Die Querelle des femmes, auch bekannt als Querelle des sexes, ist mehr als ein historischer Disput. Sie ist ein lebendiger Ausdruck eines tiefgreifenden Ringens um Anerkennung, um Würde und um die Frage: Welchen Platz nimmt die Frau in der Welt ein – geistig, gesellschaftlich, moralisch? Ursprünglich in der französischen Kultur beheimatet, greift sie weit über ihre Grenzen hinaus, schlägt Wurzeln in England, Deutschland, Italien, Spanien – und in unzähligen Herzen, die sich nach Gleichgewicht sehnen.
Der Begriff querelle, heute so vertraut und doch voller Mehrdeutigkeiten, bedeutet Auseinandersetzung, Streit, Kontroverse – und doch schwingt in ihm auch Nähe, ja Beziehung. Denn es ist nicht nur ein Streit über die Frau, sondern auch ein Streit mit ihr, manchmal für sie – und immer auch über sie hinaus. Die Frau ist hier Objekt der Kritik, Projektionsfläche des Begehrens, aber ebenso Subjekt des Widerspruchs, Stimme der Vernunft, Feder der Aufklärung.
Hinter dem Begriff verbirgt sich ein Jahrhunderte währender Diskurs, in dem sich Theologen, Philosophen, Dichter, Juristen, Künstler – und schließlich auch die Frauen selbst – über die Natur, den Wert und die Rolle des weiblichen Geschlechts äußern. In ihren radikalsten Momenten erklärt man Frauen zu Sündenträgerinnen, Verführerinnen, moralisch Schwächeren. Kirchenväter wie Tertullian, Augustinus oder Chrysostomos prägen über Jahrhunderte hinweg ein Bild, das tief in das europäische Denken einsinkt – in Predigten, Gesetze, Literatur und Alltagsvorstellungen.
Doch gerade aus dieser Enge erwächst Widerstand. Worte wie jene von Christine de Pizan, Poulain de la Barre, Mary Astell oder Olympe de Gouges sind wie Lichter in der Dunkelheit, die zeigen: Die Frau ist nicht das Andere, das Schwächere – sie ist Vernunftbegabte, Mitgestalterin, Mensch. Und mit jeder Stimme mehr verändert sich das Echo der Querelle: aus Vorwürfen werden Fragen, aus Unterstellungen Argumente, aus Angriffen Verteidigungen.
Bis zur Französischen Revolution, ja weit darüber hinaus, bleibt die Querelle des femmes ein bewegter Raum, in dem sich die europäische Kultur mit sich selbst auseinandersetzt. Ob man sie als Frühfeminismus versteht oder nicht – sie ist ein Zeugnis davon, wie tief die Geschlechterordnung die Geister beschäftigt, und wie leidenschaftlich Menschen aller Zeiten um Gerechtigkeit ringen.
Noch heute hallt dieser Streit nach – in Worten, in Bildern, in Fragen, die wir noch immer nicht endgültig beantwortet haben. Und vielleicht ist gerade das das Romantischste an ihr: dass sie nicht endet, sondern sich fortschreibt – in jedem Menschen, der fragt, was Gleichheit, Freiheit und Menschlichkeit wirklich bedeuten.
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Antike bis Neuzeit - Frauen sind minderwertig
Neben den Kirchenvätern gibt es in der Antike, im Mittelalter und bis in die frühe Neuzeit viele einflussreiche Denker, die negativ über Frauen schreiben.
Ihre Aussagen wirken wie die der Kirchenväter stark auf das Frauenbild in Europa – in Philosophie, Recht, Theologie und Literatur: Frauen gelten als minderwertig, sündhaft oder gefährlich – sei es körperlich, geistig oder moralisch.
Die Wirkung dieser Urteile reicht tief in das gesellschaftliche Denken hinein und beeinflusst noch bis ins 21. Jahrhundert das Frauenbild.
Die Querelle des femmes entsteht genau als Reaktion auf dieses lange Erbe abwertender Sichtweisen.
375 v.Chr. - Der weniger vollkommene Mann
Zwar spricht Platon Frauen in seinem Werk Politeia Bildung und politische Teilhabe zu, dennoch betrachtet er sie grundsätzlich als „weniger vollkommenen Mann“ – eine Art misslungene männliche Form.
330 bis 322 - Die Frau ist ein unvollständiger Mann
In seiner Politik und Generation der Tiere sagt Aristoteles, die Frau ist dem Mann von Natur aus unterlegen: körperlich, geistig und moralisch. Sie ist "ein unvollständiger Mann".
Die Philosophie des Aristoteles erklärt Frauen für geistig und körperlich dem Mann unterlegen – ein Leitbild für Jahrhunderte.
196 - Pforte des Teufels
Ein zentraler Bezugspunkt ist die christliche Erzählung vom Sündenfall in der Bibel (Genesis). Viele Kirchenväter, darunter auch der einflussreiche Kirchenschriftsteller Tertullian (ca. 160–220 n. Chr.), deuten Eva als diejenige, die Adam zur Sünde verführt habe. In seinem Werk De Cultu Feminarum bezeichnet Tertullian die Frau als „die Pforte des Teufels“, weil sie nach seiner Auffassung den Sündenfall eingeleitet hat. Diese Sichtweise prägt über viele Jahrhunderte das Frauenbild in der christlichen Welt.
377 - Frau als Verführerin
Ambrosius von Mailand betont die Bedeutung der Jungfräulichkeit und sieht die Frau in erster Linie als Mutter oder Jungfrau – nicht als eigenständige Persönlichkeit. Auch er hält Eva für die Verführerin, die Schuld auf sich und Adam geladen hat.
384 - Moralische Gefahr
Hieronymus ist ein bedeutender Bibelübersetzer (Vulgata) und ein radikaler Vertreter der Enthaltsamkeit. In seinen Briefen rät er Frauen zur Jungfräulichkeit und warnt vor der Ehe als einem Weg zur moralischen Gefahr. Er beschreibt Frauen oft als verführerisch und schwach, besonders im Hinblick auf die Sexualität. Frauen sind für den Mann eine moralische Gefahr.
403 - Tor zur Hölle
Johannes Chrysostomos lobt zwar gelegentlich tugendhafte Frauen, vertritt aber grundsätzlich die Ansicht, dass Frauen dem Mann untergeordnet sind. In seinen Predigten bezeichnet er die Frau als das „Tor zur Hölle“, weil sie wie Eva den Mann zur Sünde verleite. Er fordert ihre Unterordnung in Familie und Kirche.
Der Kirchenvater beschreibt Frauen als gefährlich und verführend – ihre Stimme soll in der Kirche schweigen.
413 - Frau als Ursache des Sündenfalls
Augustinus von Hippo sieht die Frau als dem Mann untergeordnet. In seinem Werk De civitate Dei (Vom Gottesstaat) schreibt er, dass die Frau zwar geistlich gleichwertig sei, aber in der irdischen Ordnung dem Mann zu dienen habe. Besonders betont er ihre Rolle im Zusammenhang mit der Erbsünde: Durch Eva kam die Sünde in die Welt, und das betrifft auch alle ihre Nachkommen - die Frau wird zur Schuldträgerin der Menschheit.
1140 - Ihr Geschlecht ist schwach und verführbar
Das einflussreiche Kirchenrechtsbuch Decretum Gratiani zitiert antike und kirchliche Aussagen und begründet die Schwäche und Verführbarkeit der Frauen, u. a. "Frauen dürfen nicht lehren oder richten, weil ihr Geschlecht schwach und verführbar ist.“
1148 - Sinnliche Gefahr
Bernhard von Clairvaux warnt vor der sinnlichen Gefahr, die von Frauen ausgeht. Die Frau ist ein Hindernis auf dem Weg zu Gott.
1250 bis 1700 - Weibliche Schwäche und Unzuverlässigkeit
Sprichwörter, Volksweisheiten und Redensarten wie „Weib, schweig!“, „Weiber sind wie der Wind“, „Weiber, Würmer und Wind sind schwer zu binden.“ oder „Ein Weib, ein Wort – und das ändert sich oft.“ prägen das Alltagsdenken über Frauen.
1265 - Fehlerhaftes männliches Wesen
Thomas von Aquin bezieht sich stark auf Aristoteles. In seiner Summa Theologiae nennt er die Frau ein „defektes männliches Wesen“ – eine Art biologische Fehlentwicklung.
14. Jahrhundert - Männlicher Diskurs
Spätestens seit dem 14.Jh. gibt es einen regen Verkehr an Schriften, in denen über die Stellung der Frauen und die Geschlechterordnung diskutiert wird.
Ausgehend von einem rein theologischen Bestreben, durch göttliche Ordnung das natürliche Chaos der Geschlechter zu überwinden, eignen sich zunächst Juristen die Thematik an, um die Rechtsungleichheit von Mann und Frau zu untermauern.
Weltliche Gelehrte nehmen den Diskurs schließlich auf und er verbreitet sich langsam im Bewusstsein aller gesellschaftlichen Schichten.
Es bleibt ein überwiegend männlicher Diskurs, auch wenn sich zunehmend gelehrte Frauen und Künstlerinnen beteiligen.
Gestritten wird über männliche und weibliche Tugenden, Laster und Fähigkeiten, um Geschlechterhierarchien und darum, ob die männliche Behandlung des weiblichen Geschlechts in der Literatur wie im Alltagsleben angemessen oder verfehlt ist.
1405 - Beginn der Querelle des femmes
Die französische Schriftstellerin Christine de Pizan ist die erste Frau, die sich in dieser Frage zu Wort meldet. Um 1404/5 schreibt sie das umfangreiche Werk "Das Buch von der Stadt der Frauen" zur Verteidigung der Frauen und als Antwort auf den Rosenroman des Klerikers Jean de Meun (1240–1305), in dem er das misogyne Frauenbild seiner Zeit zusammenfasst.
Pizans Schrift gilt als der Beginn der Querelle des femmes.
Die Wurzeln der Querelle des femmes reichen zurück bis zu den negativen Aussagen mancher Kirchenväter und des Kirchenschriftstellers Tertullian über die Rolle Evas beim Sündenfall und das Wesen der Frau im Allgemeinen.
1486 - Leichtgläubig, lüstern und wankelmütig
Im Hexenhammer von Heinrich Kramer steht: Frauen sind besonders anfällig für Zauberei und Teufelspakt, weil sie leichtgläubig, lüstern und wankelmütig sind. Dieses Werk legitimiert Hexenverfolgungen über Jahrhunderte mit pseudotheologischen Begründungen.
1486 - Nur Adam ist der Adressat von Gottes Wort
Die Querelle erhalten in der Renaissance bei der Auseinandersetzung um eine neue Definition des „Menschen“ Nahrung.
Die Renaissance-Humanisten stellen die Frage, was der Mensch sei und auf welche Weise die beiden Geschlechter „den“ Menschen verkörpern.
Im Jahr 1486 bereitet der Humanist Giovanni Pico della Mirandola seine epochale, später gedruckte, aber nie gehaltene Rede über die Würde des Menschen vor.
Aber auch für Pico ist „nur Adam […] der Adressat von Gottes Wort, demzufolge der Mensch nach seinem freien Willen seine eigene Natur bestimmen solle und die Form, in der er zu leben wünsche.“
Gleichwohl zeigt sich in der Rede die Verlagerung der Fragestellung: Mittelpunkt ist nun nicht mehr die Frage nach dem Menschen an sich und wie er ist, sondern die Frage, ob die Frau grundsätzlich dazu gehöre – zur Krone der Schöpfung, als die der Mensch angesehen wird.
In der Folge erscheinen zahlreiche „weiberfeindliche“ Schriften, zu denen auch die Disputatio nova von 1595 und ihre deutsche Übertragung Ob die Weiber Menschen seyn, oder nicht? von 1618 zu zählen sind. Sie tragen die Querelle nach Deutschland.
1520 - Gebärerin
Luther betont die Rolle der Frau als Ehefrau und Mutter – keine Gleichwertigkeit mit dem Mann: „Wenn sie stirbt, so stirbt sie beim Gebären; dafür ist sie geschaffen.
1529 - Von Adel und Vorrang des weiblichen Geschlechts
Ein weiteres Beispiel für die Querelle des femmes ist die Schrift des Universalgelehrten und Arztes Agrippa von Nettesheim (1486–1535) Von dem Vorzug und der Fürtrefflichkeit des weiblichen Geschlechts vor dem männlichen, in der er sich für die „Gleichheit der Geschlechter“ stark macht.
Ab 1558 - Antwort auf misogyne Tiraden
Im 16.Jh., seit der Zeit der Regentschaft Elisabeths I., entstehen Texte britischer Frauen, „als Antwort auf misogyne Tiraden geschrieben, zu dem Zweck, diese zu widerlegen“.
1595 - Frauen sind keine Menschen
Anfang des Jahres 1595 erscheint im Heiligen Römischen Reich eine in Latein verfasste Schrift, in der weder Verfasser noch Drucker oder Erscheinungsort genannt werden.
Ihr Titel lautet „Neue Disputation gegen Frauen, durch die bewiesen wird, dass sie keine Menschen sind“.
1595 - Verteidigung des weiblichen Geschlechts
Simon Gedik stützt sich in seiner Defensio sexus muliebris auf die anonyme Disputatio nova. These für These widerlegt er die in der Disputatio nova entwickelte Beweisführung, fragt sich allerdings in der Einleitung, ob der Anonymus im Scherz geschrieben habe.
1595 - Disputatio nova und Querelle des femmes
Die Reaktion auf die Disputatio nova erfolgt noch im selben Jahr und macht klar, dass eine Herabwürdigung der Frau und ihre Deklassierung auf eine Stufe unterhalb des Menschen weder akzeptiert wird, noch auf Verständnis auch nur feststellbarer Teile der an solchen Fragen interessierten Kreise stößt.
Gleichwohl löst die Disputatio nova immer wieder Diskussionen innerhalb der Querelle des femmes aus.
17. Jahrhundert - Weibliches Salonpublikum
In den Salons des 17.Jhs. wird der Debatte ein Ort gegeben, wo unter der Leitung von Frauen über gesellschaftliche Probleme diskutiert wird.
Dort wird auch der Cartesianismus mit feministischen Komponenten versehen und verbreitet sowie Konzepte für ein anderes Geschlechterverhältnis erstellt.
Die Prägung des Begriffs Preziosität als Lebens-, Empfindungs- und Ausdrucksweise eines vorab weiblichen Salonpublikums spielt sich im Rahmen der laufenden emanzipatorischen Diskussionen ab.
Die damit verbundene, teilweise überspitzte Kultiviertheit wird von Molière in seiner Komödie "Die lächerlichen Preziösen" dem Gelächter preisgegeben.
17. Jahrhundert - Aufkommen der Akademien
Mit dem Aufkommen der Akademien wird der weibliche Einfluss gehemmt, da Frauen nicht zugelassen sind und somit der offizielle Ausschluss von Frauen aus der Wissenschaft beginnt.
1609 - Institute zur Ausbildung für Frauen
Eine konsequente Praktikerin der Verbesserung der gesellschaftlichen Stellung der Frauen im frühen 17.Jh. ist die englische Adlige Maria Ward, die auf der Basis des versuchten Aufbaus eines Frauenordens Institute zur Ausbildung für Mädchen und junge Frauen in Mitteleuropa gründet.
Sie kann erst von der höchsten kirchlichen Instanz, den Päpsten, blockiert werden, doch setzt sich ihr Werk unter ihren Nachfolgerinnen und mit zunehmender kirchlicher und weltlicher Unterstützung kontinuierlich fort.
1618 - Ein lustig Gespräch
"Ob die Weiber Menschen seyn, oder nicht?" ist die deutsche Übertragung der 1595 in Deutschland anonym auf Latein erschienenen androzentristischen Schrift "Disputatio nova".
In ihrer 1618 veröffentlichten deutschen Fassung ist sie eine fingierte und Kontroversen provozierende Auseinandersetzung zweier Ordensmänner im Zuge der im späten Mittelalter begonnenen Querelle des femmes, die bis ins 18.Jh., zunehmend auch unter Beteiligung gelehrter Frauen und Künstlerinnen diskutiert wird.
Die deutsche Übertragung kombiniert in Dialogform die ursprüngliche Schrift mit der von Simon Gedik noch im selben Jahr publizierten Verteidigungsschrift für die Frauen (Defensio sexus muliebris).
Die deutsche Umformung nennt sich in der Überschrift „ein lustig Gespräch“.
1638 bis 1785 - Neuauflagen und Übersetzungen
Die durch die Reaktionen hervorgerufene Aufmerksamkeit für die Schrift von 1618 "Ob die Weiber Menschen seyn, oder nicht?" führt ab 1638 bis 1785 zu einer Reihe von Neuauflagen und Übersetzungen, die die Schrift selbst samt Gediks Replik zusammen abdrucken.
Als Reaktion auf die italienische Übersetzung von 1647 erscheint 1651 die Schrift der venezianischen Benediktinerin Arcangela Tarabotti „Warum Frauen von der Art des Menschen sind, Galerana Barcitottis Verteidigung der Frauen gegen Orazio Plata, den Übersetzer der Schrift, die besagt, Frauen seien keine Menschen“.
Im Jahr 1783 erscheint anonym eine ungarische Übersetzung der Disputatio, der 1785 unter dem Pseudonym Anna Carberi eine eigenständige Verteidigung folgt.
1641 bis 1705 - Weibliche Selbstbehauptung in den Salons
Madeleine de Scudéry gilt als bedeutende Autorin in der Tradition der Précieuses. In ihren Romanen und Essays plädiert sie für Tugend, Bildung und intellektuellen Austausch zwischen den Geschlechtern.
Ihre "Konversationen" sind ein zentrales Moment der weiblichen Selbstbehauptung in den Salons.
1673 - Gleichheit der Geschlechter
François Poullain de La Barre gilt als der erste, der eine philosophische Untermauerung für die Theorie der Gleichheit der Geschlechter entwickelt.
In seinem viel rezipierten Werk De l’Egalite des deux Sexes (1673) argumentiert er, dass die männliche Herrschaft nicht naturbedingt, sondern großteils anerzogen ist, und plädiert für eine Verbesserung der Frauenbildung.
Seine Schlussfolgerung lautet: „Der Verstand hat kein Geschlecht“.
1700 bis 1715 - Debatten über Bildung der Frauen
In England, Frankreich und Deutschland diskutieren Philosophen und Pädagogen, u.a. John Locke, Mary Astell, verstärkt über die Notwendigkeit der Frauenbildung.
1770er bis 1780er – Preußische Aufklärung
Im deutschsprachigen Raum erscheinen zunehmend Texte, die Frauenfragen aufgreifen, z. B. in literarischen Zeitschriften. Auch Autorinnen wie Sophie von La Roche und Elise Reimarus schreiben über weibliche Bildung und Moral.
1789 - Nachrangigkeit der Frau
Die Gegenposition, die auf einem fundamentalen Unterschied der Geschlechter (binäre Geschlechterordnung) und der Nachrangigkeit der Frau beharrt, setzt sich ab der Französischen Revolution durch, was wiederum ausgehend vom Gleichheitsversprechen der europäischen Aufklärung die Kritik daran zur Folge hat.
1791 - Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin
Olympe de Gouges, eine zentrale Figur der Französischen Revolution, veröffentlicht 1791 ihre Déclaration des droits de la femme et de la citoyenne. Dies ist eine scharfe Reaktion auf die männlich geprägte Déclaration des droits de l’homme et du citoyen.
1910 - Frauen sind keine Menschen
Max Funke erweckt 1910 mit seine Dissertation „Mulieres homines non sunt“, unter Beziehung auf den biblischen Schöpfungsbericht und auf Philosophen wie Schopenhauer den Anschein wissenschaftlich bewiesen zu haben, dass Frauen keine Menschen sind.
Die deutsche Übertragung kombiniert in Dialogform die ursprüngliche Schrift mit der von Simon Gedik noch im selben Jahr publizierten Verteidigungsschrift für die Frauen (Defensio sexus muliebris).
Die deutsche Umformung nennt sich in der Überschrift „ein lustig Gespräch“.
1638 bis 1785 - Neuauflagen und Übersetzungen
Die durch die Reaktionen hervorgerufene Aufmerksamkeit für die Schrift von 1618 "Ob die Weiber Menschen seyn, oder nicht?" führt ab 1638 bis 1785 zu einer Reihe von Neuauflagen und Übersetzungen, die die Schrift selbst samt Gediks Replik zusammen abdrucken.
Als Reaktion auf die italienische Übersetzung von 1647 erscheint 1651 die Schrift der venezianischen Benediktinerin Arcangela Tarabotti „Warum Frauen von der Art des Menschen sind, Galerana Barcitottis Verteidigung der Frauen gegen Orazio Plata, den Übersetzer der Schrift, die besagt, Frauen seien keine Menschen“.
Im Jahr 1783 erscheint anonym eine ungarische Übersetzung der Disputatio, der 1785 unter dem Pseudonym Anna Carberi eine eigenständige Verteidigung folgt.
1641 bis 1705 - Weibliche Selbstbehauptung in den Salons
Madeleine de Scudéry gilt als bedeutende Autorin in der Tradition der Précieuses. In ihren Romanen und Essays plädiert sie für Tugend, Bildung und intellektuellen Austausch zwischen den Geschlechtern.
Ihre "Konversationen" sind ein zentrales Moment der weiblichen Selbstbehauptung in den Salons.
1673 - Gleichheit der Geschlechter
François Poullain de La Barre gilt als der erste, der eine philosophische Untermauerung für die Theorie der Gleichheit der Geschlechter entwickelt.
In seinem viel rezipierten Werk De l’Egalite des deux Sexes (1673) argumentiert er, dass die männliche Herrschaft nicht naturbedingt, sondern großteils anerzogen ist, und plädiert für eine Verbesserung der Frauenbildung.
Seine Schlussfolgerung lautet: „Der Verstand hat kein Geschlecht“.
1700 bis 1715 - Debatten über Bildung der Frauen
In England, Frankreich und Deutschland diskutieren Philosophen und Pädagogen, u.a. John Locke, Mary Astell, verstärkt über die Notwendigkeit der Frauenbildung.
1770er bis 1780er – Preußische Aufklärung
Im deutschsprachigen Raum erscheinen zunehmend Texte, die Frauenfragen aufgreifen, z. B. in literarischen Zeitschriften. Auch Autorinnen wie Sophie von La Roche und Elise Reimarus schreiben über weibliche Bildung und Moral.
1789 - Nachrangigkeit der Frau
Die Gegenposition, die auf einem fundamentalen Unterschied der Geschlechter (binäre Geschlechterordnung) und der Nachrangigkeit der Frau beharrt, setzt sich ab der Französischen Revolution durch, was wiederum ausgehend vom Gleichheitsversprechen der europäischen Aufklärung die Kritik daran zur Folge hat.
1791 - Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin
Olympe de Gouges, eine zentrale Figur der Französischen Revolution, veröffentlicht 1791 ihre Déclaration des droits de la femme et de la citoyenne. Dies ist eine scharfe Reaktion auf die männlich geprägte Déclaration des droits de l’homme et du citoyen.
1910 - Frauen sind keine Menschen
Max Funke erweckt 1910 mit seine Dissertation „Mulieres homines non sunt“, unter Beziehung auf den biblischen Schöpfungsbericht und auf Philosophen wie Schopenhauer den Anschein wissenschaftlich bewiesen zu haben, dass Frauen keine Menschen sind.

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