In der Dorfener Bibliothek, gleich im ersten Stock, findet man sie: schöngeistige Trivialität. Hier reihen sich Romane mit weichen Covern, vertrauten Titeln und gefühlvollen Bildern aneinander. Sie erzählen von ewiger Liebe, von familiärem Zusammenhalt, von Tapferkeit in schweren Zeiten. Sie weichen Konflikten nicht aus, aber sie lösen sie in Hoffnung und Harmonie auf. Anders als die Hochliteratur, die mit Fragen und Brüchen konfrontiert, bietet die Trivialliteratur Antworten – einfache, klare, beruhigende Antworten.
Diese Literatur ist für alle da: allgemein zugänglich, gewöhnlich und gerade darin schön. In Dorfen wird sie nicht versteckt, sondern liebevoll angeboten – nicht im Geist elitärer Kunst, sondern im Dienst einer lesenden Seele, die nach Trost, Unterhaltung oder einem Lächeln sucht.
Zwischen Reiseberichten, Heimwerker-Tipps, "trivialer" Wissenschaftsliteratur für Kinder und Musikliteratur steht sie Seite an Seite mit Werken, die jeder nach seinem Maßstab als „trivial“ oder „hochgeistig“ bezeichnen darf.
Die Dorfener Bibliothek urteilt nicht – sie öffnet Türen.
Natürlich wird Trivialliteratur auch kritisch betrachtet. Sie folgt festen Mustern, wiederholt vertraute Spannungsbögen, zeichnet Charaktere mit klaren Strichen zwischen Gut und Böse. Sie zeigt eine Welt, die geordnet scheint, wo das Gute siegt und das Böse erkenntlich ist. Doch ist nicht auch das ein menschliches Bedürfnis? In einem Alltag, der oft widersprüchlich und überfordernd erscheint, ist ihre Ordnung ein Geschenk – ihre Klischees ein Versprechen.
Sie erscheint seriell – als Heftroman, Fortsetzungsgeschichte oder als Bestseller in Bahnhofsbuchhandlungen. Sie ist ein Stück Kultur, das sich nicht durch Originalität, sondern durch Nähe auszeichnet. Sie richtet sich nicht an das Ich, das anders sein will, sondern an das Wir, das sich nach Bestätigung sehnt. Sie ist affirmative Literatur, kein Spiegel der Gesellschaft, sondern ein Fenster zur Wunschwelt.
In Dorfen erfüllt sie eine stille, aber bedeutungsvolle Aufgabe. Sie spricht mit jenen, die das Lesen nicht als intellektuelle Herausforderung, sondern als emotionalen Rückzugsort suchen. Sie erfüllt Erwartungen, nicht um zu schmeicheln, sondern um zu trösten. Und vielleicht ist genau das ihre größte Kunst: dass sie aus einfachen Worten Geschichten macht, in denen sich viele erkennen.
Hier, wo die Literaturregale auf zwei Stockwerken das Leben abbilden, wird deutlich: Trivialität ist kein Makel, sondern ein menschlicher Ausdruck. Kitsch und Schund mag man anderswo finden – in Dorfen aber lebt die Trivialliteratur mit Herz und Würde. Und wer sich darauf einlässt, entdeckt nicht nur Geschichten, sondern vielleicht auch ein Stück Geborgenheit zwischen den Seiten.
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15. Jahrhundert - Einblattdrucke
Auch wenn der eigentliche Ursprung der Trivialliteratur im 18.Jh. liegt, können erste Formen bereits in den im 15.Jh. weit verbreiteten Einblattdrucken gesehen werden. In ihnen geht es um meist religiöse Inhalte, die für jedermann klar, anschaulich und deutlich zu vermitteln werden.
Im Laufe der Zeit weitet sich das inhaltliche Spektrum der Blätter, wobei das Sensationelle, wie Berichte von Naturkatastrophen, von Kriegsgeschehen und Schlachten oder von der Ausbreitung von Seuchen, zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Vor der Entstehung der Einblattholzschnitte im 15.Jh. sind religiöse Bilder den meisten Bevölkerungsgruppen nur in Kirchen zugänglich.
Die Einblattdrucke, die Information mit Sensation und Unterhaltung vermischen, gelten als Vorläufer der Groschenheftliteratur des 20.Jhs.
1410 - Christus in der Kelter
Als einer der ältesten erhaltenen Einblattdrucke gilt ein um 1410 entstandener Holzschnitt mit der Darstellung „Christus in der Kelter“.
Mit dem neuen Medium des Einblattholzschnittes ist es weiten Kreisen möglich, religiöse Bilder zu erwerben.
Ab 16. Jahrhundert - Kalenderhefte
Ebenfalls im 15.Jh. entstehen Einblattdruck-Wandkalender, die sich im 16.Jh. zu Kalenderheften weiterentwickeln.
Ab dem 17.Jh. werden sie immer häufiger mit belehrenden und unterhaltsamen Texten wie zum Beispiel Sentenzen und Anekdoten, Rätsel oder Horoskope versehen, so dass die Kalender zu einem Unterhaltungsmedium werden, das anspruchslose Lesebedürfnisse befriedigt.
18. Jahrhundert - Aufklärungs-Kalender
Im Zuge der Aufklärung im 18.Jh. dienen Kalender zunehmend auch pädagogischen Zwecken und werden zu Vermittlern vernünftigen und sinnvollen Wissens.
Diese Kalender weisen viele Parallelen zur Trivialliteratur auf, für deren Inhalte die beispielhaften Gegenüberstellungen von „gut“ und „böse“, „schön“ und „hässlich“ oder „klug“ und „dumm“ zu einem Prinzip wird. Dessen klare Dualität ermöglicht die verdeutlichende Darstellung ganz bestimmter Wertvorstellungen und kommt damit zugleich dem Verlangen der Leserschaft nach Information und Sinngebung entgegen.
18. Jahrhundert - Lesefähigkeit/Buchproduktion
Die einsetzende Entwicklung und rasche Verbreitung der Trivialliteratur wird durch den enormen Anstieg der Lesefähigkeit in der Bevölkerung und das damit verbundene Vergnügen am Lesen befördert, dem die technischen Fortschritte in der Druck- und Buchproduktion im 18.Jh. entsprechen.
18. Jahrhundert - Empfindsam-sentimentale Frauen- und Liebesroman
Das Lesen wird zur unterhaltsamen Freizeitbeschäftigung, die Erholung vom oft harten Arbeitsalltag verspricht.
Die Tatsache, dass Frauen über mehr häusliche Freizeit verfügen als Männer, erklärt, dass sie die Mehrheit des Lesepublikums stellen. Ihre Lesebedürfnisse werden von empfindsam-sentimentalen Frauen- und Liebesromanen erfüllt, welche oft von englischsprachigen Vorbildern inspiriert sind.
Ab 18. Jahrhundert - Trivialliterarische Genres
Das populäre, trivialliterarische Genre des Schauerromans entsteht im 18.Jh. als Reaktion auf den Rationalismus und ist von der englischen Gothic novel und ihrem Begründer Horace Walpole inspiriert. Bedeutendster deutschsprachiger Vertreter dieses Genres ist Christian Heinrich Spieß.
Im 18. bildet sich auch die Heimatliteratur heraus, sowie die Räuberromane, die nicht zuletzt durch ihre vorgeblichen Freiheitsideale und ihren aktionistischen Protest gegen die bestehende Gesellschaftsordnung beträchtliche Popularität gewinnen.
Auch die Indianer- und Wildwestliteratur findet – inspiriert durch Romane des Amerikaners James Fenimore Cooper – eine breite Leserschaft, da sie das Auswanderungsland Amerika als besondere Thematik der Abenteuer- und Reiseliteratur in diesen Romanen entdeckt. Als wohl wichtigster Vertreter ist hierbei, neben Friedrich Gerstäcker oder Charles Sealsfield, Karl May mit seine Winnetou-Romane zu nennen.
Ebenso im 18.Jh. entsteht der historische Roman, der seit dem 19.Jh., geprägt vor allem durch Walter Scott und Alexandre Dumas, sich anhaltender Beliebtheit und breiter Leserschichten erfreut.
Ab 18. Jahrhundert - Liebes- und Familienroman
Die Entstehung des Liebes- und Familienromans hängt unmittelbar mit der Situation des Bürgertums unter der spätfeudalen Herrschaft zusammen. Dieser Bürger sind zunehmend darauf angewiesen, wirtschaftlich und politisch an Einfluss zu gewinnen, um neben dem herrschenden Adel bestehen zu können.
Vor allem in Bezug auf die Herausbildung und Durchführung neuer bürgerlicher Moral- und Wertvorstellungen und Lebensführung besitzt die Frage nach der korrekten Verhaltensweise in Haus und Familie große Bedeutung.
Wird diese Problematik bereits in den „Moralischen Wochenschriften“ thematisiert, nutzen ab dem 18.Jh. die Aufklärer das neue Medium „Roman“, um der Frage nach den Möglichkeiten häuslichen Glückes nachzugehen und Geschichten mit der Beschreibung von Privatschicksalen zu nähren.
Daraus entsteht der moraldidaktische, anrührende Familienroman.
Ab 1750 - Leihbibliothek und Kolportageliteratur
Die seit der zweiten Hälfte des 18.Jhs. entstehenden kommerziellen Leihbibliotheken sind als Verbreitungsform der Trivialliteratur ebenso wichtig wie die Kolportageliteratur.
1771 - Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim
Als eine der ersten bedeutenden Autorinnen der Neuzeit tritt Sophie von La Roche mit ihrem Roman Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim (1771) hervor. Er führt als erstes gelungenes deutsches Beispiel die von Samuel Richardson begründete Gattung des empfindsamen Briefromans in Deutschland ein. Goethe schwärmt für diesen Roman und liefert 1774 mit den Leiden des jungen Werthers sein eigenes Werk in diesem Genre.
Jedoch etabliert sich in der Klassik zunehmend auch eine Unterscheidung von Höhenkamm- und Trivialliteratur, bei der die Frauen ganz klar auf der Verliererseite stehen. Für die Autorinnen der Romantik ist es deshalb typisch, dass sie bis in die 1790er oft nur als ‚Frau von‘ und oft genug nur unter ihrem Vornamen bekannt werden: Cornelia Schlosser, Caroline Flachsland, Minna Körner, Charlotte von Kalb.
1780 bis 1830 - Erste Welle trivialer Familien- und Liebesliteratur
Im Prosabereich spielen besonders vier Autoren eine entscheidende Rolle: August Lafontaine (Die Gewalt der Liebe, Familiengeschichten, Die Stiefgeschwister), Friedrich August Schulze (Heiratshistorien, Drei Küsse und eine lange Nacht, Familienglück), Gustav Schilling (Die Brautschau, Häusliche Bilder) sowie Heinrich Clauren (Leidenschaft und Liebe, Das Dijon-Röschen, Vielliebchen).
1787/1790 - Iffland und Kotzebue
Als frühe dramatische Werke trivialer Familien- und Liebesliteratur sind die Rührstücke August Wilhelm Ifflands (Verbrechen aus Ehrsucht (1787), Die Mündel) oder August von Kotzebues (Menschenhass und Reue (1790) sowie Die edle Lüge) zu nennen.
Diese Werke spiegeln die bis heute kennzeichnenden Merkmale der Familien- und Liebesliteratur wider: Beschränkung auf das private Einzelschicksal und Vermittlung von Emotionalität.
1791 - Das Petermännchen
Im 18.Jh. entsteht das noch heute populäre, trivialliterarische Genre des Schauerromans, der, als Reaktion auf den Rationalismus, von der englischen Gothic novel und ihres Begründers Horace Walpole inspiriert ist.
Bedeutendster deutschsprachiger Vertreter dieses Genres ist Christian Heinrich Spieß. Sein Das Petermännchen (1791) wird zum berühmtesten und meistgelesenen phantastischen Roman der Goethezeit.
1799 - Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptmann
Im 18. und 19.Jh. bilden sich die Räuberromane heraus, die durch ihre vorgeblichen Freiheitsideale und ihren aktionistischen Protest gegen die bestehende Gesellschaftsordnung beträchtliche Popularität gewinnen können.
Zu den bekanntesten Werken zählen Heinrich Zschokkes Geheimbundroman Abällino der große Bandit (1793) als Vorläufer der Schauerromantik und Christian August Vulpius’ sechsbändiger Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptmann (Teilbände 1799–1801), der als populärstes deutschsprachigen Werk der Gattung bis ins 20.Jh. immer wieder neu aufgelegt, bearbeitet und mehrfach verfilmt wird, schließlich Carl Gottlob Cramers in Serienproduktion verfasste Kolportageromane wie Der Dom-Schütz und seine Gesellen (1803).
19. Jahrhundert - Zeitungsroman
Die Fortschritte in der Drucktechnik des Zeitungswesens tragen dazu bei, dass sich gedruckte Prosaliteratur zum leicht erhältlichen Massenmedium entwickelt, wobei Eugène Sue mit Les mystères de Paris zum Begründer des Fortsetzungsromans in Zeitungen wird.
1807 - Die teutschen Volksbücher
Der Begriff Trivialliteratur wird 1807 von Joseph Görres in seiner Publikation Die teutschen Volksbücher geprägt, in der er vierzig von ihnen nacherzählt.
Während der Begriff in dieser Bedeutung nichts Abwertendes hat, liegt das Unbehagen an dem später von dem Begriff abgedeckten Phänomen jedoch bereits vor.
1808 - Margarete, genannt Gretchen, ein junges Mädchen
Frauenfiguren werden tendenziell überzeichnet kategorisch als entweder gut oder böse, als gehorsam oder ungehorsam dargestellt.
So wird z.B. in Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung von 1592 eine eigensinnige Frau durch männlichen Einfluss gebrochen und gehorsam gemacht und bei Goethes Faust von 1808 ein „reines“, frommes Mädchen durch männliches Einwirken „unrein“ und zu einer Kindsmörderin.
1815 - Mimil
Heinrich Clauren erregt mit dem Erfolg seiner "trivialen" Mimili den Unwillen des hochliterarisch orientierten Wilhelm Hauff so sehr, dass dieser ihn zum Ziel satirischer und polemischer Angriffe macht.
1823 - Trudchen
Als wichtige Vertreterin neben Iffland und Kotzebue gilt Charlotte Birch-Pfeiffer, die zwischen 1830 und 1860 den Ruf der „Beherrscherin der deutschen Bühne“ genießt.
Sie verfasst allein mehr als 20 Familiendramen, wie z. B. Trudchen, Eine Familie, Das Forsthaus oder Rose und Röschen.
1842 - Schwarzwälder Dorfgeschichten
Die Tradition des Heimatromans beginnt mit Berthold Auerbachs Schwarzwälder Dorfgeschichten (seit 1842).
Auerbach gilt als Begründer des Genres der „Dorfgeschichte“, die im engen Sinne eine erzählerische Kleinform ist und in den deutschsprachigen Feuilletons schnell große Verbreitung findet.
Anders als etwa der Abenteuerroman oder auch der historische Roman, deren Handlungsrahmen kaum weit genug vom Leser entfernt liegen können, bleibt der Heimatroman in der Nähe, teilt mit der Idylle die sentimentale Verklärung archaischen Landlebens, bedient die Sehnsüchte, die moderne Leser nach der Naturnähe des ländlichen Lebens haben, und bietet ihnen eine geografisch lokalisierbare Landschaft als Modell einer kleinen überschaubaren Welt mit festen, durch Brauchtum und Sitte vorgegebenen Normen.
Insbesondere seit der zweiten Hälfte des 20.Jhs. wird die große Mehrzahl der Heimatromane der Trivialliteratur zugerechnet.
1844 - Die drei Musketiere
Der historische Roman, der seit dem 19.Jh., geprägt vor allem durch Walter Scott und Alexandre Dumas, erfreut sich anhaltender Beliebtheit und breiter Leserschichten.
Den größten Erfolg hat Alexandre Dumas der Ältere mit seinen Abenteuer- und Historienromanen, darunter die Die drei Musketiere (1844) und Der Graf von Monte Christo (1844–1845).
Ab 1850 - Heftromane
Ab Mitte des 19.Jh. erscheinen Heftromane in Form meist wöchentlich erscheinender Druckerzeugnisse auf dem Buch- und Zeitschriftenmarkt in den meisten Ländern Europas und in Nordamerika.
Der Heftroman gehört zur Trivialliteratur, einem Genre der Stereotype und einfachen sprachlichen Mittel, was mitunter zur Abstempelung des gesamten Genres als „Schundliteratur“ führt.
Die Verlage müssen aus geschäftspolitischen Gründen auf bewährte Konzepte setzen. Formen und Inhalte werden gezielt reproduziert und wenig variiert. Aufgrund des niedrigen Preises und der hohen Auflage spielt Originalität meist eine untergeordnete Rolle.
Damit bei Bedarf Autoren ausgetauscht werden können, wird der Handlungsrahmen häufig in Form eines Serienexposés vorgegeben, in dem wiederkehrende Charaktere, Vorgeschichten und dramaturgische Schablonen festgelegt sind.
Heftromane erscheinen als Serien und als Reihen. Gewöhnlich steht im Mittelpunkt einer Serie ein Held, der immer wieder neue Abenteuer zu bestehen hat.
Ab 1850 - Weibliches Brotschriftstellertum
Im bürgerlichen Realismus etabliert sich ein vorher nie dagewesenes weibliches Brotschriftstellertum. Frauen entdecken die Schriftstellerei als Erwerbsquelle.
Ein hoher Prozentsatz der enormen Roman- und Novellenproduktion in der zweiten Hälfte des 19.Jhs., vor allem für „Familienblätter“ wie Die Gartenlaube oder Westermanns Monatshefte, verdankt sich weiblicher Feder.
Zur Auflagensteigerung der „Gartenlaube“ trägt besonders die Marlitt bei. Weitere Bestseller-Autorinnen dieser Epoche sind Nataly von Eschstruth, Marie Nathusius, Louise von François und Hedwig Courths-Mahler.
1853 - Die Gartenlaube
Die Gartenlaube – Illustriertes Familienblatt erscheint ab 1853 in Leipzig im Verlag Ernst Keil mit einer Startauflage von 5000 Exemplaren.
Sie ist das erste große erfolgreiche deutsche Massenblatt und ein Vorläufer moderner Illustrierten. Da die Zeitschrift als gemeinsame Familienlektüre dient und auch in zahlreichen Leihbibliotheken und Cafés ausliegt, ist die Reichweite auf ein Vielfaches zu schätzen.
Ab 1860er - Zweite Welle trivialer Familien- und Liebesliteratur
Nach der Produktion der Werke zwischen 1780 und 1830 setzt eine neue Welle trivialer Familien- und Liebesliteratur erst wieder in den 1860er ein.
Ab dieser Zeit beginnt eine Vielzahl von Frauen das Schreiben. Viele von ihnen prägen das Bild des Familienblatts Die Gartenlaube, wie beispielsweise E. Marlitt, deren Werke – z. B. Goldelse, Das Geheimnis der alten Mamsell oder Die Frau mit den Karfunkelsteinen – Bestseller sind und weitaus mehr Leser finden als berühmtere Zeitgenossen wie etwa Theodor Fontane.
Da die Liebesgeschichte die Handlung bei Marlitt lediglich zusammenhält, während ganz andere Ereignisse im Vordergrund stehen, ist die Einstufung ihres Werks als Liebesromanliteratur gelegentlich auch bestritten worden.
Weiterhin sind im Bereich des trivialen Liebesromans Wilhelmine Heimburg, Elisabeth Bürstenbinder oder Anny Wothe zu erwähnen.
1865 bis 1885 - E. Marlitt
Friederike Eugenie John ist eine deutsche Schriftstellerin, deren Werke zunächst nur in Form von Fortsetzungsprosa in der Familienwochenschrift Die Gartenlaube erscheint.
Gelesen werden Marlitts Romane in allen Bevölkerungsschichten bis hin zum Großbürgertum und Adel. Die Mehrheit von Marlitts Lesern ist jedoch weiblich.
Marlitts spektakulärer Erfolg zieht viele schreibende Frauen in den Sog des Genres Frauenroman.
Zentraler Protagonist ist in Marlitts Romanen immer eine Frau, und zwar eine oft hübsche, junge Vollwaise zwischen 17 und 21 Jahren.
Charakteristisch für die Marlittschen Heldinnen ist, dass sie eigenständig denken und mit einem starken Bedürfnis nach Selbstständigkeit und Freiheit ausgestattet sind.
Ihre Sozialisation erfolgt meist außerhalb institutionalisierter Formen und unter außergewöhnlichen Umständen, mit der Folge, dass hier freie und durchsetzungsfähige Persönlichkeiten entstehen, die ohne weiteres allein mit dem Leben zurechtkommen würden. Von der realen Mädchenerziehung der Zeit, in deren Mittelpunkt das Stillsitzen mit der oftmals verhassten textilen Handarbeit steht, weichen diese Porträts extrem stark ab.
Ein weiteres Merkmal der Marlittschen Trotzköpfe ist ihr Drang nach Bildung. Fast alle Marlittschen Heldinnen sind musisch begabt und gebildet.
Kennzeichnend für Marlitts Protagonistinnen ist weiterhin ihr starkes bürgerliches Arbeitsethos; rastlose Tätigkeit empfinden sie nicht als unangenehme Notwendigkeit oder sogar Zwang, sondern als etwas, das dem Leben einen Sinn verleiht.
Die männlichen Liebespartner sind als Charaktere nicht nur flach, sondern zeigen über den Handlungsverlauf meist auch nur wenig Entwicklung, werden nur von außen und ohne Einblick in ihre Gefühlswelt dargestellt. Sie vertreten mehrheitlich denselben Typus: eher unansehnlich, manchmal geradezu hässlich, mindestens zehn Jahre älter als die Protagonistin, erfahren und im Beruf fest etabliert.
Der Protagonistin und anderen positiven Figuren werden in vielen von Marlitts Werken durch Spiegelverkehrung negative Figuren gegenübergestellt. Die Antihelden sind beschränkt, bigott, eitel, verzogen, lieblos und haben keinen Sinn für Kunst und Musik.
Marlitts Romane bergen regelmäßig ein zumeist aus der Vergangenheit herstammendes Geheimnis, das das Leben der Protagonistin stark beeinflusst. Oft geht es dabei um eine alte Familienschuld, in anderen Fällen um das Verschwinden, die wahre Identität oder die Schuld einer individuellen Person. In der Regel ist es die Protagonistin selbst, die das Geheimnis lüftet, wobei die Lösung stets auf dem einfachsten Wege erfolgt, oft durch die zufällige Entdeckung entlarvender Briefe oder anderer Dokumente.
Die Aufmerksamkeit von Marlitts Protagonistinnen konzentriert sich weitgehend auf die Auseinandersetzung mit ihren Gegenspielern, auf ihre Samariterdienste und auf das Rätsel, das die Romanhandlung ihnen aufgibt. Zwar unterziehen sie die männliche Hauptfigur einerseits von Anfang an, etwa durch beständige Scharfzüngigkeit, einer kritischen Prüfung, ob er ihre geistige Unabhängigkeit wird aushalten können, andererseits jedoch nehmen sie ihn meist erst dann und auch nur beiläufig als möglichen Liebespartner bewusst zur Kenntnis, wenn er sich einer anderen Frau zuzuwenden scheint.
1876 - Der Schandfleck
Im deutschsprachigen Raum ist mit seinen Porträts starker Frauen, die sich gegen alle äußeren Widrigkeiten einen guten Platz im Leben erkämpfen, etwa der Österreicher Ludwig Anzengruber (Der Schandfleck, 1876; Der Sternsteinhof, 1884) hervorgetreten.
Zur selben Zeit behandelt Theodor Fontane in seinen Romanen und Novellen immer wieder das Thema der bürgerlichen Frau, die an den antiquierten Verhaltensnormen ihrer Zeit scheitert, z.B. Grete Minde, 1879; Cécile, 1886; Frau Jenny Treibel, 1892; Effi Briest, 1894/1895; Mathilde Möhring.
1878 - Winnetou
Auch die Indianer- und Wildwestliteratur findet ab dem 19.Jh., inspiriert durch Romane des Amerikaners James Fenimore Cooper (z.B. Der letzte Mohikaner, 1826), eine breite Leserschaft, da sie das Auswanderungsland Amerika als besondere Thematik der Abenteuer- und Reiseliteratur in diesen Romanen entdecken können.
Als wohl wichtigster Vertreter ist, neben Friedrich Gerstäcker oder Charles Sealsfield, Karl May zu nennen, der u.a. durch seine Winnetou-Romane bis heute anhaltenden Ruhm sich erschreibt.
1899 - Das Schweigen im Walde
Das Schweigen im Walde, ein Roman von Ludwig Ganghofer von 1899, spielt in den Tiroler Bergen und erzählt von Liebe und Eifersucht.
Kurios ist die humorvoll-spöttische Schilderung des „Schundromans“ Das Geheimnis von Woodcastle, besonders da Ganghofer schon zu Lebzeiten dem Vorwurf der Trivialität seiner Geschichten ausgesetzt ist.
Seine Heimatromane haben Ganghofer schon zu Lebzeiten den Ruf des „Heile-Welt“-Schreibers eingebracht. Nicht selten werden seine Werke, die meist vom Leben einfacher, tüchtiger, ehrlicher Leute handeln, als Kitsch bezeichnet.
20. Jahrhundert - Patriotisches Gedankengut
Im 20.Jh. wird der historisch-zeitgeschichtliche Roman des 19.Jhs. fortgeschrieben, aber auch zum Vermittler patriotischen Gedankenguts umfunktioniert.
Kriegsgeschehen, das heldenhafte Töten und Sterben für das Vaterland, sowie die propagandistische Verunglimpfung des Gegners werden zum kriegsverherrlichenden thematischen Zentrum der Erzählhandlungen.
20. Jahrhundert - Comics
Die Comics erlangen nun im 20.Jh. durch ihre enorme Vielfalt ihren bis heute anhaltenden Erfolg in allen Gesellschaftsschichten. Hervorgegangen sind sie aus den am Ende des 19.Jhs. in amerikanischen Zeitungen veröffentlichten Comic-Strips.
Ab 1900 - Liebesheftromane
Nach und nach tauchen Familien- und Liebesromane auch in den seit Beginn des 20.Jhs. populär gewordenen Romanheftserien auf.
Zwar sind sie bis zum Ende des Ersten Weltkriegs nur schwach – zum Beispiel durch die Reihen Intime Geschichten oder Was man nicht laut erzählt – vertreten, jedoch können sie sich im Laufe der Zeit mit den Kleinen Meister-Romanen oder der Serie Frauen von heute ebenfalls weiter etablieren.
Diese Romanzen folgen der immer gleichen Dramaturgie und lassen Roman für Roman zwei andere potenzielle Liebende aufeinandertreffen. Diese geraten in einen Konflikt, die Liebe scheint unwiederbringlich zerstört; der Konflikt wird jedoch gelöst, weil einer der beiden oder beide für die Liebe kämpfen, und am Ende verspricht man einander ewige Treue.
1905 bis 1914 - Blütezeit des Heftromans
Die Jahre zwischen 1905 und 1914 sind die Blütezeit des deutschen Heftromans. Weder vor dieser Zeit noch danach hat es so viele Heftromanreihen und vergleichbar hohe Auflagen gegeben. In dieser Zeit können sich die Heftromane mit ihren Serienhelden endgültig durchsetzen. Dabei dominieren drei Verlage: der Verlag für Volksliteratur und Kunst (Berlin), der Dresdner Roman Verlag und der Verlag für moderne Lektüre (Berlin).
1905 - Ein Frühlingstraum
Neben Courths-Mahler sind nur zwei weitere Schriftstellerinnen auf diesem literarischen Gebiet von Bedeutung: Helene Butenschön, die unter dem Pseudonym „Fr. Lehne“ auftritt, und Anny von Panhuys.
Butenschöns vielgelesenen, der Trivialliteratur zuzurechnenden Werke werden teilweise bis in die 1950er, ihr Debüt Ein Frühlingstraum sogar bis in die 1980er hinein neu aufgelegt.
1912 - Die wilde Ursula
Mit Beginn des 20.Jhs. setzt der Erfolg Hedwig Courths-Mahlers ein, deren Romane innerhalb eines halben Jahrhunderts in einer Gesamtauflage von rund 30 Millionen Exemplaren gedruckt werden.
Zu ihren erfolgreichsten Werken zählen unter anderem Des anderen Ehre, Meine Käthe, Eine ungeliebte Frau, Die schöne Unbekannte oder Verschmäht.
Hedwig Courths-Mahlers Werke folgen allgemein dem gleichen Muster: Sozial Benachteiligte überwinden Standesunterschiede durch die Liebe. Die Liebenden kämpfen gegen allerlei Intrigen und finden schließlich zueinander, erlangen Reichtum und Ansehen. Trotz der Kritik an den Klischees in ihrem Werk und der aus heutiger Sicht konservativen Ansichten der Autorin über das männlich-weibliche Rollenverhalten finden ihre Bücher bis heute eine breite, vor allem weibliche, Leserschaft.
1920er - Minderwertige Massenware
Mit dem Begriff Trivialliteratur wird seit den 1920er der Bereich der populären, häufig als minderwertig angesehenen Massenliteratur bezeichnet.
In einer groben Aufteilung von Literatur in die drei Felder Dichtung bzw. Hochliteratur, Unterhaltungsliteratur und Trivialliteratur wird Letztere als die mit dem geringsten literarischen Anspruch – bis hin zu Kitsch- und Schundliteratur – gewertet.
Allerdings sind die Übergänge zwischen diesen Wertungen fließend und Zuordnungen werden je nach Betrachtung der einen oder anderen Stufe erfolgen können.
1920er - „Neue Frau“
In den 1920er wird die „Neue Frau“ als Romanthema entdeckt. Bestseller-Autorinnen dieser Zeit sind z. B. Vicki Baum und Ina Seidel.
1923 - Der Trivialroman des 18.Jhs. und der romantische Roman
Seine heutige Bedeutung erhält der Begriff Trivialliteratur durch Marianne Thalmanns 1923 veröffentlichte Dissertation Der Trivialroman des 18.Jhs. und der romantische Roman.
Trivialliteratur ist demnach eine Form literarischer Unterhaltung.
1926 - Amazing Stories
Die Abenteuer- und Reiseliteratur entwickelt sich in Richtung auf Science-Fiction weiter.
Amazing Stories von Hugo Gernsback ist ein US-amerikanisches Science-Fiction-Magazin, das zum ersten Mal im April 1926 als Pulp-Magazin erscheint.
Amazing Stories wird zum Vorbild für zahlreiche weitere Periodika in dem noch jungen Genre Science-Fiction und begründet die Ära der Pulp-Magazine.
1930er - Frauenroman
In den 1930er wird das Etikett „Frauenroman“ als Verkaufsschlager entdeckt, zahlreiche Verlage bringen Romanreihen unter Titeln wie „Frauen-Romane“, „Der gepflegte Frauen-Roman“ u. ä. heraus, und der Begriff wird nahezu synonym mit „Heft- oder Groschenroman“ und „Trivialliteratur“.
1935 - Regency-Liebesroman
Als erster Regency-Liebesroman der Literaturgeschichte gilt Georgette Heyers 1935 publiziertes Werk Regency Buck, das in den USA ausschließlich in Taschenbuchausgaben publiziert wird.
Regency Romance ist ein Genre von Liebesromanen, deren Handlungen in der Epoche des britischen Regency (1811–1820) angesiedelt sind. Ihr Ton ist stets leicht und entspricht fast dem einer Sittenkomödie.
Zentrales Thema sind die Sitten und sozialen Gepflogenheiten der Zeit. Im Vordergrund stehen die Figuren, ihre Beziehungen zueinander und ihre jeweilige Position im streng hierarchischen gesellschaftlichen Gefüge. Der Schauplatz, die sehr begrenzte Sphäre der Londoner High Society, agiert oft wie eine selbstständige Handlungsfigur. Die Aktivitäten der Figuren beschränken sich weitgehend auf Dinge wie Kutschfahrten, Morning Calls (= formelle Vormittagsbesuche), Dinnerpartys und Bälle.
1937 - Die Zitadelle
Im Jahre 1937 veröffentlicht A. J. Cronin seinen Roman Die Zitadelle, der sich mit Fragen der medizinischen Ethik auseinandersetzt und ein kritisches Bild der Medizin und der Gesundheitsversorgung in Großbritannien entwirft.
Neben der im Vordergrund stehenden Gesellschaftskritik und der charakterlichen Entwicklung der Hauptperson im Sinne eines Entwicklungs- oder Bildungsromans enthält der Roman, wie für das Genre später typisch, auch eine Liebesgeschichte, die von zentraler Bedeutung ist.
Aufgrund seines Erfolges und Einflusses wird zu einem klassische Arztroman und sein Autor, der auch noch weitere Arztromane verfasst, als Begründer des Genres angesehen.
Ab 1945 - Triviale Arztromane
Nach dem Zweiten Weltkrieg etabliert sich in Deutschland der Arztroman als festes Genre innerhalb der Trivialliteratur. Dort behandelt er meist die gleichen Liebesthemen wie der Frauenroman.
Es werden regelhaft Dreiecksbeziehungen im Arzt- und Klinikmilieu behandelt, wobei als störende Dritte sowohl ein Rivale oder eine Rivalin, als auch eine Krankheit auftreten kann.
Im trivialen Arztroman kommen die nekrophilen Tendenzen zum Sieg, da der oder die Dritte am Ende des Romans als Sündenbock geopfert wird und gleichzeitig damit die Lust am Leben, symbolisiert durch diese dritte Person, aus der so gefestigten Zweierbeziehung gezogen wird.
Die den trivialen Arztroman charakterisierende Auffassung von erfüllter Beziehung, oft mit einer Krankenschwester oder anderen Mitarbeiterinnen eines Krankenhauses, stellt die Treue über die Liebe: Die Liebe wird so zur Pflicht und damit zur Fessel.
Die Protagonisten des trivialen Arztromans antworten auf den Verlust des geliebten Partners mit einer totalen Unterdrückung der eigenen Gefühle.
Die überwiegende Publikationsart dieser Arztromane ist der Heftroman, bei dem den Autoren oft enge schematische Vorgaben, sowohl auf die Handlung, als auch den Umfang bezogen, gemacht werden.
Die Leserschaft von Arztromanen in der Trivialliteratur besteht zu 95 % aus Frauen, auch älteren Frauen. Sie haben den niedrigsten Bildungsstand aller Liebesromanleserinnen, setzen sich jedoch etwas von den Berg- und Heimatroman-Leserinnen ab.
Ab 1949 - Blütezeit der Familien- und Liebesliteratur
In der Bundesrepublik machen Familien- und Liebesromane nach 1949 bald mehr als die Hälfte aller Romanheftserien aus, wobei seit 1958 ein Rückgang auf ca. 35% zu beobachten ist. Zu diesen Serien zählen unter anderem Mein Roman, Romane des Herzens, Linden-Roman, Roman am Sonnabend oder Bastei-Familien-Roman.
1960er - Pop-Art
Die Erwachsenen-Comics der 1960er werden stark von der Pop-Art beeinflusst und wenden sich mit sozialkritischem Hintergrund an eine intellektuelle Leserschaft, bis hin zur sensiblen Behandlung sehr komplexer Themen wie etwa der Shoah.
1961 - Ein Herz für mich allein
Marie Luise Fischer veröffentlicht über 100 Romane – vorwiegend Liebesromane, aber auch Kriminalromane, historische Romane und Arztromane –, die in bis zu 23 Sprachen übersetzt werden. Allein in Deutschland werden mehr als 70 Millionen ihrer Bücher verkauft.
Das übliche Handlungsschema der Autorin: Ihre Romane spielen im Milieu der gehobenen Schicht; dort wird viel geraucht und Whisky oder Cognac getrunken, und dank der einfühlsamen Protagonistin lösen sich alle Konflikte am Ende auf.
Für die Jugendzeitschrift Bravo verfasst Fischer zudem Fortsetzungsromane wie „Wildes Blut“, „Hotelsekretärin Julia“ oder „Ein Herz für mich allein“:
Die Lenkungsfunktion der seriellen Fabrikation liegt darin, dass die „typischen weiblichen Unarten“, wie beispielsweise Arroganz, Kritiksucht, Überheblichkeit und Unzufriedenheit, die genüsslich ausgebreitet werden, mit dem Ziel eines braven, anpassungsfähigen und gutartigen Mädchentypus bekämpft werden: Peu à peu entwickelt sich im Laufe der Erzählung das ungebärdete und ungestüme junge Mädchen zu einem sittsamen jungen Teenager.
1972 - Bodice Ripper
Kathleen Woodiwiss, die Autorin des ersten „Bodice Ripper“, veröffentlicht 1972 ihren Debütroman "Wohin der Sturm uns trägt", ein um 1800 in den amerikanischen Südstaaten spielendes Frauenschicksalsdrama.
Bodice-Ripper-Romane erzählen aus der Perspektive der weiblichen Hauptfigur die Geschichte einer als extrem attraktiv, aber widerspenstig und „unbezähmbar“ charakterisierten jungen Frau, die den Mann von Anfang an begehrt und liebt, und eines etwas älteren, draufgängerischen und schurkenhaften Mannes, die im Verlaufe der Handlung über Konflikte und Missverständnisse hinweg zur großen Liebe finden.
Bodice Ripper ist eine der ersten Literaturformen, die einem weiblichen Publikum Zugang zu expliziten Darstellungen sexueller Handlungen bietet. Bei einem Großteil dieser Sexszenen handelt es sich um romantisierte Vergewaltigungen.
Unter Marketinggesichtspunkten stellt die Publikation dieser Romane eine bedeutende Neuerung dar, weil der Taschenbuchausgabe nicht wie sonst branchenüblich eine gebundene Ausgabe vorausgeht, sondern das sehr billig gemachte Mass-Market Paperback sofort auf den Markt kommt.
Weil positive Darstellungen gewaltsamer Sexualität vor dem Hintergrund der Zweiten Welle der Frauenbewegung als frauenfeindlich empfunden werden, verliert dieser Romantypus in den 1980er an Bedeutung und verschwindet in den 1990er vollständig.
1973 - Dr. Norden
Ein typisches Beispiel für den trivialen Arztroman ist die seit 1973 erscheinende Arztromanserie Dr. Norden von Patricia Vandenberg, die mit mehr als 180 Millionen verkauften Exemplaren in mehreren Auflagen und über 850 einzelnen Romanen wohl die erfolgreichste deutschsprachige Heftromanserie ist.
Ab 1980er - „Freche Frauenromane“
„Freche Frauenromane“ bezeichnen ab den 1980er ein Genre der Unterhaltungsliteratur, das sich durch selbstironische, lebensnahe und oft witzige Erzählweise über das Leben moderner Frauen auszeichnet, die beruflich, privat oder beziehungstechnisch Herausforderungen meistern.
Diese Bücher brechen mit traditionellen Frauenrollen und zeigen weibliche Lebenswirklichkeiten abseits des Klischees – mit Liebeskummer, Jobproblemen, Diäten, aber auch mit Lebensfreude und Selbstbehauptung.
Sie sind das literarische Pendant zur emanzipierten Frau der späten 20.Jhs. und heutzutage noch immer beliebt, oft unter dem Begriff Chick Lit.
2013 - In stillen Nächten
Die Bezeichnung des Trivialen in der Lyrik konstruiert sich aus einer einfachen Sprachbeherrschung, der im Gedicht plakativ vorgestellten Thematik oder der Gedichtkomposition.
In der Vergangenheit als Poesiespruch oder privates Liebesgedicht, findet die triviale Lyrik im Internet weite Verbreitung und überragt nach Verkaufszahlen die Werke renommierter Dichter deutlich. Beispiele hierfür: Till Lindemann: In stillen Nächten. Gedichte 2013; Clara Louise: Von verlassenen Träumen und einem leichteren Morgen. 2018; Julia Engelmann: Eines Tages, Baby: Poetry-Slam-Texte. 2014; Lucia Lucia: Texte, die auf Liebe enden: Reality in Poetry. 2019.
Die Dorfener Bibliothek urteilt nicht – sie öffnet Türen.
Natürlich wird Trivialliteratur auch kritisch betrachtet. Sie folgt festen Mustern, wiederholt vertraute Spannungsbögen, zeichnet Charaktere mit klaren Strichen zwischen Gut und Böse. Sie zeigt eine Welt, die geordnet scheint, wo das Gute siegt und das Böse erkenntlich ist. Doch ist nicht auch das ein menschliches Bedürfnis? In einem Alltag, der oft widersprüchlich und überfordernd erscheint, ist ihre Ordnung ein Geschenk – ihre Klischees ein Versprechen.
Sie erscheint seriell – als Heftroman, Fortsetzungsgeschichte oder als Bestseller in Bahnhofsbuchhandlungen. Sie ist ein Stück Kultur, das sich nicht durch Originalität, sondern durch Nähe auszeichnet. Sie richtet sich nicht an das Ich, das anders sein will, sondern an das Wir, das sich nach Bestätigung sehnt. Sie ist affirmative Literatur, kein Spiegel der Gesellschaft, sondern ein Fenster zur Wunschwelt.
In Dorfen erfüllt sie eine stille, aber bedeutungsvolle Aufgabe. Sie spricht mit jenen, die das Lesen nicht als intellektuelle Herausforderung, sondern als emotionalen Rückzugsort suchen. Sie erfüllt Erwartungen, nicht um zu schmeicheln, sondern um zu trösten. Und vielleicht ist genau das ihre größte Kunst: dass sie aus einfachen Worten Geschichten macht, in denen sich viele erkennen.
Hier, wo die Literaturregale auf zwei Stockwerken das Leben abbilden, wird deutlich: Trivialität ist kein Makel, sondern ein menschlicher Ausdruck. Kitsch und Schund mag man anderswo finden – in Dorfen aber lebt die Trivialliteratur mit Herz und Würde. Und wer sich darauf einlässt, entdeckt nicht nur Geschichten, sondern vielleicht auch ein Stück Geborgenheit zwischen den Seiten.
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15. Jahrhundert - Einblattdrucke
Auch wenn der eigentliche Ursprung der Trivialliteratur im 18.Jh. liegt, können erste Formen bereits in den im 15.Jh. weit verbreiteten Einblattdrucken gesehen werden. In ihnen geht es um meist religiöse Inhalte, die für jedermann klar, anschaulich und deutlich zu vermitteln werden.
Im Laufe der Zeit weitet sich das inhaltliche Spektrum der Blätter, wobei das Sensationelle, wie Berichte von Naturkatastrophen, von Kriegsgeschehen und Schlachten oder von der Ausbreitung von Seuchen, zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Vor der Entstehung der Einblattholzschnitte im 15.Jh. sind religiöse Bilder den meisten Bevölkerungsgruppen nur in Kirchen zugänglich.
Die Einblattdrucke, die Information mit Sensation und Unterhaltung vermischen, gelten als Vorläufer der Groschenheftliteratur des 20.Jhs.
1410 - Christus in der Kelter
Als einer der ältesten erhaltenen Einblattdrucke gilt ein um 1410 entstandener Holzschnitt mit der Darstellung „Christus in der Kelter“.
Mit dem neuen Medium des Einblattholzschnittes ist es weiten Kreisen möglich, religiöse Bilder zu erwerben.
Ab 16. Jahrhundert - Kalenderhefte
Ebenfalls im 15.Jh. entstehen Einblattdruck-Wandkalender, die sich im 16.Jh. zu Kalenderheften weiterentwickeln.
Ab dem 17.Jh. werden sie immer häufiger mit belehrenden und unterhaltsamen Texten wie zum Beispiel Sentenzen und Anekdoten, Rätsel oder Horoskope versehen, so dass die Kalender zu einem Unterhaltungsmedium werden, das anspruchslose Lesebedürfnisse befriedigt.
18. Jahrhundert - Aufklärungs-Kalender
Im Zuge der Aufklärung im 18.Jh. dienen Kalender zunehmend auch pädagogischen Zwecken und werden zu Vermittlern vernünftigen und sinnvollen Wissens.
Diese Kalender weisen viele Parallelen zur Trivialliteratur auf, für deren Inhalte die beispielhaften Gegenüberstellungen von „gut“ und „böse“, „schön“ und „hässlich“ oder „klug“ und „dumm“ zu einem Prinzip wird. Dessen klare Dualität ermöglicht die verdeutlichende Darstellung ganz bestimmter Wertvorstellungen und kommt damit zugleich dem Verlangen der Leserschaft nach Information und Sinngebung entgegen.
18. Jahrhundert - Lesefähigkeit/Buchproduktion
Die einsetzende Entwicklung und rasche Verbreitung der Trivialliteratur wird durch den enormen Anstieg der Lesefähigkeit in der Bevölkerung und das damit verbundene Vergnügen am Lesen befördert, dem die technischen Fortschritte in der Druck- und Buchproduktion im 18.Jh. entsprechen.
18. Jahrhundert - Empfindsam-sentimentale Frauen- und Liebesroman
Das Lesen wird zur unterhaltsamen Freizeitbeschäftigung, die Erholung vom oft harten Arbeitsalltag verspricht.
Die Tatsache, dass Frauen über mehr häusliche Freizeit verfügen als Männer, erklärt, dass sie die Mehrheit des Lesepublikums stellen. Ihre Lesebedürfnisse werden von empfindsam-sentimentalen Frauen- und Liebesromanen erfüllt, welche oft von englischsprachigen Vorbildern inspiriert sind.
Ab 18. Jahrhundert - Trivialliterarische Genres
Das populäre, trivialliterarische Genre des Schauerromans entsteht im 18.Jh. als Reaktion auf den Rationalismus und ist von der englischen Gothic novel und ihrem Begründer Horace Walpole inspiriert. Bedeutendster deutschsprachiger Vertreter dieses Genres ist Christian Heinrich Spieß.
Im 18. bildet sich auch die Heimatliteratur heraus, sowie die Räuberromane, die nicht zuletzt durch ihre vorgeblichen Freiheitsideale und ihren aktionistischen Protest gegen die bestehende Gesellschaftsordnung beträchtliche Popularität gewinnen.
Auch die Indianer- und Wildwestliteratur findet – inspiriert durch Romane des Amerikaners James Fenimore Cooper – eine breite Leserschaft, da sie das Auswanderungsland Amerika als besondere Thematik der Abenteuer- und Reiseliteratur in diesen Romanen entdeckt. Als wohl wichtigster Vertreter ist hierbei, neben Friedrich Gerstäcker oder Charles Sealsfield, Karl May mit seine Winnetou-Romane zu nennen.
Ebenso im 18.Jh. entsteht der historische Roman, der seit dem 19.Jh., geprägt vor allem durch Walter Scott und Alexandre Dumas, sich anhaltender Beliebtheit und breiter Leserschichten erfreut.
Ab 18. Jahrhundert - Liebes- und Familienroman
Die Entstehung des Liebes- und Familienromans hängt unmittelbar mit der Situation des Bürgertums unter der spätfeudalen Herrschaft zusammen. Dieser Bürger sind zunehmend darauf angewiesen, wirtschaftlich und politisch an Einfluss zu gewinnen, um neben dem herrschenden Adel bestehen zu können.
Vor allem in Bezug auf die Herausbildung und Durchführung neuer bürgerlicher Moral- und Wertvorstellungen und Lebensführung besitzt die Frage nach der korrekten Verhaltensweise in Haus und Familie große Bedeutung.
Wird diese Problematik bereits in den „Moralischen Wochenschriften“ thematisiert, nutzen ab dem 18.Jh. die Aufklärer das neue Medium „Roman“, um der Frage nach den Möglichkeiten häuslichen Glückes nachzugehen und Geschichten mit der Beschreibung von Privatschicksalen zu nähren.
Daraus entsteht der moraldidaktische, anrührende Familienroman.
Ab 1750 - Leihbibliothek und Kolportageliteratur
Die seit der zweiten Hälfte des 18.Jhs. entstehenden kommerziellen Leihbibliotheken sind als Verbreitungsform der Trivialliteratur ebenso wichtig wie die Kolportageliteratur.
1771 - Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim
Als eine der ersten bedeutenden Autorinnen der Neuzeit tritt Sophie von La Roche mit ihrem Roman Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim (1771) hervor. Er führt als erstes gelungenes deutsches Beispiel die von Samuel Richardson begründete Gattung des empfindsamen Briefromans in Deutschland ein. Goethe schwärmt für diesen Roman und liefert 1774 mit den Leiden des jungen Werthers sein eigenes Werk in diesem Genre.
Jedoch etabliert sich in der Klassik zunehmend auch eine Unterscheidung von Höhenkamm- und Trivialliteratur, bei der die Frauen ganz klar auf der Verliererseite stehen. Für die Autorinnen der Romantik ist es deshalb typisch, dass sie bis in die 1790er oft nur als ‚Frau von‘ und oft genug nur unter ihrem Vornamen bekannt werden: Cornelia Schlosser, Caroline Flachsland, Minna Körner, Charlotte von Kalb.
1780 bis 1830 - Erste Welle trivialer Familien- und Liebesliteratur
Im Prosabereich spielen besonders vier Autoren eine entscheidende Rolle: August Lafontaine (Die Gewalt der Liebe, Familiengeschichten, Die Stiefgeschwister), Friedrich August Schulze (Heiratshistorien, Drei Küsse und eine lange Nacht, Familienglück), Gustav Schilling (Die Brautschau, Häusliche Bilder) sowie Heinrich Clauren (Leidenschaft und Liebe, Das Dijon-Röschen, Vielliebchen).
1787/1790 - Iffland und Kotzebue
Als frühe dramatische Werke trivialer Familien- und Liebesliteratur sind die Rührstücke August Wilhelm Ifflands (Verbrechen aus Ehrsucht (1787), Die Mündel) oder August von Kotzebues (Menschenhass und Reue (1790) sowie Die edle Lüge) zu nennen.
Diese Werke spiegeln die bis heute kennzeichnenden Merkmale der Familien- und Liebesliteratur wider: Beschränkung auf das private Einzelschicksal und Vermittlung von Emotionalität.
1791 - Das Petermännchen
Im 18.Jh. entsteht das noch heute populäre, trivialliterarische Genre des Schauerromans, der, als Reaktion auf den Rationalismus, von der englischen Gothic novel und ihres Begründers Horace Walpole inspiriert ist.
Bedeutendster deutschsprachiger Vertreter dieses Genres ist Christian Heinrich Spieß. Sein Das Petermännchen (1791) wird zum berühmtesten und meistgelesenen phantastischen Roman der Goethezeit.
1799 - Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptmann
Im 18. und 19.Jh. bilden sich die Räuberromane heraus, die durch ihre vorgeblichen Freiheitsideale und ihren aktionistischen Protest gegen die bestehende Gesellschaftsordnung beträchtliche Popularität gewinnen können.
Zu den bekanntesten Werken zählen Heinrich Zschokkes Geheimbundroman Abällino der große Bandit (1793) als Vorläufer der Schauerromantik und Christian August Vulpius’ sechsbändiger Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptmann (Teilbände 1799–1801), der als populärstes deutschsprachigen Werk der Gattung bis ins 20.Jh. immer wieder neu aufgelegt, bearbeitet und mehrfach verfilmt wird, schließlich Carl Gottlob Cramers in Serienproduktion verfasste Kolportageromane wie Der Dom-Schütz und seine Gesellen (1803).
19. Jahrhundert - Zeitungsroman
Die Fortschritte in der Drucktechnik des Zeitungswesens tragen dazu bei, dass sich gedruckte Prosaliteratur zum leicht erhältlichen Massenmedium entwickelt, wobei Eugène Sue mit Les mystères de Paris zum Begründer des Fortsetzungsromans in Zeitungen wird.
1807 - Die teutschen Volksbücher
Der Begriff Trivialliteratur wird 1807 von Joseph Görres in seiner Publikation Die teutschen Volksbücher geprägt, in der er vierzig von ihnen nacherzählt.
Während der Begriff in dieser Bedeutung nichts Abwertendes hat, liegt das Unbehagen an dem später von dem Begriff abgedeckten Phänomen jedoch bereits vor.
1808 - Margarete, genannt Gretchen, ein junges Mädchen
Frauenfiguren werden tendenziell überzeichnet kategorisch als entweder gut oder böse, als gehorsam oder ungehorsam dargestellt.
So wird z.B. in Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung von 1592 eine eigensinnige Frau durch männlichen Einfluss gebrochen und gehorsam gemacht und bei Goethes Faust von 1808 ein „reines“, frommes Mädchen durch männliches Einwirken „unrein“ und zu einer Kindsmörderin.
1815 - Mimil
Heinrich Clauren erregt mit dem Erfolg seiner "trivialen" Mimili den Unwillen des hochliterarisch orientierten Wilhelm Hauff so sehr, dass dieser ihn zum Ziel satirischer und polemischer Angriffe macht.
1823 - Trudchen
Als wichtige Vertreterin neben Iffland und Kotzebue gilt Charlotte Birch-Pfeiffer, die zwischen 1830 und 1860 den Ruf der „Beherrscherin der deutschen Bühne“ genießt.
Sie verfasst allein mehr als 20 Familiendramen, wie z. B. Trudchen, Eine Familie, Das Forsthaus oder Rose und Röschen.
1842 - Schwarzwälder Dorfgeschichten
Die Tradition des Heimatromans beginnt mit Berthold Auerbachs Schwarzwälder Dorfgeschichten (seit 1842).
Auerbach gilt als Begründer des Genres der „Dorfgeschichte“, die im engen Sinne eine erzählerische Kleinform ist und in den deutschsprachigen Feuilletons schnell große Verbreitung findet.
Anders als etwa der Abenteuerroman oder auch der historische Roman, deren Handlungsrahmen kaum weit genug vom Leser entfernt liegen können, bleibt der Heimatroman in der Nähe, teilt mit der Idylle die sentimentale Verklärung archaischen Landlebens, bedient die Sehnsüchte, die moderne Leser nach der Naturnähe des ländlichen Lebens haben, und bietet ihnen eine geografisch lokalisierbare Landschaft als Modell einer kleinen überschaubaren Welt mit festen, durch Brauchtum und Sitte vorgegebenen Normen.
Insbesondere seit der zweiten Hälfte des 20.Jhs. wird die große Mehrzahl der Heimatromane der Trivialliteratur zugerechnet.
1844 - Die drei Musketiere
Der historische Roman, der seit dem 19.Jh., geprägt vor allem durch Walter Scott und Alexandre Dumas, erfreut sich anhaltender Beliebtheit und breiter Leserschichten.
Den größten Erfolg hat Alexandre Dumas der Ältere mit seinen Abenteuer- und Historienromanen, darunter die Die drei Musketiere (1844) und Der Graf von Monte Christo (1844–1845).
Ab 1850 - Heftromane
Ab Mitte des 19.Jh. erscheinen Heftromane in Form meist wöchentlich erscheinender Druckerzeugnisse auf dem Buch- und Zeitschriftenmarkt in den meisten Ländern Europas und in Nordamerika.
Der Heftroman gehört zur Trivialliteratur, einem Genre der Stereotype und einfachen sprachlichen Mittel, was mitunter zur Abstempelung des gesamten Genres als „Schundliteratur“ führt.
Die Verlage müssen aus geschäftspolitischen Gründen auf bewährte Konzepte setzen. Formen und Inhalte werden gezielt reproduziert und wenig variiert. Aufgrund des niedrigen Preises und der hohen Auflage spielt Originalität meist eine untergeordnete Rolle.
Damit bei Bedarf Autoren ausgetauscht werden können, wird der Handlungsrahmen häufig in Form eines Serienexposés vorgegeben, in dem wiederkehrende Charaktere, Vorgeschichten und dramaturgische Schablonen festgelegt sind.
Heftromane erscheinen als Serien und als Reihen. Gewöhnlich steht im Mittelpunkt einer Serie ein Held, der immer wieder neue Abenteuer zu bestehen hat.
Ab 1850 - Weibliches Brotschriftstellertum
Im bürgerlichen Realismus etabliert sich ein vorher nie dagewesenes weibliches Brotschriftstellertum. Frauen entdecken die Schriftstellerei als Erwerbsquelle.
Ein hoher Prozentsatz der enormen Roman- und Novellenproduktion in der zweiten Hälfte des 19.Jhs., vor allem für „Familienblätter“ wie Die Gartenlaube oder Westermanns Monatshefte, verdankt sich weiblicher Feder.
Zur Auflagensteigerung der „Gartenlaube“ trägt besonders die Marlitt bei. Weitere Bestseller-Autorinnen dieser Epoche sind Nataly von Eschstruth, Marie Nathusius, Louise von François und Hedwig Courths-Mahler.
1853 - Die Gartenlaube
Die Gartenlaube – Illustriertes Familienblatt erscheint ab 1853 in Leipzig im Verlag Ernst Keil mit einer Startauflage von 5000 Exemplaren.
Sie ist das erste große erfolgreiche deutsche Massenblatt und ein Vorläufer moderner Illustrierten. Da die Zeitschrift als gemeinsame Familienlektüre dient und auch in zahlreichen Leihbibliotheken und Cafés ausliegt, ist die Reichweite auf ein Vielfaches zu schätzen.
Ab 1860er - Zweite Welle trivialer Familien- und Liebesliteratur
Nach der Produktion der Werke zwischen 1780 und 1830 setzt eine neue Welle trivialer Familien- und Liebesliteratur erst wieder in den 1860er ein.
Ab dieser Zeit beginnt eine Vielzahl von Frauen das Schreiben. Viele von ihnen prägen das Bild des Familienblatts Die Gartenlaube, wie beispielsweise E. Marlitt, deren Werke – z. B. Goldelse, Das Geheimnis der alten Mamsell oder Die Frau mit den Karfunkelsteinen – Bestseller sind und weitaus mehr Leser finden als berühmtere Zeitgenossen wie etwa Theodor Fontane.
Da die Liebesgeschichte die Handlung bei Marlitt lediglich zusammenhält, während ganz andere Ereignisse im Vordergrund stehen, ist die Einstufung ihres Werks als Liebesromanliteratur gelegentlich auch bestritten worden.
Weiterhin sind im Bereich des trivialen Liebesromans Wilhelmine Heimburg, Elisabeth Bürstenbinder oder Anny Wothe zu erwähnen.
1865 bis 1885 - E. Marlitt
Friederike Eugenie John ist eine deutsche Schriftstellerin, deren Werke zunächst nur in Form von Fortsetzungsprosa in der Familienwochenschrift Die Gartenlaube erscheint.
Gelesen werden Marlitts Romane in allen Bevölkerungsschichten bis hin zum Großbürgertum und Adel. Die Mehrheit von Marlitts Lesern ist jedoch weiblich.
Marlitts spektakulärer Erfolg zieht viele schreibende Frauen in den Sog des Genres Frauenroman.
Zentraler Protagonist ist in Marlitts Romanen immer eine Frau, und zwar eine oft hübsche, junge Vollwaise zwischen 17 und 21 Jahren.
Charakteristisch für die Marlittschen Heldinnen ist, dass sie eigenständig denken und mit einem starken Bedürfnis nach Selbstständigkeit und Freiheit ausgestattet sind.
Ihre Sozialisation erfolgt meist außerhalb institutionalisierter Formen und unter außergewöhnlichen Umständen, mit der Folge, dass hier freie und durchsetzungsfähige Persönlichkeiten entstehen, die ohne weiteres allein mit dem Leben zurechtkommen würden. Von der realen Mädchenerziehung der Zeit, in deren Mittelpunkt das Stillsitzen mit der oftmals verhassten textilen Handarbeit steht, weichen diese Porträts extrem stark ab.
Ein weiteres Merkmal der Marlittschen Trotzköpfe ist ihr Drang nach Bildung. Fast alle Marlittschen Heldinnen sind musisch begabt und gebildet.
Kennzeichnend für Marlitts Protagonistinnen ist weiterhin ihr starkes bürgerliches Arbeitsethos; rastlose Tätigkeit empfinden sie nicht als unangenehme Notwendigkeit oder sogar Zwang, sondern als etwas, das dem Leben einen Sinn verleiht.
Die männlichen Liebespartner sind als Charaktere nicht nur flach, sondern zeigen über den Handlungsverlauf meist auch nur wenig Entwicklung, werden nur von außen und ohne Einblick in ihre Gefühlswelt dargestellt. Sie vertreten mehrheitlich denselben Typus: eher unansehnlich, manchmal geradezu hässlich, mindestens zehn Jahre älter als die Protagonistin, erfahren und im Beruf fest etabliert.
Der Protagonistin und anderen positiven Figuren werden in vielen von Marlitts Werken durch Spiegelverkehrung negative Figuren gegenübergestellt. Die Antihelden sind beschränkt, bigott, eitel, verzogen, lieblos und haben keinen Sinn für Kunst und Musik.
Marlitts Romane bergen regelmäßig ein zumeist aus der Vergangenheit herstammendes Geheimnis, das das Leben der Protagonistin stark beeinflusst. Oft geht es dabei um eine alte Familienschuld, in anderen Fällen um das Verschwinden, die wahre Identität oder die Schuld einer individuellen Person. In der Regel ist es die Protagonistin selbst, die das Geheimnis lüftet, wobei die Lösung stets auf dem einfachsten Wege erfolgt, oft durch die zufällige Entdeckung entlarvender Briefe oder anderer Dokumente.
Die Aufmerksamkeit von Marlitts Protagonistinnen konzentriert sich weitgehend auf die Auseinandersetzung mit ihren Gegenspielern, auf ihre Samariterdienste und auf das Rätsel, das die Romanhandlung ihnen aufgibt. Zwar unterziehen sie die männliche Hauptfigur einerseits von Anfang an, etwa durch beständige Scharfzüngigkeit, einer kritischen Prüfung, ob er ihre geistige Unabhängigkeit wird aushalten können, andererseits jedoch nehmen sie ihn meist erst dann und auch nur beiläufig als möglichen Liebespartner bewusst zur Kenntnis, wenn er sich einer anderen Frau zuzuwenden scheint.
1876 - Der Schandfleck
Im deutschsprachigen Raum ist mit seinen Porträts starker Frauen, die sich gegen alle äußeren Widrigkeiten einen guten Platz im Leben erkämpfen, etwa der Österreicher Ludwig Anzengruber (Der Schandfleck, 1876; Der Sternsteinhof, 1884) hervorgetreten.
Zur selben Zeit behandelt Theodor Fontane in seinen Romanen und Novellen immer wieder das Thema der bürgerlichen Frau, die an den antiquierten Verhaltensnormen ihrer Zeit scheitert, z.B. Grete Minde, 1879; Cécile, 1886; Frau Jenny Treibel, 1892; Effi Briest, 1894/1895; Mathilde Möhring.
1878 - Winnetou
Auch die Indianer- und Wildwestliteratur findet ab dem 19.Jh., inspiriert durch Romane des Amerikaners James Fenimore Cooper (z.B. Der letzte Mohikaner, 1826), eine breite Leserschaft, da sie das Auswanderungsland Amerika als besondere Thematik der Abenteuer- und Reiseliteratur in diesen Romanen entdecken können.
Als wohl wichtigster Vertreter ist, neben Friedrich Gerstäcker oder Charles Sealsfield, Karl May zu nennen, der u.a. durch seine Winnetou-Romane bis heute anhaltenden Ruhm sich erschreibt.
1899 - Das Schweigen im Walde
Das Schweigen im Walde, ein Roman von Ludwig Ganghofer von 1899, spielt in den Tiroler Bergen und erzählt von Liebe und Eifersucht.
Kurios ist die humorvoll-spöttische Schilderung des „Schundromans“ Das Geheimnis von Woodcastle, besonders da Ganghofer schon zu Lebzeiten dem Vorwurf der Trivialität seiner Geschichten ausgesetzt ist.
Seine Heimatromane haben Ganghofer schon zu Lebzeiten den Ruf des „Heile-Welt“-Schreibers eingebracht. Nicht selten werden seine Werke, die meist vom Leben einfacher, tüchtiger, ehrlicher Leute handeln, als Kitsch bezeichnet.
20. Jahrhundert - Patriotisches Gedankengut
Im 20.Jh. wird der historisch-zeitgeschichtliche Roman des 19.Jhs. fortgeschrieben, aber auch zum Vermittler patriotischen Gedankenguts umfunktioniert.
Kriegsgeschehen, das heldenhafte Töten und Sterben für das Vaterland, sowie die propagandistische Verunglimpfung des Gegners werden zum kriegsverherrlichenden thematischen Zentrum der Erzählhandlungen.
20. Jahrhundert - Comics
Die Comics erlangen nun im 20.Jh. durch ihre enorme Vielfalt ihren bis heute anhaltenden Erfolg in allen Gesellschaftsschichten. Hervorgegangen sind sie aus den am Ende des 19.Jhs. in amerikanischen Zeitungen veröffentlichten Comic-Strips.
Ab 1900 - Liebesheftromane
Nach und nach tauchen Familien- und Liebesromane auch in den seit Beginn des 20.Jhs. populär gewordenen Romanheftserien auf.
Zwar sind sie bis zum Ende des Ersten Weltkriegs nur schwach – zum Beispiel durch die Reihen Intime Geschichten oder Was man nicht laut erzählt – vertreten, jedoch können sie sich im Laufe der Zeit mit den Kleinen Meister-Romanen oder der Serie Frauen von heute ebenfalls weiter etablieren.
Diese Romanzen folgen der immer gleichen Dramaturgie und lassen Roman für Roman zwei andere potenzielle Liebende aufeinandertreffen. Diese geraten in einen Konflikt, die Liebe scheint unwiederbringlich zerstört; der Konflikt wird jedoch gelöst, weil einer der beiden oder beide für die Liebe kämpfen, und am Ende verspricht man einander ewige Treue.
1905 bis 1914 - Blütezeit des Heftromans
Die Jahre zwischen 1905 und 1914 sind die Blütezeit des deutschen Heftromans. Weder vor dieser Zeit noch danach hat es so viele Heftromanreihen und vergleichbar hohe Auflagen gegeben. In dieser Zeit können sich die Heftromane mit ihren Serienhelden endgültig durchsetzen. Dabei dominieren drei Verlage: der Verlag für Volksliteratur und Kunst (Berlin), der Dresdner Roman Verlag und der Verlag für moderne Lektüre (Berlin).
1905 - Ein Frühlingstraum
Neben Courths-Mahler sind nur zwei weitere Schriftstellerinnen auf diesem literarischen Gebiet von Bedeutung: Helene Butenschön, die unter dem Pseudonym „Fr. Lehne“ auftritt, und Anny von Panhuys.
Butenschöns vielgelesenen, der Trivialliteratur zuzurechnenden Werke werden teilweise bis in die 1950er, ihr Debüt Ein Frühlingstraum sogar bis in die 1980er hinein neu aufgelegt.
1912 - Die wilde Ursula
Mit Beginn des 20.Jhs. setzt der Erfolg Hedwig Courths-Mahlers ein, deren Romane innerhalb eines halben Jahrhunderts in einer Gesamtauflage von rund 30 Millionen Exemplaren gedruckt werden.
Zu ihren erfolgreichsten Werken zählen unter anderem Des anderen Ehre, Meine Käthe, Eine ungeliebte Frau, Die schöne Unbekannte oder Verschmäht.
Hedwig Courths-Mahlers Werke folgen allgemein dem gleichen Muster: Sozial Benachteiligte überwinden Standesunterschiede durch die Liebe. Die Liebenden kämpfen gegen allerlei Intrigen und finden schließlich zueinander, erlangen Reichtum und Ansehen. Trotz der Kritik an den Klischees in ihrem Werk und der aus heutiger Sicht konservativen Ansichten der Autorin über das männlich-weibliche Rollenverhalten finden ihre Bücher bis heute eine breite, vor allem weibliche, Leserschaft.
1920er - Minderwertige Massenware
Mit dem Begriff Trivialliteratur wird seit den 1920er der Bereich der populären, häufig als minderwertig angesehenen Massenliteratur bezeichnet.
In einer groben Aufteilung von Literatur in die drei Felder Dichtung bzw. Hochliteratur, Unterhaltungsliteratur und Trivialliteratur wird Letztere als die mit dem geringsten literarischen Anspruch – bis hin zu Kitsch- und Schundliteratur – gewertet.
Allerdings sind die Übergänge zwischen diesen Wertungen fließend und Zuordnungen werden je nach Betrachtung der einen oder anderen Stufe erfolgen können.
1920er - „Neue Frau“
In den 1920er wird die „Neue Frau“ als Romanthema entdeckt. Bestseller-Autorinnen dieser Zeit sind z. B. Vicki Baum und Ina Seidel.
1923 - Der Trivialroman des 18.Jhs. und der romantische Roman
Seine heutige Bedeutung erhält der Begriff Trivialliteratur durch Marianne Thalmanns 1923 veröffentlichte Dissertation Der Trivialroman des 18.Jhs. und der romantische Roman.
Trivialliteratur ist demnach eine Form literarischer Unterhaltung.
1926 - Amazing Stories
Die Abenteuer- und Reiseliteratur entwickelt sich in Richtung auf Science-Fiction weiter.
Amazing Stories von Hugo Gernsback ist ein US-amerikanisches Science-Fiction-Magazin, das zum ersten Mal im April 1926 als Pulp-Magazin erscheint.
Amazing Stories wird zum Vorbild für zahlreiche weitere Periodika in dem noch jungen Genre Science-Fiction und begründet die Ära der Pulp-Magazine.
1930er - Frauenroman
In den 1930er wird das Etikett „Frauenroman“ als Verkaufsschlager entdeckt, zahlreiche Verlage bringen Romanreihen unter Titeln wie „Frauen-Romane“, „Der gepflegte Frauen-Roman“ u. ä. heraus, und der Begriff wird nahezu synonym mit „Heft- oder Groschenroman“ und „Trivialliteratur“.
1935 - Regency-Liebesroman
Als erster Regency-Liebesroman der Literaturgeschichte gilt Georgette Heyers 1935 publiziertes Werk Regency Buck, das in den USA ausschließlich in Taschenbuchausgaben publiziert wird.
Regency Romance ist ein Genre von Liebesromanen, deren Handlungen in der Epoche des britischen Regency (1811–1820) angesiedelt sind. Ihr Ton ist stets leicht und entspricht fast dem einer Sittenkomödie.
Zentrales Thema sind die Sitten und sozialen Gepflogenheiten der Zeit. Im Vordergrund stehen die Figuren, ihre Beziehungen zueinander und ihre jeweilige Position im streng hierarchischen gesellschaftlichen Gefüge. Der Schauplatz, die sehr begrenzte Sphäre der Londoner High Society, agiert oft wie eine selbstständige Handlungsfigur. Die Aktivitäten der Figuren beschränken sich weitgehend auf Dinge wie Kutschfahrten, Morning Calls (= formelle Vormittagsbesuche), Dinnerpartys und Bälle.
1937 - Die Zitadelle
Im Jahre 1937 veröffentlicht A. J. Cronin seinen Roman Die Zitadelle, der sich mit Fragen der medizinischen Ethik auseinandersetzt und ein kritisches Bild der Medizin und der Gesundheitsversorgung in Großbritannien entwirft.
Neben der im Vordergrund stehenden Gesellschaftskritik und der charakterlichen Entwicklung der Hauptperson im Sinne eines Entwicklungs- oder Bildungsromans enthält der Roman, wie für das Genre später typisch, auch eine Liebesgeschichte, die von zentraler Bedeutung ist.
Aufgrund seines Erfolges und Einflusses wird zu einem klassische Arztroman und sein Autor, der auch noch weitere Arztromane verfasst, als Begründer des Genres angesehen.
Ab 1945 - Triviale Arztromane
Nach dem Zweiten Weltkrieg etabliert sich in Deutschland der Arztroman als festes Genre innerhalb der Trivialliteratur. Dort behandelt er meist die gleichen Liebesthemen wie der Frauenroman.
Es werden regelhaft Dreiecksbeziehungen im Arzt- und Klinikmilieu behandelt, wobei als störende Dritte sowohl ein Rivale oder eine Rivalin, als auch eine Krankheit auftreten kann.
Im trivialen Arztroman kommen die nekrophilen Tendenzen zum Sieg, da der oder die Dritte am Ende des Romans als Sündenbock geopfert wird und gleichzeitig damit die Lust am Leben, symbolisiert durch diese dritte Person, aus der so gefestigten Zweierbeziehung gezogen wird.
Die den trivialen Arztroman charakterisierende Auffassung von erfüllter Beziehung, oft mit einer Krankenschwester oder anderen Mitarbeiterinnen eines Krankenhauses, stellt die Treue über die Liebe: Die Liebe wird so zur Pflicht und damit zur Fessel.
Die Protagonisten des trivialen Arztromans antworten auf den Verlust des geliebten Partners mit einer totalen Unterdrückung der eigenen Gefühle.
Die überwiegende Publikationsart dieser Arztromane ist der Heftroman, bei dem den Autoren oft enge schematische Vorgaben, sowohl auf die Handlung, als auch den Umfang bezogen, gemacht werden.
Die Leserschaft von Arztromanen in der Trivialliteratur besteht zu 95 % aus Frauen, auch älteren Frauen. Sie haben den niedrigsten Bildungsstand aller Liebesromanleserinnen, setzen sich jedoch etwas von den Berg- und Heimatroman-Leserinnen ab.
Ab 1949 - Blütezeit der Familien- und Liebesliteratur
In der Bundesrepublik machen Familien- und Liebesromane nach 1949 bald mehr als die Hälfte aller Romanheftserien aus, wobei seit 1958 ein Rückgang auf ca. 35% zu beobachten ist. Zu diesen Serien zählen unter anderem Mein Roman, Romane des Herzens, Linden-Roman, Roman am Sonnabend oder Bastei-Familien-Roman.
1960er - Pop-Art
Die Erwachsenen-Comics der 1960er werden stark von der Pop-Art beeinflusst und wenden sich mit sozialkritischem Hintergrund an eine intellektuelle Leserschaft, bis hin zur sensiblen Behandlung sehr komplexer Themen wie etwa der Shoah.
1961 - Ein Herz für mich allein
Marie Luise Fischer veröffentlicht über 100 Romane – vorwiegend Liebesromane, aber auch Kriminalromane, historische Romane und Arztromane –, die in bis zu 23 Sprachen übersetzt werden. Allein in Deutschland werden mehr als 70 Millionen ihrer Bücher verkauft.
Das übliche Handlungsschema der Autorin: Ihre Romane spielen im Milieu der gehobenen Schicht; dort wird viel geraucht und Whisky oder Cognac getrunken, und dank der einfühlsamen Protagonistin lösen sich alle Konflikte am Ende auf.
Für die Jugendzeitschrift Bravo verfasst Fischer zudem Fortsetzungsromane wie „Wildes Blut“, „Hotelsekretärin Julia“ oder „Ein Herz für mich allein“:
Die Lenkungsfunktion der seriellen Fabrikation liegt darin, dass die „typischen weiblichen Unarten“, wie beispielsweise Arroganz, Kritiksucht, Überheblichkeit und Unzufriedenheit, die genüsslich ausgebreitet werden, mit dem Ziel eines braven, anpassungsfähigen und gutartigen Mädchentypus bekämpft werden: Peu à peu entwickelt sich im Laufe der Erzählung das ungebärdete und ungestüme junge Mädchen zu einem sittsamen jungen Teenager.
1972 - Bodice Ripper
Kathleen Woodiwiss, die Autorin des ersten „Bodice Ripper“, veröffentlicht 1972 ihren Debütroman "Wohin der Sturm uns trägt", ein um 1800 in den amerikanischen Südstaaten spielendes Frauenschicksalsdrama.
Bodice-Ripper-Romane erzählen aus der Perspektive der weiblichen Hauptfigur die Geschichte einer als extrem attraktiv, aber widerspenstig und „unbezähmbar“ charakterisierten jungen Frau, die den Mann von Anfang an begehrt und liebt, und eines etwas älteren, draufgängerischen und schurkenhaften Mannes, die im Verlaufe der Handlung über Konflikte und Missverständnisse hinweg zur großen Liebe finden.
Bodice Ripper ist eine der ersten Literaturformen, die einem weiblichen Publikum Zugang zu expliziten Darstellungen sexueller Handlungen bietet. Bei einem Großteil dieser Sexszenen handelt es sich um romantisierte Vergewaltigungen.
Unter Marketinggesichtspunkten stellt die Publikation dieser Romane eine bedeutende Neuerung dar, weil der Taschenbuchausgabe nicht wie sonst branchenüblich eine gebundene Ausgabe vorausgeht, sondern das sehr billig gemachte Mass-Market Paperback sofort auf den Markt kommt.
Weil positive Darstellungen gewaltsamer Sexualität vor dem Hintergrund der Zweiten Welle der Frauenbewegung als frauenfeindlich empfunden werden, verliert dieser Romantypus in den 1980er an Bedeutung und verschwindet in den 1990er vollständig.
1973 - Dr. Norden
Ein typisches Beispiel für den trivialen Arztroman ist die seit 1973 erscheinende Arztromanserie Dr. Norden von Patricia Vandenberg, die mit mehr als 180 Millionen verkauften Exemplaren in mehreren Auflagen und über 850 einzelnen Romanen wohl die erfolgreichste deutschsprachige Heftromanserie ist.
Ab 1980er - „Freche Frauenromane“
„Freche Frauenromane“ bezeichnen ab den 1980er ein Genre der Unterhaltungsliteratur, das sich durch selbstironische, lebensnahe und oft witzige Erzählweise über das Leben moderner Frauen auszeichnet, die beruflich, privat oder beziehungstechnisch Herausforderungen meistern.
Diese Bücher brechen mit traditionellen Frauenrollen und zeigen weibliche Lebenswirklichkeiten abseits des Klischees – mit Liebeskummer, Jobproblemen, Diäten, aber auch mit Lebensfreude und Selbstbehauptung.
Sie sind das literarische Pendant zur emanzipierten Frau der späten 20.Jhs. und heutzutage noch immer beliebt, oft unter dem Begriff Chick Lit.
2013 - In stillen Nächten
Die Bezeichnung des Trivialen in der Lyrik konstruiert sich aus einer einfachen Sprachbeherrschung, der im Gedicht plakativ vorgestellten Thematik oder der Gedichtkomposition.
In der Vergangenheit als Poesiespruch oder privates Liebesgedicht, findet die triviale Lyrik im Internet weite Verbreitung und überragt nach Verkaufszahlen die Werke renommierter Dichter deutlich. Beispiele hierfür: Till Lindemann: In stillen Nächten. Gedichte 2013; Clara Louise: Von verlassenen Träumen und einem leichteren Morgen. 2018; Julia Engelmann: Eines Tages, Baby: Poetry-Slam-Texte. 2014; Lucia Lucia: Texte, die auf Liebe enden: Reality in Poetry. 2019.

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