher Bezüge sexuelle Vorgänge in grob aufdringlicher, anreißerischer Weise in den Vordergrund rückt und ausschließlich oder überwiegend auf die Erregung sexueller Reize abzielt.“

2008 - Jugendpornografie
Seit 2008 ist der Besitz von Jugendpornografie, die Bilder realer Jugendlicher zeigt, strafbar.

2010er - Selfies mit Nacktbildern
Die Verfügbarkeit entsprechender Aufnahme- und Endgeräten führt in den 2010er dazu, dass amateurpornografische Inhalte Eingang in die private Onlinekommunikation finden.
In sozialen Netzwerken finden Selfies mit Nacktbildern Verbreitung.

2010er - Sexting
Kommunikation mit pornografischen Inhalten kann beim Sexting stattfinden, wobei mit der Kamera eines Mobiltelefons sexuell eindeutige Nachrichten, Fotos oder Videos gemacht und privat verschickt werden.
Sexting ist auch eine gängige Praxis bei Fernbeziehungen.
Je nach Alter der verschickenden Person kann dabei Kinder- oder Jugendpornografie entstehen. 

2010er - Mutti-Pornografie Shades of Grey
Die Bodice-Ripper-Romane der 1970er werden in der Presse angesichts ihrer fast ausschließlich weiblichen Leserschaft als frühe Form eines Typus von „Mutti-Pornografie“ eingestuft, für den in den frühen 2010er E. L. James’ Romanreihe Shades of Grey sprichwörtlich geworden ist.

2014 - Bundesgerichtshofs Pornografie
In einer Entscheidung aus dem Jahre 2014 kombiniert der Bundesgerichtshof verschiedene ältere Definitionen: „‚Pornographie‘ ist die Vermittlung sexueller Inhalte, die ausschließlich oder überwiegend auf die Erregung eines sexuellen Reizes beim Betrachter abzielt und dabei die im Einklang mit allgemeinen gesellschaftlichen Wertvorstellungen gezogenen Grenzen des sexuellen Anstands überschreitet.
Nach heutigem Verständnis bestimmt sich die im Einzelfall schwer zu bestimmende Grenze nach der Wahrung der sexuellen Selbstbestimmung des Einzelnen; pornographisch ist demgemäß die Darstellung entpersönlichter sexueller Verhaltensweisen, die die geschlechtliche Betätigung von personalen und sozialen Sinnbezügen trennt und den Menschen zum bloßen auswechselbaren Objekt geschlechtlicher Begierde oder Betätigung macht“.

2020er - Künstliche Intelligenz
Seit den frühen 2020er gewinnt künstlich erzeugte Pornografie, z.B. durch Deepfakes oder KI-generierte Avatare, an Bedeutung. Diese Entwicklung wirft neue ethische und rechtliche Fragen auf, etwa in Bezug auf Einwilligung, Realität und Schutz der Privatsphäre.

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