Ein leises Zischen durchschneidet die gedämpfte Nachmittagshitze – es ist das Geräusch einer Flasche, geöffnet von geübter Hand. In der Luft liegt ein Duft, wie ihn Dorfen noch nie gekannt hat: süß, schwer, würzig, mit einem Hauch von fremden Ländern. Es ist der Moment, in dem Coca-Cola zum ersten Mal über die Theke eines Dorfener Lokals gleitet, eingeschenkt in ein dickwandiges Glas, dessen Ränder beschlagen vor Kälte.
Die Kohlensäure perlt lebendig empor, spielt mit dem Licht, das durch das Fenster fällt. Eine dunkle, fast geheimnisvolle Flüssigkeit, schwarz wie die Nacht und doch funkelnd wie ein Sternenhimmel, entfaltet ihren Zauber in den neugierigen Blicken der Umstehenden. Sie sind Arbeiter, Lehrer, Kaufleute – Männer und Frauen, die von der Müdigkeit des Alltags gezeichnet sind, von schmerzenden Gliedern, trägen Gedanken, leisen Sehnsüchten.
Man sagt, diese Cola komme aus Amerika, dort wo die Städte niemals schlafen. Dass sie ursprünglich in Apotheken verkauft wird – als Heilmittel gegen Kopfschmerzen, Trägheit, ja sogar gegen die allzu oft verschwiegenen Beschwerden der Männlichkeit. Der Sirup, so erzählt der junge Gastwirt, wird mit Sodawasser gemischt – genau wie in den feinen Soda-Bars der großen Städte. Es ist ein Getränk für die „Kopfarbeiter“, wie er sagt, für Denker, Musiker, Nachtschwärmer.
Ein erster Schluck rinnt über die Zunge – kühl, aufregend süß, mit einem Anklang von Vanille, Zimt, Zitronen- und Orangenöl. Die Phosphorsäure sticht leicht in den Gaumen, während der Zucker die Müdigkeit für einen Moment vergessen lässt. Und da ist noch etwas anderes, kaum greifbar: ein Hauch Exotik, ein dunkles Versprechen.
Nur wenige wissen: Im Ursprung liegt eine Spur Kokain in diesem Trank, wenn auch weit unter der Schwelle eines Rauschs. Doch das Wort allein genügt – Coca aus den Blättern Südamerikas, Cola aus der Kolanuss, Symbol des Aufbruchs, der Moderne, der Großstadtträume. Und der Spitzname Coke, wie ein geheimes Zeichen, das nur Eingeweihte verstehen.
In Dorfen wird geraunt, gelächelt, verwundert probiert. Manche tuscheln über die roten Fässer, in denen das Getränk einst abgefüllt wurde – und tatsächlich leuchtet das Etikett in kräftigem Rot, mit zwei schwungvollen Cs, wie eine Einladung zur neuen Zeit. Die Wirkung ist spürbar: ein kleiner Rausch der Sinne, ein Hauch von Amerika im Herzen der bayerischen Provinz.
Doch nicht alle blicken ohne Sorge. Manche fürchten die Süße, den Zucker, der sich durch die Zähne frisst wie eine stille Gefahr. Andere sprechen von Schlaflosigkeit, von Herzklopfen in der Nacht. Besonders die Frauen, so hört man später, spüren Veränderungen – die Knochen werden weicher, sagen die Ärzte, der Körper verlangt nach Ruhe. Und doch – die Cola bleibt.
Sie ist mehr als ein Getränk. Sie ist ein Zeichen. Ein Symbol für den Wandel, für das Fremde, das sich in die Heimat mischt. Und wenn an einem lauen Sommerabend in Dorfen das Glas klirrt und der süße Schaum über den Rand steigt, dann wird klar: Coca-Cola ist angekommen. Nicht als Medizin, nicht als Mode, sondern als Versprechen einer neuen Welt. Ein Versprechen, das in jeder Perle mitschwingt.
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1863 - Vin Mariani
Vin Mariani, auch unter dem deutschen Namen Mariani-Wein bekannt, ist ein 1863 von Angelo Mariani erstmals hergestelltes alkoholhaltiges Getränk aus Bordeauxwein und Extrakten des Cocastrauchs.
Das Getränk wird zum historischer Vorläufer von Coca-Cola.
1885 - Pemberton’s French Wine Coca
Der Kriegsveteran und Pharmazeut John Stith Pemberton aus Atlanta braut mit Wein, Kolanüssen, Damiana und einem Extrakt aus den Blättern der Cocapflanze einen Sirup als Mittel gegen Müdigkeit, Kopfschmerzen und Depressionen, das er Pemberton’s French Wine Coca nennt. Vorbild hierfür ist der beliebte Vin Mariani.
Sein Ziel ist es, durch das enthaltene Kokain einen Ersatz für das damals beliebte, aber mit Nebenwirkungen behaftete Morphin zu finden.
1886 - Prohibition
Nachdem am 25. November 1885 Atlanta und Fulton County beschließen die Prohibition am 1. Juli 1886 versuchsweise für zwei Jahre einzuführen, ist der Apotheker Pemberton gezwungen, den Wein aus seinem Getränk zu nehmen, und erfindet so am 8. Mai 1886 Coca-Cola. Den Namen leitet er aus den Zutaten Kokablatt und Kolanuss ab.
An Stelle des Weines setzt er 8 Milligramm Kokain zu und bietet den Sirup als Allheilmittel an.
1886 - Sirup gegen Kopfschmerzen
Mit Sodawasser gemischt wird der Sirup erstmals am 8. Mai 1886 als Getränk in Jacob’s Pharmacy in Atlanta für 5 Cent pro Glas verkauft.
Er wird damals nicht als Erfrischungsgetränk, sondern als Medizin angepriesen.
In Apotheken und den damals beliebten Soda-Bars vertrieben, gehen zu Beginn nur durchschnittlich 13 Gläser täglich über den Tresen.
1891 - Cocainintoxikationen
1891 liegen bereits mindestens 200 Berichte über Cocainintoxikationen vor und 13 Todesfälle werden bekannt. Bis 1903 enthält ein Liter Coca-Cola etwa 250 Milligramm Kokain.
1892 - The Coca-Cola Company
Kurz vor dem Tod des Erfinders erwirbt der Apothekengroßhändler Asa Griggs Candler für 2.300 US-Dollar die Rechte an Coca-Cola. 1892 gründet er The Coca-Cola Company.
1893 - Coca-Cola als Marke
1893 lässt Candler Coca-Cola als Marke schützen und vermarktet das Produkt in den USA und seit 1896 im benachbarten Ausland.
Bis 1899 - Nur in Soda-Bars
Bis 1899 Benjamin Thomas, John Lupton und Joseph Withehead anfangen Coca-Cola in Flaschen zu verkaufen, ist das Getränk nur in gemischter Form in Soda-Bars erhältlich.
1900 - Cuba Libre
Cuba Libre, „Freies Kuba“, ist ein Longdrink mit Rum, Cola und Limetten, der um 1900 in Kuba entsteht.
1902 - Nicht-alkaloide Extrakte der Kokablätter
Nachdem sich allmählich die suchterzeugende Wirkung von Kokain in den westlichen Ländern herumspricht, geht der Hersteller 1902 dazu über, nur noch nicht-alkaloide Extrakte aus den Kokablättern als Aroma zuzugeben.
Die Stepan Company besitzt eine Sondergenehmigung zur Einfuhr und Verarbeitung von Kokablättern aus Peru und Bolivien.
1904 - Höher als der Kirchturm
1904 lässt Candler den nach ihm benannten Turm als Firmensitz errichten, das erste Gebäude in Atlanta, das höher als der Kirchturm ist. In sein Fundament lässt er eine Kupferkassette mit seinem Bildnis und einer Coca-Cola-Flasche ein.
1914 - Suchtgiftbestimmungen
1914 wird in den USA der Zusatz von Cocain in Getränken und rezeptfreien Arzneimitteln verboten und für Kokain auch in den europäischen Staaten strenge Suchtgiftbestimmungen erlassen.
1923 - Eine Armeslänge von der Lust entfernt
1923 tritt Robert W. Woodruff, der Sohn von Ernest Woodruff, seinen Job als neuer Präsident der Coca-Cola Company an.
Unter seiner Führung wird die Firma das, was ein Journalist später das „sublimierte Wesen Amerikas“ nennen sollte.
Sein Ziel ist es, dass Coca-Cola nie mehr als „eine Armeslänge von der Lust“ entfernt sein dürfe, und es weltweit zu verbreiten, wofür er 1926 das Foreign Sales Department gründet.
1929 - Essener Vertriebsgesellschaft für Naturgetränke
In Deutschland wird Coca-Cola zuerst 1929 in der „Essener Vertriebsgesellschaft für Naturgetränke“ abgefüllt.
Im ersten Jahr werden 5.840 Kisten verkauft, 1939 sind 50 Fabriken mit einem Jahresabsatz von 4,5 Millionen Kisten in Betrieb.
1939 bis 1945 - Rohstoffmangel
Während des Zweiten Weltkriegs kommt die Produktion von Coca-Cola aufgrund mangelnder Rohstoffe in Deutschland zum Erliegen.
In dieser Zeit wird in Essen Fanta entwickelt, welche anfangs auf Molkebasis hergestellt wird.
Nach 1945 - Besatzerbrause
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wird Coca-Cola in Deutschland und Österreich als Besatzerbrause bezeichnet und wird anfangs so als Symbol der Besetzung benutzt.
1957 - Max Schmeling
1957 übernimmt Max Schmeling als Konzessionär eine Abfüllung in Hamburg.
1961 - Billy-Wilder-Komödie
Die Billy-Wilder-Komödie Eins, zwei, drei (1961) handelt vom Vertrieb von Coca-Cola in West-Berlin.
1967 - 100 Millionen Kisten
1967 werden in der Bundesrepublik erstmals insgesamt 100 Millionen Kisten Coca-Cola innerhalb eines Jahres verkauft.
1963 - Dosen
In Deutschland wird Coca-Cola ab 1963 auch in Dosen abgefüllt verkauft.
Die Dosen werden im Dosenwerk Braunschweig des Verpackungsherstellers Schmalbach-Lubeca (Werkskürzel S11) produziert.
1965 - Lift-Off-Tab
Coca-Cola-Dosen haben ab 1965 ein Lift-Off-Tab, die Aufreißlasche mit Ziehring.
Zuvor mussten Getränkedosen noch mit einem extra Werkzeug, dem Dolch, an zwei im Deckel gegenüberliegenden Stellen aufgestochen werden.
Die neue Öffnungsweise per Lasche schafft in einem Schritt eine einzige, radial-längliche Öffnung für beide Funktionen: Ausströmen des Getränks und Einströmen von Luft.
Da die Belüftungszone mit der Oberlippe – wie bei einer Enghalsglasflasche auch – verengt und verschlossen werden kann, ist Trinken bei dem für Gehen und Fahren typischen Schwingens der Vertikalbeschleunigung möglich.
1970er - Calimocho
Calimocho, im Deutschen verballhornt zu kahle Muschi oder kalte Muschi, ist ein alkoholisches Mischgetränk aus Spanien, das je zur Hälfte aus Rotwein und aus Cola besteht.
1970er - Goaß
Eine Goaß ist ein besonders in Bayern und Württemberg verbreitetes Biermischgetränk aus je zur Hälfte Cola und dunklem Bier sowie circa 4 cl Kirschlikör oder Cognac.
Als Variation zur normalen, „süßen“ Goaß gibt es noch die scharfe, auch herbe, die statt Kirschlikör die gleiche Menge Weinbrand, manchmal auch Whiskey enthält.
2012 - Wasserbedarf
Früher wurden rund 2,8 Liter Wasser benötigt, um einen Liter Cola zu produzieren. Inzwischen kann die benötigte Wassermenge auf rund 2,0 Liter reduziert werden.
2025 - Weltweit verbreitet
Heute ist Coca-Cola in fast jeder Region der Erde das am meisten verkaufte Cola-Getränk. Eine der wenigen Ausnahmen bildet Thüringen, wo Vita Cola Marktführer bei Colas ist.

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