Donnerstag, 22. Mai 2025

Herzklopf und Kaffeestich

📖 Lesezeit: ca. 37 Minuten
Meine seltene Begegnung mit dem Cappuccino
Es ist ein seltener Moment, wenn ich mich dem Kaffee nähere – vorsichtig, fast ehrfürchtig. Ich bin ein Teetrinker, von Herzen, doch manchmal lockt mich der Duft eines frischen Cappuccinos in eine andere Welt. Diese wenigen Male im Jahr sind wie kleine Zeremonien. Der samtige Milchschaum, das leise Klirren der Tasse, der bittersüße Hauch, der in meine Nase steigt – all das ist wie ein Gruß aus einer anderen Zeit, eine warme Verheißung, die ich mit Bedacht genieße.

Seit ich 66 bin und mein Herz-Kreislauf-System sich verändert hat, wird aus diesem kleinen Genuss eine spürbare Erfahrung. Meine Aorta – die große Lebensader – beginnt sich zu versteifen, sie verliert ihre Elastizität. Ich trage nun das Wissen einer beginnenden Aortensklerose in mir. Und so wird jeder Schluck Cappuccino zu einer Reise, bei der ich meinen Körper plötzlich bewusster spüre: Das pochende Herz, der feine Druck in der Brust, das raschere Pulsieren, das ich als „Herzklopf“ kenne.

Ich trinke nur eine einzige Tasse – und doch setzt sie ein Echo in mir frei. Mein vegetatives Nervensystem reagiert empfindlicher, mein Herz meldet sich schneller, und ich nehme dieses Flattern als ein ehrliches Zeichen meiner Vergänglichkeit. Früher hat mein Körper das Koffein einfach geschluckt – heute antwortet er darauf mit Nachdruck, mit Zittern, Wärme, manchmal sogar mit einem leichten Schwindel. Es ist kein Schmerz, es ist ein Zeichen.

Und dann, später, ein weiteres Zeichen: der „Kaffeestich“. Mein Urin – meist still und unauffällig – trägt plötzlich ein deutliches Aroma. Ein süßlich-röstiger Hauch, wie frisch gebrühter Kaffee, sticht mir in die Nase. Ich staune jedes Mal darüber. Wie sehr doch eine einzige Tasse nachwirkt, wie unmittelbar die Duftstoffe des Kaffees in meinen Körper eindringen, verarbeitet, weitergereicht, und schließlich ausgeschieden werden. Diese kleinen flüchtigen Stoffe – Pyrazine, Furane, Phenole – sie verlassen mich nicht unbemerkt. Sie erzählen von dem, was war.

Der Cappuccino ist für mich kein Alltagsgetränk. Er ist ein Ereignis. Ein bittersüßer Genuss mit Folgen. Eine Tasse, die mein Herz berührt, mein Nervensystem aufweckt und sogar meinen Urin zum Klingen bringt. Und doch – trotz allem – bleibt er mir lieb. Weil er mich erinnert: an Lebendigkeit, an Wandel, an die feinen Zeichen, die mein Körper mir schenkt.

Der Ursprung des bittersüßen Zaubers
Es beginnt mit einer Pflanze – zart, immergrün, manchmal ein kleiner Baum, manchmal ein Strauch, der sich dem Licht entgegenstreckt. In den Tropen wächst sie, in Höhen und in Ebenen, auf roter Erde, umgeben von feuchter Wärme und stiller Geduld: die Kaffeepflanze, Coffea. Sie ist kein Einzelwesen – es gibt sie in vielen Gestalten, in über hundert Arten, jede mit ihrem eigenen Wesen, ihrer eigenen Geschichte. Doch alle verbindet ihr innerer Schatz: die Kaffeekirsche, die in sich das Versprechen eines bittersüßen Genusses trägt.

Diese Frucht, rund und leuchtend rot, verbirgt unter ihrer weichen Schale zwei Samen – die Kaffeebohnen. Manchmal ist es auch nur einer, eine Perlbohne, rund und besonders. Das Fruchtfleisch ist zart, süßlich und kaum mehr als eine Hülle, doch im Inneren schlummert das, was später wach macht, wärmt, erinnert: Coffein, Duftstoffe, Leben.

Langsam reifen die Früchte. Die Arabica auf Berghängen, zwischen 1000 und 3000 Metern, geduldig über neun Monate hinweg. Robusta im wärmeren Tiefland, kräftiger, schneller, herber. In Westafrika ragt Liberica mit bis zu zwanzig Metern in die Höhe – stark, widerstandsfähig, eigenwillig. Und dazwischen die seltenen Verwandten: Excelsa mit violetten Blättern, Stenophylla aus Guineas Bergen, Congensis mit kleinen Blättern, Benghalensis aus Bengalen. Es ist eine große, stille Familie, die nur Wenige ganz kennen. Und doch: Ihr Duft, ihr Wesen, erreicht täglich Millionen.

Wenn die Früchte reif sind, beginnt die Wandlung. Getrocknet, manchmal fermentiert, mit oder ohne Fruchtfleisch – die Bohnen verändern sich. Aus dem zarten, rohen Kern wird ein aromatisches Herz. Sie verlieren das Silberhäutchen, das letzte Geheimnis, und werden schließlich dem Feuer übergeben. Die Röstung, dunkel, heiß, entscheidend, verwandelt sie in das, was wir kennen: kleine, braune bis schwarze Körner – voll von Duft, Geschmack, Geschichte.

Nun beginnt der Moment des Kaffees: Aus den gerösteten, gemahlenen Bohnen, mit heißem oder kaltem Wasser übergossen, entsteht ein Getränk, das in seiner Einfachheit überwältigt. Es ist nicht nur bitter oder süß, nicht nur warm oder schwarz. Es ist ein Zauber. Die enthaltenen Pyrazine, Furane, Phenole tanzen in der Nase, das Coffein weckt das Herz, das Vitamin Niacin nährt still. Der Kaffee ist psychotrop, er berührt Geist und Seele. Er wirkt harntreibend, belebend – ein Getränk, das den Körper durchflutet und ihm zugleich ein Zeichen sendet: Du bist lebendig.

Und wenn wir ihn trinken, nennen wir ihn oft einfach „Bohnenkaffee“. Ein Wort, das Reinheit meint – ein Versprechen, dass dies kein Ersatz ist, kein Blendwerk aus Zichorie oder Gerste, sondern das Echte. Es ist ein Genussmittel – nicht alltäglich, sondern besonders. Eine Einladung, innezuhalten, zu schmecken, zu spüren.

So ist der Kaffee mehr als ein Getränk. Er ist eine Reise durch Länder, durch Höhen, durch Zeit. Er erzählt von Hitze, von Geduld, von Händen, die ihn pflücken, und von Herzen, die ihn trinken. Jede Tasse ist ein Gedicht aus Erde, Feuer und Wasser. Und wer sie bewusst genießt, der schmeckt in ihr nicht nur Bitterkeit – sondern auch Sehnsucht, Wärme, Erinnerung.

Wohltat und Wunder im Alltag
Wenn in Dorfen am frühen Morgen die Nebelschleier langsam über die Felder ziehen, erwacht in vielen Häusern ein leises, vertrautes Klingen: das Klopfen der Kaffeemühle, das Zischen der Maschine, der Duft, der sich wie ein warmes Versprechen in den Räumen ausbreitet. Kaffee ist hier nicht nur ein Getränk – er ist Teil des Lebensrhythmus, Teil der Stimmung, der Körperpflege, der seelischen Balance.

Viele trinken täglich ihre drei bis vier Tassen – mit Bedacht, mit Hingabe, manchmal allein, oft in Gesellschaft. Und während sie das tun, geschieht mehr, als man sieht. Der Kaffee wirkt. Still, aber kraftvoll.

In den Körpern der Dorfener entfaltet sich seine Heilkraft. Die Blutgefäße danken es ihnen mit besserer Elastizität. Das Herz schlägt gleichmäßiger, das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, sinkt – um ganze 19 Prozent. Und mit jeder Tasse scheint auch das Leben selbst etwas länger zu fließen, mit 17 Prozent geringerer Gesamtsterblichkeit. Der Kaffee, den man hier genießt, ist kein bloßer Muntermacher. Er ist eine stille, gesundheitsschützende Kraftquelle.

In den Gassen, wo ältere Menschen den Vormittagsspaziergang genießen, spürt man es: Kaffee schenkt Leichtigkeit. Er hilft, Bluthochdruck zu regulieren, Fettleibigkeit zu mindern, ja sogar Depressionen auf Abstand zu halten. Viele in Dorfen wissen es längst: Wer morgens mit Kaffee beginnt, beginnt den Tag mit einem klareren Geist, mit mehr Energie, mit einem inneren Leuchten.

Und doch ist der Kaffee nicht nur freundlich. Er verlangt Achtsamkeit. Diabetiker, die sich nach dem Frühstück an eine Tasse setzen, bemerken es vielleicht: Der Blutzucker steigt stärker, die Insulinausschüttung ist intensiver. Ein stummer Hinweis, dass auch das Wohltuende nicht immer harmlos ist. Frauen in der Schwangerschaft meiden oft den zweiten oder dritten Becher, denn der Kaffee, der den Puls belebt, kann im Bauch der Mutter das Wachstum des Kindes hemmen.

Auch Medikamente hört man in Dorfen beim Kaffeetrinken manchmal mitdenken. Wer Schilddrüsenhormone nimmt, kennt das Morgenritual genau: erst das L-Thyroxin, dann eine kleine Pause – denn der Kaffee darf nicht zu früh kommen. Sonst entzieht er dem Körper, was er dringend braucht. Fluvoxamin, ein Wirkstoff gegen die Schatten der Seele, lässt das Coffein im Blut länger tanzen – zu lange, manchmal zu wild.

Doch wie vieles in Dorfen, lebt auch der Kaffeegenuss hier vom Maß. Drei bis vier Tassen am Tag – so lautet die stille Empfehlung, von der viele nichts wissen, aber viele unbewusst folgen. Es ist die magische Menge, die das Beste schenkt: Schutz vor Demenz, vor Typ-2-Diabetes, vor dem frühen Sterben. Der Kaffee verbessert die Autophagie – die Selbstreinigung der Zellen – und aktiviert den AMPK-Mechanismus, der wie ein innerer Dirigent Gesundheit und Stoffwechsel im Takt hält. Er ist ein Helfer auf zellulärer Ebene. Er stärkt den Menschen von innen.

Die Antioxidantien darin sind stille Wächter. Besonders im grünen Kaffee, der hier und da in Dorfen mit dem dunklen vermischt wird, senken sie DNA-Schäden, schützen das Erbgut – und schenken so vielleicht mehr Zeit, mehr Leben.

Und doch, wer aufhört, ihn zu trinken, spürt, wie sehr der Kaffee Teil des Selbst geworden ist. Kopfschmerzen, Müdigkeit, Reizbarkeit – sie schleichen sich in den Tag. Die Gedanken werden trüber, das Herz schwerer. Nach nur einem Tag spürt man ihn: den Entzug. Nach zwei Tagen wird er zur Gewissheit. Und schon eine kleine Tasse – kaum genippt – bringt alles zurück. Die Wärme, die Klarheit, das Lächeln.

In Dorfen trinken sie Kaffee nicht achtlos. Sie wissen es – aus Erfahrung, aus dem Gefühl heraus, das der Kaffee ihnen schenkt. Sie lassen ihn manchmal länger im Mund, genießen ihn wie ein Gedicht. Und der Körper reagiert sofort: Sublingual wirkt das Koffein rascher, tiefer, unmittelbarer. Ein schneller Hauch von Wachheit, ein stiller Impuls an die Seele.

So ist der Kaffee in Dorfen: nicht nur ein Getränk, sondern eine zärtliche, tägliche Medizin. Ein Begleiter im Alter, ein Freund in der Jugend, ein Trost in dunklen Stunden. Wer hier lebt, lebt mit Kaffee – und lebt vielleicht ein kleines bisschen länger, ein bisschen glücklicher, ein bisschen wacher.

Cappuccino – Die süße Umarmung des Morgens
Wenn ich morgens durch Dorfen gehe, ist es der Cappuccino, der mich lockt – wie ein leiser Liebesgruß, der aus den geöffneten Türen der Cafés weht. Sein Duft ist vertraut und verheißungsvoll, ein zarter Schleier aus geröstetem Glück und geschäumter Sehnsucht. Ich trinke Kaffee – ja – aber nur in Gestalt dieses einen, süßen Klassikers. Und dabei gebe ich meist mehr Zucker hinein, als ich vielleicht sollte. Es ist mir gleich. Der Tag darf süß beginnen. Vielleicht auch ein wenig zu süß. Denn was wäre das Leben ohne diesen Hauch von Übermaß?

Der Cappuccino, so wie wir ihn hier in Dorfen genießen, ist ein kleines Ritual. Er wird in schweren, vorgewärmten Tassen aus Porzellan oder Steinzeug serviert – Tassen, die die Wärme bewahren wie eine behutsame Hand auf der Haut. Und in diesen Tassen vereinen sich zwei Welten: der kräftige, dunkle Espresso und der helle, cremige Milchschaum. Sie berühren sich – nicht hastig, sondern in einer tänzerischen Bewegung, bei der sich der braune Glanz der Crema sanft über das weiße Dach aus Schaum legt. Ein Kunstwerk in warmen Farben, das im Sonnenlicht der Dorfener Fensterfronten leuchtet wie der Frühnebel über dem Isental.

Dabei ahnt kaum jemand, dass der Cappuccino eine lange Reise hinter sich hat – von den Kaffeehäusern Wiens, wo er als Kapuziner mit Schlagobers getrunken wird, bis in die Gassen Norditaliens, wo stationierte Habsburger-Soldaten nach ihrer gewohnten Spezialität verlangten. Aus diesem Wunsch, diesem Fernweh nach Heimat, entstand schließlich das, was wir heute Cappuccino nennen – ein Getränk, dessen Name sich vom italienischen Wort „cappuccio“ ableitet: Kapuze. Nicht wegen des Schaums – wie viele meinen –, sondern wegen der Farbe, die an das braune Gewand der Kapuzinermönche erinnert.

In Dorfen gehört der Cappuccino längst zur Alltagskultur. Schon 2006/2007 trinken etwa 16 % der Dorfener mindestens einmal wöchentlich dieses Getränk. Man trifft sich in den Cafés am Unteren Markt, im Schatten der alten Häuserfassaden, dort wo Gespräche fließen wie warmer Milchschaum – unaufgeregt, vertraut, menschlich.

Und die Zubereitung? Sie folgt ihrer eigenen Choreografie. Zuerst wird Milch auf etwa 65 °C erhitzt und aufgeschäumt, bis sie weich ist wie halbgeschlagene Sahne. Dann fließt der Espresso in die Tasse, heiß und würzig, und schließlich hebt sich der Schaum darüber – nicht zu fest, nicht zu luftig, sondern samtig und fein. Aus der Bewegung des Milchkännchens entstehen manchmal kleine Kunstwerke: ein Herz, ein Blatt, eine Tulpe. In jenen Momenten wird der Cappuccino zur Leinwand, zur Liebeserklärung – in Milch gemalt, in Kaffeebraun gezeichnet.

Traditionell wird er nicht mit reinem Arabica gebrüht. Robusta-Bohnen sorgen für mehr Würze, mehr Standhaftigkeit, mehr Crema. So hat auch das Leben hier in Dorfen: Es ist nicht immer sanft, aber es hat Tiefe, Rückgrat, Geschmack. Und genau das spiegelt sich in jeder Tasse.

Ich trinke meinen Cappuccino mit viel Zucker – ja, das gestehe ich – und vielleicht ist das meine stille Rebellion gegen die Regeln der Vernunft. Aber gerade dieses süße Zuviel macht ihn für mich vollkommen. Denn in diesem Augenblick zählt nicht die Kalorienzahl, sondern die Geborgenheit, die er schenkt.

Es ist ein Moment der Stille, der Wärme – ein kleines, süßes Fest des Alltags. Und so beginnt in Dorfen jeder Morgen ein wenig schöner, wenn eine dickwandige Tasse dampfend auf dem Tisch steht, wenn sich unter dem weichen Milchschaum eine starke Seele verbirgt und wenn ein wenig mehr Zucker als nötig das Herz lächeln lässt.

Milchschaum wirbelt still,
Espressoduft küsst den Tag –
Zuckerträume nah.
========================
610 - Mohammed
Die Kaffeepflanze stammt aus Afrika. Einer Legende zufolge soll Mohammed die anregende Wirkung des Kaffees zuerst entdeckt haben, nachdem ihm der Engel Gabriel eine Tasse heißer, dunkler Flüssigkeit darbietet.

9. Jahrhundert - Ursprungsgebiet des Kaffees
Es wird angenommen, dass die Region Kaffa im Südwesten Äthiopiens das Ursprungsgebiet des Kaffees ist. Dort wird Kaffee bereits im 9.Jh. erwähnt.

14. Jahrhundert - Sklavenhändler
Von Äthiopien gelangt der Kaffee im 14.Jh. durch Sklavenhändler in den Jemen auf der Arabischen Halbinsel.

14. Jahrhundert - qahwa („anregendes Getränk“)
Das Wort Kaffee lässt sich bis auf arabische qahwa zurückverfolgen, das neben „Kaffee“ auch wie ursprünglich „Wein“ bezeichnen kann.
Über das Türkische kahve gelangt es ins Italienische caffè von cahue und von dort ins Französische, dessen Wortform café ohne große lautliche Änderungen ins Deutsche übernommen und nur in der Schreibweise angepasst wird.

15. Jahrhundert - Geröstet und gemahlen
In der heute üblichen Zubereitungsart mit gerösteten, gemahlenen oder zerstampften und gekochten Bohnen wird Kaffee im Jemen erst ab der Mitte des 15.Jhs. getrunken.

15. Jahrhundert - Mocha
Der Kaffeeanbau bringt Arabien eine Monopolrolle ein. Handelszentrum ist die jemenitische Hafenstadt Mocha, auch Mokka genannt.

1440 - Kaldi im Königreich Kaffa
Nach einer 1671 von Antonius Faustus Naironus in seinem Buch "De saluberrima potione cahve" zu Papier gebrachten Legende fällt im Jahr 1440 Hirten aus dem im Südwesten des heutigen Äthiopien liegenden Königreichs Kaffa auf, dass ein Teil der Ziegenherde, der von einem Strauch mit weißen Blüten und roten Früchten gefressen hat, bis in die Nacht hinein munter umherspringen, während die anderen Tiere müde sind. Die Hirten beklagen sich darüber bei Mönchen des nahe gelegenen Klosters. Als der abessinischer Hirte Kaldi selbst die Früchte des Strauchs probiert, stellt er bei sich eine belebende Wirkung fest. Bei Nachforschungen an der Grasungsstelle entdecken die Mönche einige dunkelgrüne Pflanzen mit kirschenartigen Früchten. Sie bereiten daraus einen Aufguss und können fortan bis tief in die Nacht hinein wach bleiben, beten und miteinander reden. Sie treiben später dann mit der Pflanze Handel.
Der besagte Hirte aber hat die im rohen Zustand ungenießbaren Früchte angewidert ins Feuer gespuckt, woraufhin Düfte freigesetzt werden und ihn zur Idee des Röstens anregt.

16. Jahrhundert - Kaffee erobert Persien und das Osmanische Reich
Im 16.Jh. erobert der Kaffee das persische Safawiden-Reich sowie das Osmanische Reich.
Um 1511 entstehen in Mekka die ersten Kaffeehäuser, die nachfolgend für einige Zeit aufgrund eines mit schweren Strafen belegten Kaffeeverbotes wieder geschlossen werden.
Für Kairo ist das Getränk erstmals 1532 verbürgt, daneben verbreitet es sich in Syrien und Kleinasien.
Einen besonderen Aufschwung nimmt der Kaffeekonsum nach der osmanischen Annexion des Jemen und der gegenüberliegenden Küste im Jahre 1538.
1554 schließlich wird, nach heftiger Opposition des islamischen Klerus wie auch der staatlichen Gewalten, das erste Kaffeehaus in der Hauptstadt Istanbul eröffnet.

Ende 16. Jahrhundert bis 1839 - Kaffeeverbote
Murad III. erlässt Ende des 16.Jhs. ein Kaffeeverbot, welches jedoch zunächst nur wenig kontrolliert wird. Erst unter Murad IV. werden Kaffeehäuser niedergerissen und Kaffeetrinker starker Verfolgung ausgesetzt.
Kaffeehaus-Besitzer tarnen ihre Lokale deshalb bisweilen als Barbierläden. Endgültig anerkannt wird das Getränk schließlich im Zuge der Reformpolitik der Tanzimat ab 1839.

1573/1592 - Augsburg und Italien
Der Augsburger Arzt Leonhard Rauwolf lernt 1573 in Aleppo den Genuss des von den Einwohnern Aleppos „Chaube“ genannten Kaffee-Getränks kennen und berichtet 1582 darüber.
Weitere Nachrichten über den Kaffee gelangen durch Prospero Alpino 1592 nach Italien.

16./17. Jahrhundert - Araber, Osmanen in Europa
Die Verbreitung des Kaffees erfolgt durch die Etablierung der zunächst im 16.Jh. von den Arabern, dann von den Osmanen und schließlich im 17.Jh. in Europa eingerichteten Kaffeehäuser.
1645 verfügt Venedig, 1650 Oxford und 1652 London über Kaffeehäuser.

17. Jahrhundert - Niederländisches Monopol
Im 17.Jh. wird die Kaffeepflanze in niederländischen Kolonien wie Batavia verbreitet und sichert den Vereinigten Niederlanden eine Vormachtstellung im Handel.
Schnell breitet sich der Kaffeekonsum in immer weitere Gesellschaftskreise aus.

1659/1672/1689 - Kaffeehäuser in Frankreich
In Frankreich entstehen um 1659 Kaffeehäuser in Marseille.
1672 eröffnet ein Armenier in St. Germain eine Kaffeebude.
Als erstes Pariser Café gilt das Café Procope, das um 1689 von dem Sizilianer Francesco Procopio dei Coltelli eröffnet wird.

1669 - Versailles
Der vornehmen Gesellschaft von Versailles serviert der türkische Gesandte Soliman Aga 1669 erstmals Kaffee.
Die Verbreitung des Kaffees als Genussmittel in Europa geht im 17.Jh. vor allem vom Hof Ludwig XIV. und Ludwig XV. in Paris aus. Das Luxusgut wird dort heiß und gezuckert getrunken.

Ab 1673 - Kaffeehäuser in Deutschland
1673 wird in Bremen ein Kaffeehaus eröffnet und eine Ausschankgenehmigung an einen Holländer namens Jan Jahns van Huisten erteilt. 1697 entsteht das Kaffeehaus im Bremer Schütting.
1675 kennt man Kaffee bereits am Hofe des Großen Kurfürsten in Berlin.
In Hamburg eröffnet 1677 ein Engländer ein Kaffee- und Teehaus nach Londoner Vorbild, nachdem bereits erstmals 1668 Kaffee im Eimbeckschen Haus ausgeschenkt wurde.
Bald folgt ein niederländischer Konkurrent, und 1694 gibt es in Hamburg bereits 4 Kaffeehäuser.
1686 folgt Regensburg und 1694 Leipzig. 1697 gründet Beutetürke Mehmet Sadullah Pascha, 1695 getauft, im Juliusspital auf den Namen Johann Ernst Nicolauß Strauß, ein Kaffeehaus in Würzburg. Im Jahre 1703 wird in Augsburg, 1712 dann in Stuttgart das erste Kaffeehaus errichtet und in Berlin schließlich um 1721.

1683/1783 - 500 Sack Kaffee
Der Piarist Gottfried Uhlich erzählt 1783 in seiner Chronik "Geschichte der zweyten türkischen Belagerung Wiens" die Geschichte, dass der Pole Georg Franz Kolschitzky mit den 500 Sack Kaffee, die durch den Sieg über die Türken vor Wien 1683 erbeutet wurden, das erste Kaffeehaus in Wien eröffnet.

1685 - Erste Wiener Kaffeehaus
Das erste Wiener Kaffeehaus eröffnet 1685. Es ist ein Armenier namens Johannes Theodat, der 1685 von den Stadtoberen das Privileg erhält, 20 Jahre lang als einziger Händler der Stadt Kaffee als Getränk verkaufen zu dürfen.

1690/1696 - Ceylon und Java
Die erste Anpflanzung der Kaffeepflanze außerhalb Afrikas und Arabiens geschieht durch Joan van Hoorn, Gouverneur von Niederländisch-Indien, 1690 in Ceylon und 1696 auf Java. Die dort verwendeten Pflanzen stammen aus Arabien.

18. Jahrhundert - Coffee >> café >> Kaffee
Im deutschen Sprachraum dominiert anfangs die Wortform Coffee aus dem Englischen oder Niederländischen, erst im Laufe des 18.Jhs. setzt sich Kaffee nach dem französischen café durch.
Die Wortähnlichkeit von „Kaffee“ und der äthiopischen Region Kaffa bietet keine plausible Etymologie.

18. Jahrhundert - Kaffeepflanzen in den Tropen
1718 bringen die Holländer den Kaffee nach Surinam, die Franzosen 1725 nach Cayenne, 1720/1723 nach Martinique, 1730 nach Guadeloupe, und durch die Portugiesen gelingen 1727 die ersten Kaffeepflanzen nach Brasilien.
Kaffee ist Ende 18.Jhs. die am weitesten verbreitete Kulturpflanze in den Tropen. Schließlich exportieren die Europäer den aus den Überseekolonien bezogenen Kaffee sogar in das Osmanische Reich.

18. Jahrhundert - Echter Bohnenkaffee
Ursprünglich können sich nur gut situierte Bürger und Aristokraten das aromatische Getränk leisten.
Von ärmeren Bevölkerungsschichten und in Krisenzeiten wird der Kaffee durch kaffeeähnliche Getränke wie Muckefuck, Malzkaffee, Stragelkaffee oder Zichorie ersetzt.
Der Ausdruck „echter Bohnenkaffee“ entsteht zur Abgrenzung gegenüber den ebenfalls als Kaffee bezeichneten Ersatzprodukten.

18. Jahrhundert - Kaffeezölle
Die Kaffeesteuer entsteht infolge des stark angestiegenen Kaffeeverbrauchs im 18.Jh.
Der gescheiterte Versuch in Preußen ein Kaffeemonopol zu errichten (1781–1787) wird durch einen Einfuhrzoll auf Kaffee abgelöst. Dies ist lange Zeit die am weitesten verbreitete Form der Kaffeesteuer.

1710 - Botanische Gärten
1710 gelangen mehrere Exemplare der Kaffeepflanze nach Europa und werden hier in mehreren botanischen Gärten kultiviert, zum Beispiel in Amsterdam, wo erstmals ein Kaffeestrauch auf europäischem Boden gezogen wird.

1711 - Ältestes Kaffeehaus
Das 1711 in Leipzig eröffnete Kaffeehaus "Zum Arabischen Coffe Baum" ist das älteste ursprüngliche Kaffeehaus Deutschlands.
Im oberen Stockwerk befindet sich ein Kaffeemuseum.
Das Portalrelief mit dem Turban tragenden Kaffeetrinker zeigt, wie exotisch ein Café damals noch ist.

1724 - beförderung der dichterkraft
Schon bald nach seiner Einführung gilt der Kaffee als Mittel zur „beförderung der dichterkraft“ (Johann Neukirch: Anfangsgründe der reinen teutschen Poesie. Halle 1724).

1733 - Kaffeetrinken
In einigen Ländern ist das nachmittägliche Kaffeetrinken etabliert. Das Trinken von Kaffee ist aber auch bei oder nach anderen Mahlzeiten üblich.
Spätestens seit 1733 ist das Kaffeetrinken in Deutschland verbreitet.
In den ärmeren Bevölkerungsschichten wird das Getränk aber lange als etwas Besonderes einem Besuchern im speziellen Kaffeegeschirr vorgesetzt, bleibt Sonntagsgetränk und Bestandteil von Festmahlzeiten.

1734 - Kaffeekantate
Früh wird Kritik am Kaffeekonsum laut. In der Kaffeekantate aus dem Jahr 1734 von Johann Sebastian Bach (Textgrundlage von Picander) wird dieser Kritik mit Humor begegnet.

1755 - Diätetisches Mittel
Gerösteter Kaffee ist diätetisches Mittel bei Durchfall und verschiedenen Vergiftungen.
Von Hallers Medicinisches Lexicon (1755) schildert Kaffee als magenstärkend, windtreibend, abführend, mit dem Nachteil einer „Erhitzung des Geblüts“, Dickwerden und Nervenzittern, man nutze ihn ohne Milch gegen Durchfall durch Erkältung.

1763 - Melancholischer Kaffee
In Minna von Barnhelm spricht ihn Lessing als „den lieben melancholischen Kaffee!“ an.

1766 - Einfuhrverbot und Schmuggel
Der Kaffeeimport und seine Regulierung erlangen insbesondere im merkantilistischen Wirtschaftssystem große Bedeutung. So verbietet Friedrich II. 1766 die private Einfuhr und den privaten Handel mit Kaffee. Lediglich der preußische Staat darf mit Kaffee handeln. Dadurch soll der Abfluss des Kapitals ins Ausland unterbunden und die Staatskasse gefüllt werden. Das Verbot macht allerdings den Schmuggel von Kaffeebohnen lukrativ.

1771 bis 1792 - Kaffeeexperiment Gustavs III.
König Gustav III. von Schweden regiert von 1771 bis zu seiner Ermordung 1792. In dieser Zeit ist der Kaffeekonsum in Schweden umstritten – er gilt bei vielen Ärzten und Politikern als ungesund, ja sogar giftig.
Um das vermeintlich schädliche Potenzial von Kaffee zu beweisen, ordnet Gustav III. ein Experiment an: Zwei zum Tode verurteilte Zwillinge werden begnadigt – unter der Bedingung, dass der eine lebenslang täglich Kaffee, der andere lebenslang täglich Tee trinken muss. Ärzte sollen die beiden beobachten und vergleichen, wer früher stirbt.
Das Ergebnis: beide Häftlinge überleben den König und auch die beaufsichtigenden Ärzte. Der Teetrinker stirbt zuerst, der Kaffeetrinker lebt am längsten.

1774 - Kaffeesatzlesen
Das Weissagen aus dem Kaffeesatz geht auf das Ende des 17.Jhs. zurück. Erstmals erwähnt wird es von dem Florentiner Wahrsager Thomas Tamponelli.
Das Kaffeesatzlesen ist auch eine Spezialität der schwedischen Wahrsagerin Ulrica Arfvidsson von 1774 bis 1792.

1781 bis 1787 - Kaffeeriecher
1781 wird in Preußen das Rösten des Kaffees für Privatleute verboten. Zur Überwachung dieses Verbots werden „Kaffeeriecher“, ehemalige französische Soldaten, eingestellt. Diese sollen in den preußischen Kommunen die illegale Kaffeerösterei durch ihren Geruchssinn feststellen.
1787 werden die Kaffeeriecher und das staatliche Kaffeemonopol abgeschafft, da auch eine extrem hohe Besteuerung nicht den Schaden ausgleichen kann, den der Kaffeeschmuggel für die Staatskasse bedeutet.

19. Jahrhundert - Hier können Familien Kaffee kochen
Das Motto „Hier können Familien Kaffee kochen“ ist im 19.Jh. im Berliner Raum und bald auch anderswo mit dem sonntäglichen Ausflug ins Grüne verknüpft.

Ab 1800 - Eine Tasse Mokka
In seinen Wiener Jahren hat Ludwig van Beethoven die Angewohnheit, genau 60 Kaffeebohnen abzuzählen, um daraus eine Tasse Mokka zu brauen. Er nimmt dieses Ritual jeden Morgen sehr ernst. Es entspricht etwa 8 g Kaffee, also einer moderaten Portion.

1812 - Triste Stimmung
Goethe sinniert im achten Buch von Dichtung und Wahrheit über die „ganz eigne triste Stimmung“, in die ihn der Kaffee, „besonders mit Milch nach Tisch genossen“, versetzt: „der Kaffee paralysiert meine Eingeweide und scheint ihre Funktionen völlig aufzuheben, so daß ich deshalb große Beängstigungen empfinde, ohne jedoch den Entschluß zu einer vernünftigeren Lebensart fassen zu können.“

1814 - Tonisch wirksam
Nach Heckers Praktische Arzneimittellehre (1814) wirkt roher Kaffee tonisch, nährend und „einwickelnd“.

1815 bis 1866 - Geburtsstunde des Cappuccino
Nach dem Ende der napoleonischen Kriege regelt der Wiener Kongress (1815) die politische Neuordnung Europas. Österreich wird dabei zur dominierenden Macht in Norditalien und übernimmt die Kontrolle über mehrere wichtige Regionen bis 1866.
Die österreichischen Soldaten und Beamten kennen aus Wien den Kapuziner, einen Mokka mit Schlagsahne. In den italienischen Städten, wo es bereits den Espresso gibt, trifft diese Vorliebe auf die dortige Art der Kaffeebereitung. Daraus entsteht allmählich der Cappuccino: ein Espresso mit Milchschaum, der farblich an den Habit der Kapuziner erinnert – so wie einst der Kapuziner mit Obers.

1819 - Goethe trifft Runge
Johann Wolfgang von Goethe trifft den jungen Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge, der kurz zuvor den Wirkstoff der Tollkirsche (Atropin) isolieren konnte. Goethe ist beeindruckt und fordert ihn auf, sich auch mit den Inhaltsstoffen von Kaffeebohnen zu beschäftigen.

1820 - Entdecker des Coffeins
Friedlieb Ferdinand Runge gelingt es, aus den Bohnen den bis dahin unbekannten Wirkstoff zu isolieren – das Coffein. Runge gilt seither als einer der Pioniere der modernen Alkaloidforschung, und seine Arbeit mit dem Kaffee zählt zu seinen bedeutendsten Entdeckungen.

1830 bis 1840 - 50 Tassen Kaffee
Honoré de Balzac arbeitet in seinem produktivsten Lebensjahrzehnt oft nachts und über viele Stunden hinweg. Um wach und produktiv zu bleiben, trinkt er täglich bis zu 50 Tassen Kaffee – entweder gebrüht oder aus gemahlenem Kaffeepulver direkt mit Wasser angerührt.

1846 - C-A-F-F-E-E
Carl Gottlieb Hering komponiert 1846 den Kanon „C-a-f-f-e-e, trink nicht so viel Kaffee!“ mit den sechs Anfangstönen C-A-F-F-E-E.

1860 - Max Havelaar
Auf den lateinamerikanischen und karibischen Kaffeeplantagen werden bis zur allmählichen Abschaffung der Sklaverei und des Sklavenhandels afrikanische Sklaven ausgebeutet.
Die Lebensbedingungen der Kaffeepflanzer in Niederländisch-Ostindien beschreibt der niederländische Autor Eduard Douwes Dekker in seinem Werk Max Havelaar.

1870 - Muckefuck im Deutsch-Französischer Krieg
Die Bezeichnung Muckefuck, ein dünner Kaffee, leitet sich aus dem rheinischen Mucken für braunen Holzmulm und dem rheinischen fuck für faul ab.
Es ist die Eindeutschung des französischen Getränkes Mocca faux (falscher Kaffee), das 1870 während des Deutsch-Französischen Krieges unter Napoleon III. im Rheinisch-Westfälischen aufkommt.

1888 - Gekochter, verkohlter Kaffeesatz
In Meyers Konversationslexikon (1888) ist zu lesen: „Man benutzt den Kaffeesatz zum Reinigen der Nachtgeschirre und beim Abfegen braun gestrichener Fußböden.
Kocht man den Kaffeesatz mit Sodalösung aus, so erhält man durch Zusatz von Alaun zu der filtrierten Flüssigkeit einen braunen Niederschlag, welcher als Malerfarbe benutzt werden kann.
Verkohlt gibt der Kaffeesatz eine Art von Kohlenschwarz.
Der beim Brennen des Kaffees sich entwickelnde Geruch verdeckt in ausgezeichneter Weise die üblen Gerüche frisch getünchter Kalkwände, frisch lackierter Thüren, beim Räumen von Düngergruben, in Kinderstuben etc.“
Der „üble Geruch“ von Farben und Lacken stammt vom Leinölfirnis, der ranzig riecht.

Ende 19. Jahrhundert - Kaffeetradition der Amharen
Vielen Völkern in den Regionen Äthiopiens, in denen der Kaffee wild wächst, ist er als Nutzpflanze unbekannt oder er wird gänzlich anders zubereitet.
Die Zubereitungsmethode und Kaffeetradition der Amharen ist wohl die bekannteste im Hochland von Äthiopien, wird aber erst seit Ende des 19.Jhs. praktiziert. Nach dem Rösten der Bohnen in einer großen Eisenpfanne mahlen die Amharen diese grob oder zerstampfen sie im Mörser. Das Mahlgut wird mit Wasser und Zucker in der Jabana, einem bauchigen Tonkrug ähnlich einer Karaffe, aufgekocht und in kleinen Schalen serviert.
Zuvor lehnten die christlichen Amharen den Kaffee ebenso wie den Tabak als ein Genussmittel der Muslime ab.

1900 - Wiener Kaffeehäuser
Der um 1900 erschienene Illustrierte Wegweiser durch Wien und Umgebungen, der Wien-Besucher auch über die Funktion der Wiener Kaffeehäuser informiert, definiert diese Institution so: „Für das gesellschaftliche und theilweise auch für das geschäftliche Leben von Wien sind die Kaffeehäuser von der höchsten Bedeutung. Namentlich in den Nachmittagsstunden vollzieht sich in denselben ein nicht unbedeutender Theil des Verkehrs, und das ‚Stamm-Kaffeehaus‘ ist ein Zusammenkunftsort.“

1903 - Entkoffeinierung >> Kaffee Hag
Ludwig Roselius hat den Verdacht, dass sich sein zuvor verstorbener Vater, der ein starker Kaffeetrinker war, mit Koffein vergiftet hat. Daher sucht er nach einer Möglichkeit, dem Kaffee das Koffein zu entziehen.
Beim Roselius-Verfahren werden die Bohnen mit Salzwasser vorgequollen. Als Lösungsmittel zur Extraktion verwendet er das giftige und krebserregende Benzol.
Auf diese Weise entkoffeinierter Kaffee wird in den meisten Gebieten Europas als Kaffee Hag, in Frankreich als Café Sanka und später unter der Marke Sanka in den USA verkauft.

1920 - Dekokt roher Kaffeebohnen
Laut Madaus nimmt man das Dekokt roher Kaffeebohnen bei Wechselfieber, Keuchhusten usw. und bereitet einen Kaffeelikör nach Peretti, einen Sirup nach Ferrari und eine Essentia Coffeae.

1939 - Institution besonderer Art
Stefan Zweig schreibt in seinen Memoiren Die Welt von Gestern über seine Wiener Jugend, dass das Wiener Kaffeehaus „eine Institution besonderer Art darstellt, die mit keiner ähnlichen der Welt zu vergleichen ist“.

1948 - Kaffeesteuer
Nach der Währungsreform scheitert eine Neu-Festsetzung der Kaffeezoll-Sätze.
Durch Gesetz wird 1948 die Kaffeesteuer als Verbrauchsteuer für das Vereinigte Wirtschaftsgebiet eingeführt, 1949 auch in Berlin-West.

Bis 1953 - Aachener Kaffeefront
Bis 1953 ist die Kaffeesteuer so hoch (zuletzt 10 DM/kg), dass ein lukrativer Kaffeeschmuggel vor allem an der deutschen Westgrenze, der Aachener Kaffeefront besteht.

1954 - Wirtschaftswunder
Nach der Senkung der Kaffeesteuer auf 3 DM/kg steigt der Verbrauch stark begünstigt durch das Wirtschaftswunder.
Bereits 1954 sind die Gesamteinnahmen aus der Kaffeesteuer höher als vor 1953.

1959 - EWG
Durch die Zollpolitik innerhalb der EWG ab dem 1. Januar 1959 wird in der Bundesrepublik die Möglichkeit genutzt, die ausbleibenden Zollgebühren durch eine Erhöhung der Kaffeesteuer auszugleichen. Die Kaffeepreise bleiben trotz Zollsenkung dadurch in etwa dieselben.

1962 - Internationale Kaffeeorganisation (ICO)
Seit 1962 wird der Kaffee-Weltmarkt zwischen Produzenten- und Konsumentenländern durch ein internationales Abkommen der Internationalen Kaffeeorganisation reguliert.
Für jedes kaffeeproduzierende Land werden Quoten festgelegt, um eine Überproduktion und damit einen Preisverfall zu vermeiden.

1975 bis 1977 - Kaffeekrise in der DDR
Auslöser der Kaffeekrise ist eine dramatische Preiserhöhung auf dem Weltmarkt, verursacht durch eine Missernte in Brasilien in der Erntesaison 1975/76. Der Preis für Kaffee vervierfacht sich, und die DDR muss nun fast 700 Millionen Valutamark jährlich aufwenden – eine Summe, die das sozialistische Devisenbudget überfordert.
Die beliebte Billigmarke „Kosta“ verschwindet vom Markt. Die verbleibenden Kaffeesorten „Rondo“ und „Mona“ sind deutlich teurer.
Als Notlösung bringt die Regierung den „Kaffee-Mix“ heraus – eine Mischung mit fast 50 % Ersatzstoffen wie Erbsenmehl.
Die Bevölkerung lehnt ihn ab und schnell entstehen Spottnamen wie „Erichs Krönung“ (eine Anspielung auf „Jacobs Krönung“) oder „Edescho“ („Erichs Devisenschoner“).
Die Menschen fühlen sich durch den Kaffeemangel in ihrer Alltagskultur verletzt. Kaffee gehört für viele Ostdeutsche fest zum täglichen Leben – ein zentraler Ausdruck von Normalität und Genuss.
Als Reaktion auf die Wut der Bevölkerung erlaubt die Regierung ab September 1977 die unbegrenzte Einfuhr von Kaffee aus der Bundesrepublik durch Westpakete und persönliche Mitnahme. Der Kaffee wird damit mehr als ein Getränk: Er wird zum Symbol für die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Westen, für Konsumfrust und für das Misstrauen gegenüber der Führung.

1998 bis 2004 - Kaffeekrise
Im Zeitraum zwischen 1998 und 2004 kommt es zur schlimmsten Niedrigpreisperiode der Kaffee-Weltmarktpreise, die Auswirkungen auf alle Kaffeeproduzenten auf der ganzen Welt hat.
In Äthiopien, dem Ursprungsland des Kaffees, kommt es 2003 zu einer Hungerkrise, die in Zusammenhang mit der Kaffeekrise und der darauffolgenden Verelendung der Kaffeebauern steht.

2005 - Arabica und Robusta
Von der Art Arabica (Coffea arabica) existieren 2005 zirka zehn Milliarden, von der Art Robusta (Coffea canephora) zirka vier Milliarden Pflanzen. Zusammen liefern diese beiden Arten 98 % des weltweit erzeugten Rohkaffees.
Robusta-Kaffee stammt aus Westafrika, Uganda, Indonesien, Vietnam, Brasilien und Indien.
Arabica-Kaffee wird vor allem in den Ländern Lateinamerikas, in Ostafrika, Indien und Papua-Neuguinea angebaut.
70 % des Kaffees stammen aus kleinbäuerlichen Betrieben.

2006 - Libido
Koffein bewirkt bei weiblichen Säugetieren eine Steigerung des Geschlechtstriebs.
Eine die sexuelle Lust steigernde Wirkung des Koffeins tritt, falls überhaupt, allenfalls bei Frauen ein, die nicht an Koffein gewöhnt sind.

2007 - Internationales Kaffee-Übereinkommen
Die Internationale Kaffeeorganisation verabschiedet 2007 ein Internationales Kaffee-Übereinkommen, um die globale Kaffeewirtschaft zu stärken und ihre nachhaltige Entwicklung mittels zahlreicher Maßnahmen zu fördern.

2009 - Steuereinnahmen
Aufgrund des Kaffeesteuergesetzes werden Röstkaffee und Röstkaffee enthaltende Waren besteuert.
Auf Röstkaffee wird eine Steuer von 2,19 Euro/kg, auf löslichen Kaffee eine Steuer von 4,78 Euro/kg erhoben.
Die jährlichen Einnahmen aus der Kaffeesteuer belaufen sich in Deutschland auf rund eine Milliarde Euro.

2010 - Gestreckter Kaffee als Steuersparmodell
Seit 2010 beginnen einige Hersteller gemahlenen Röstkaffee mit bis zu 12 % Maltodextrin, Karamell sowie anderen Kohlenhydraten zu strecken.
Während die Hersteller Kraft Foods und Tchibo dies mit geschmacklichen Gründen rechtfertigen, bietet diese Vorgehensweise den Unternehmen zusammen mit dem Rösten im Ausland zudem erhebliche steuerliche Vorteile.

2011 bis 2013 - Lobby gegen Kaffeesteuer
Von 2011 bis 2013 betreibt der Kaffeeröster Darboven Lobbyarbeit gegen die Kaffeesteuer.
2013 wird die Petition zur Abschaffung der Kaffeesteuer vom zuständigen Ausschuss des Deutschen Bundestags abgelehnt.

2011 - Kulturerbe der UNESCO
Das Wiener Kaffeehaus ist als gastronomische Einrichtung eine typische Wiener Institution, die bis heute ein wichtiges Stück Wiener Tradition darstellt.
Die Wiener Kaffeehauskultur gehört seit 2011 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

2012 - Auswirkungen auf den Schlaf
Um die aufmunternde und konzentrationsfördernde Wirkung des Kaffees voll ausschöpfen zu können, ist es sinnvoller, viele kleine Schlucke Kaffee über den Tag verteilt zu sich zu nehmen, als eine große Tasse Kaffee am Morgen. Auf diese Weise findet eine deutlich effektivere Einwirkung des Koffeins auf die Schlafzentren im Gehirn statt.

2013 - Kaffeekonsum
Im Durchschnitt konsumiert jeder Deutsche im Jahr 6,9 kg Kaffee; das entspricht 949 Tassen im Jahr bzw. 2,6 Tassen Kaffee am Tag.
Damit ist Kaffee noch vor Bier das beliebteste Getränk der Deutschen.
Den größten Kaffeekonsum der Welt haben die Finnen. Jeder Einwohner Finnlands konsumierte 2009 durchschnittlich knapp 8,5 kg Kaffee, was insgesamt 1305 Tassen pro Jahr beziehungsweise 3,6 Tassen pro Tag und Person entspricht.

2014 - Dallmayr KG
Das Unternehmen Alois Dallmayr KG mit Sitz in München trägt zu knapp einem Drittel des in Deutschland verbrauchten Filterkaffees bei. Es produziert jährlich rund 80.000 Tonnen Röstkaffee an fünf Standorten in Deutschland wie München, Berlin, Braunschweig, Bremen und Dortmund.
Mit über 100.000 Kaffeeautomaten, Kaltgetränkeautomaten sowie Snackautomaten zählt sie zu den führenden Kaffee-Automatenbetreibern in Europa, der in insgesamt 18 Ländern weltweit aktiv ist.

2015 - Oligopol
Die Kaffeeindustrie in Deutschland ist ein Oligopol: sechs Anbieter, darunter Tchibo und Aldi, teilen sich 85 % des Marktes. Die deutschen Großröstereien konzentrieren sich dabei im Hamburger und Bremer Raum.
Der Hamburger Hafen ist der größte Importhafen für Kaffee in Europa, während in der Stadt Bremen über die Häfen Bremen und Bremerhaven die größte Menge an Kaffee in Deutschland umgeschlagen wird.
In Bremen und Umland befinden sich vier der größten Kaffeeröstereien Deutschlands.

2021 - Kinderarbeit und Fair Trade
In Kenia sind 60 % der Kaffeearbeiter Kinder. Über 30 % der Kaffeeernte in Guatemala wird von Kindern eingebracht. In Äthiopien arbeiten 53 % aller Kinder unter 14 Jahren.
Es ist wohl schwierig von außen zu beurteilen, ob Kinder nur neben der Schule gelegentlich mitarbeiten oder anstatt der Schule Erwerbsarbeit wie Erwachsene leisten.
Um einen Weg aus dieser Situation zu finden, hatte sich der Faire Handel entwickelt. Das System ist jedoch wegen mangelnder Transparenz und hoher Kosten für die Bauern in die Kritik gekommen. Es fehlen offizielle Standards.

2021 - Synthetischer Kaffee
Im Jahr 2021 werden die weltweit ersten synthetischen Kaffeeprodukte von Unternehmen der Bioökonomie hergestellt, wobei die behördlichen Genehmigungen und eine baldige Vermarktung noch ausstehen.

2022 - Weltproduktion
Insgesamt werden 2022 weltweit 10.782.333 t Rohkaffee (Coffee, green) geerntet.
Weltweit leben mindestens 20 Millionen Familien vom Kaffeeanbau. Bei einer durchschnittlichen Familiengröße von fünf Personen sind mehr als 100 Millionen Menschen vom Kaffee[anbau] abhängig.
Etwa zehn Prozent des Röstkaffees werden als koffeinfreier Kaffee verkauft.
Der weltweite Export von Kaffee hat einen Wert von 19,4 Milliarden US-Dollar.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen