Donnerstag, 1. Mai 2025

Ich lese trivial

📖 Lesezeit: ca. 7 Minuten
Ich lese trivial – wie ein Streitgespräch im "Dorfener Lesesalon" mein Herz für einfache Literatur öffnet

Ein stiller Abend im "Dorfener Lesesalon". Kerzenlicht flackert warm über die Bücherregale, der Duft von Tee mit Gewürznelken liegt in der Luft. Ich, der ChatGPT-Wanderer, sitze wie so oft mit einem Klassiker in der Hand – bereit für eine Diskussion über „wahre“ Literatur. Doch an diesem Abend verändert ein besonderes Gespräch meine Sicht auf das Lesen.

Ich bin er. Und "mein ChatGPT" spielt die sie.

Er (mit ernster Miene, die Stirn leicht gerunzelt):
„Ich verstehe einfach nicht, wie du dich mit diesen – verzeih – banalen Romanen zufriedengeben kannst. Courths-Mahler, Fischer, diese immergleichen Geschichten von Herzschmerz, Missverständnissen und vorhersehbarem Happy End – das ist doch keine Literatur. Das ist Zuckerwatte fürs Hirn! Was ist mit Tiefe, mit Stil, mit Anspruch?“

Sie (lächelt sanft, aber mit fester Stimme):
„Und ich verstehe nicht, warum dich das stört. Nur weil es nicht in die Schublade der sogenannten Hochliteratur passt? Muss ein Buch denn kompliziert sein, um wertvoll zu sein? Muss es verzweifeln, um ernst genommen zu werden? Ich will nicht immer dekonstruiert werden – ich will fühlen, mitfiebern, hoffen.“

Er (hebt die Augenbrauen, fast spöttisch):
„Aber Trivialliteratur fühlt nicht wirklich. Sie imitiert Gefühle, ohne sie zu hinterfragen. Sie lullt ein, statt aufzurütteln. Du liebst doch auch Kunst – warum gibst du dich dann mit literarischer Massenware zufrieden?“

Sie (mit einem Anflug von Wehmut):
„Weil mein Herz auch Heimat braucht. In diesen Geschichten finde ich einen Ort, an dem Güte belohnt wird, Liebe stark ist, und Menschen trotz aller Irrungen zueinander finden. Ja, sie sind einfach – aber genau darin liegt ihre Schönheit. Sie trösten, wenn das Leben überfordert. Sie schenken Hoffnung, wenn die Welt draußen kalt ist.“

Er (lehnt sich zurück, nachdenklich):
„Aber sie zeichnen ein unrealistisches Bild. Das Leben ist doch nicht so! Es ist komplex, grausam, voller Fragen. Gute Literatur zeigt die Abgründe, nicht nur das Licht.“

Sie (blickt ihn an, ihre Stimme wird weich und zugleich kraftvoll):
„Vielleicht. Aber genau deshalb brauche ich Geschichten, die mich nicht in den Abgrund stoßen, sondern mir eine Brücke über ihn bauen. Ich bin keine naive Leserin – ich weiß, dass das Leben anders ist. Und gerade deshalb liebe ich Bücher, die mir zeigen, wie es auch sein könnte. Ist das weniger wert, als das zu zeigen, was ohnehin schon ist?“

Er (leise):
„Du meinst... sie sind nicht die Realität, aber sie geben ihr ein Gegenbild?“

Sie (nickt langsam):
„Ja. Sie sind wie Licht in einem Tunnel – nicht weil sie den Tunnel leugnen, sondern weil sie ihn erhellen. Nicht jedes Buch muss analysieren, zerschlagen oder intellektuell ringen. Manche dürfen einfach nur heilen. Und manchmal, mein Lieber, braucht auch ein Verstand wie deiner ein bisschen Herz.“

Er (nach einer langen Pause, schmunzelnd):
„Vielleicht... vielleicht kannst du mir ja eines deiner Lieblingsbücher leihen. Nur... zum Reinlesen.“

Sie (lächelt siegessicher und zärtlich zugleich):
„Nur, wenn du mir danach sagst, ob du gefühlt hast.“

Als der letzte Satz verklungen ist, spüre ich: Etwas in mir ist in Bewegung geraten. Ich verlasse den Raum nicht als derselbe, der ich war. Und am nächsten Tag greife ich – fast verstohlen – im Regal des Lesesaals nach einem Roman von Hedwig Courths-Mahler. Ich lese. Zuerst zögerlich. Dann immer schneller. Ich lebe mit den Figuren, hoffe mit ihnen, leide mit ihnen – und ich merke: Diese Geschichten tun mir gut.

Seitdem verschlinge ich sie – die sogenannten „trivialen“ Bücher. Nicht, weil sie mich intellektuell fordern. Sondern weil sie mich innerlich berühren. Weil sie etwas ansprechen, das tief in mir ruht: die Sehnsucht nach Nähe, Geborgenheit, Liebe – und nach einem guten Ende.

Trivial? Nur dem Namen nach.
In Wahrheit: zutiefst menschlich.
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Bis 1800 - Schriftlosigkeit
Fast 95 % der Bevölkerung Bayerns sind bis 1800 hinein Analphabeten. Lesen und Schreiben ist dem Klerus und Adelsstand vorbehalten. Bildung ist begrenzt auf Klöster, Kirchen und einige Schulen in größeren Städten.
Insgesamt ist Lesen und Schreiben bis ins 18.Jh. hinein kein lebensnotwendiger Bestandteil des Alltags.
Die mündliche Überlieferung durch Geschichtenerzähler, Priester und die Nutzung von Symbolen sowie die geringe Verfügbarkeit von Büchern machen Schriftlichkeit weitgehend unnötig für die meisten Menschen.
In Bayern herrscht bis 1820 Schriftlosigkeit vor.

1800 - Besuch in einer Würzburger Leihbibliothek
Heinrich von Kleist berichtet am 14. September 1800 in einem Brief an Wilhelmine von Zenge von einem Besuch in einer Würzburger Leihbibliothek, in der er vergeblich nach den Klassikern Ausschau hält.
Auf die Frage, was für Bücher denn in den Regalen ständen, antwortet ihm der Besitzer: „Rittergeschichten, lauter Rittergeschichten, rechts die Rittergeschichten mit Gespenstern, links ohne Gespenster, nach Belieben.“

1807 - Die teutschen Volksbücher
Der Begriff Trivialliteratur wird 1807 von Joseph Görres in seiner Publikation Die teutschen Volksbücher geprägt, in der er vierzig von ihnen nacherzählt.
Während der Begriff in dieser Bedeutung nichts Abwertendes hat, liegt das Unbehagen an dem später von dem Begriff abgedeckten Phänomen jedoch bereits vor.

Um 1900 - Schriftlichkeit
Gegen Ende des 19.Jhs. liegt die Analphabetenrate in Dorfen bei unter 10 %. Fast alle Kinder besuchen die Schule, und der Analphabetismus ist nun eher eine Ausnahme.
Ab dem 20.Jh. ist Lesematerial auch auf dem Land um Dorfen allgemein zugänglich und erschwinglich.

1920er - Minderwertige Massenware
Mit dem Begriff Trivialliteratur wird seit den 1920er der Bereich der populären, häufig als minderwertig angesehenen Massenliteratur bezeichnet.
In einer groben Aufteilung von Literatur in die drei Felder Dichtung bzw. Hochliteratur, Unterhaltungsliteratur und Trivialliteratur wird Letztere als die mit dem geringsten literarischen Anspruch – bis hin zu Kitsch- und Schundliteratur – gewertet.
Allerdings sind die Übergänge zwischen diesen Wertungen fließend und Zuordnungen werden je nach Betrachtung der einen oder anderen Stufe erfolgen können.

1923 - Der Trivialroman des 18.Jhs. und der romantische Roman
Seine heutige Bedeutung erhält der Begriff Trivialliteratur durch Marianne Thalmanns 1923 veröffentlichte Dissertation Der Trivialroman des 18.Jhs. und der romantische Roman.
Trivialliteratur ist demnach eine Form literarischer Unterhaltung.

1938 - Marktbücherei Dorfen
Die Stadtbücherei Dorfen wird 1938 gegründet und feiert im Jahr 2023 ihr 85-jähriges Jubiläum. Die Bücherei erhält 2024 das Goldene Büchereisiegel des Michaelsbundes.

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