Donnerstag, 24. April 2025

Ob die Weiber Menschen seyn, oder nicht?

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Ein erschreckender Hauch von Tinte und Provokation liegt über dem Jahr 1618, als in der stillen Tiefe des bayerischen Dorfen eine kleine, doch aufwühlende Schrift das Licht der Welt erblickt. Ihr Titel klingt wie ein Scherz, ein Spott oder gar ein grausames Spiel: Ob die Weiber Menschen seyn, oder nicht? Und doch verbirgt sich hinter diesen Worten mehr als bloßer Spott – es ist ein Echo aus Jahrhunderten, ein feines, brennendes Flüstern der alten Querelle des femmes, jenes Gelehrtenstreits, der das Abendland seit dem späten Mittelalter durchzieht und die Grundfesten des Menschseins selbst infrage stellt.

Was einst 1595 in deutscher Feder und lateinischer Sprache anonym erschienen ist – als Disputatio nova contra mulieres, qua probatur eas Homines non esse – kehrt nun zurück, verwandelt, übersetzt und doch nicht beruhigt. Die deutsche Fassung von 1618, veröffentlicht in Dialogform, kleidet sich in das Gewand eines „lustigen Gesprächs“. Zwei Ordensmänner treten darin auf, mit List und Logik, mit Ironie und Argument, um sich im Wortgefecht zu messen – über das Menschsein der Frau.

Diese Version ist mehr als eine bloße Übersetzung. Sie ist ein Kunstwerk der Kontroverse, ein Spiegelsaal aus Wahrheit und Täuschung. Die ursprüngliche Streitschrift verschmilzt mit der im selben Jahr erschienenen Verteidigungsschrift des Theologen Simon Gedik, der mit glühender Akribie für die Ehre und die Menschlichkeit der Frauen eintritt. Und doch – selbst er, der Verteidiger, bleibt am Ende unsicher: War all dies ernst gemeint? Oder bloß ein schelmisches Spiel mit der Feder, ein gelehrter Scherz?

Inmitten dieser literarischen Maskerade erscheint der Name Valens Acidalius – nicht als gesicherter Autor, doch als Schatten, dem man die Urheberschaft der deutschen Fassung zuschreibt. Acidalius jedoch weicht zurück, entzieht sich, als ahne er, wie tief die Worte schneiden könnten, wenn sie wörtlich genommen werden.

So öffnet sich das Buch wie eine Tür in eine andere Zeit. Es lädt uns ein, Zeugen zu werden – nicht nur eines Gesprächs, sondern eines Ringens um Anerkennung, um Wahrheit und Würde. Und obwohl das Lachen des „lustigen Gesprächs“ leise im Hintergrund erklingt, bleibt ein Nachklang, der nicht verstummt: die Frage nach dem wahren Wert des Menschen – und wer das Recht hat, sie zu beantworten.

Provokante Polemik gegen das Menschsein der Frauen
Im Jahr 1595, im ehrwürdigen Heiligen Römischen Reich, erscheint eine Schrift, deren Absender und Herkunft im Dunkeln bleiben – ein geheimnisvolles, beinahe rätselhaftes Auftreten. Der Titel jedoch spricht eine deutliche Sprache, die sich wie ein eisiger Wind durch die Gelehrtenwelt zieht: Disputatio nova contra mulieres, qua probatur eas Homines non esse – „Neue Disputation gegen Frauen, durch die bewiesen wird, dass sie keine Menschen sind“. Diese Worte, in lateinischer Zunge verfasst, schaffen sofort Aufsehen und entfachen eine Flut von Reaktionen. Denn was sich in diesen Zeilen verbirgt, ist eine Abstrusität, die ebenso provoziert wie schockiert.

Der Verfasser bleibt im Schatten, sein Name ein Geheimnis, ebenso wie der Drucker und der Erscheinungsort der Schrift. Doch was er in dieser Schrift darlegt, ist eine angreifende Polemik, die weit über bloße Theorie hinausgeht. In einer Zeit, in der die Frauen noch häufig als schwächer und weniger wert angesehen wurden, stellt die Disputatio nova die radikale These auf, dass Frauen keine Menschen seien. Diese These, mit der er die Philosophie der Antitrinitarier – insbesondere der Sozinianer aus Polen – anprangert, entfaltet sich als ein zynischer, ironischer Angriff auf das Menschsein und die religiöse Erlösung der Frau.

Die Schrift beginnt mit einer fesselnden Eröffnung, die sich an das Thema der polnischen Wiedertäuferbewegung anlehnt. Der Verfasser verweist auf die Samaritien, jenes fiktionale Land, in dem es, wie in der Schrift zu lesen ist, „freigestellt“ sei, zu glauben, dass Jesus Christus nicht Gott war. Mit diesem Gedanken weitet er seine Argumentation aus und erklärt, dass es auch ihm erlaubt sei zu glauben, dass Frauen keine Menschen seien. Es sei der Natur der Frauen entsprungen, dass sie von der Erlösung ausgeschlossen sind, so wie Christus nicht für sie gelitten habe.

Doch dieser absurde Gedankengang trägt in sich mehr als nur einen rein theologischen Angriff – er ist eine kunstvoll gestaltete Antwort auf eine andere, ebenso absurde Theologie, die die Sozinianer vertraten. Der Verfasser, der die polnische Glaubensgruppe scharf kritisiert, weckt die Frage, ob er nicht auch in seiner Schrift, wie sie sich entfaltet, die Frauen nur als ein weiteres Opfer der falschen Lehren und Glaubensvorstellungen erscheinen lässt.

In seiner Argumentation stützt er sich nicht nur auf biblische Texte, sondern auch auf die Philosophie Platons und die Biologie, um die Frau als minderwertig zu entlarven. Der Begriff homo, der eigentlich den gesamten Mensch bezeichnet, wird in seiner Erklärung zu einem rein männlichen Begriff. Aus dieser Perspektive erscheinen Frauen als unvollkommene Wesen, die vom geistigen und körperlichen Wesenskern der Menschheit ausgeschlossen sind.

Es ist ein Werk, das durch seine scharfsinnige Polemik und seinen eisig-logischen Aufbau eine tiefe Verunsicherung auslöst. Doch die Reaktionen auf die Schrift sind ebenso stürmisch wie ihr Inhalt. Zahlreiche Verteidigungen der Frauen und vehemente Widerlegungen folgen bald darauf, so dass die Disputatio nova im Jahr 1595 nicht nur als Text, sondern als ein auslösender Funke für einen der bedeutendsten geistigen Streitigkeiten ihrer Zeit wahrgenommen wird.

Auch der Hofprediger Simon Gedik antwortet mit einer umfassenden Widerlegung, die ebenso leidenschaftlich wie präzise die in der Schrift entwickelten Thesen angreift. Doch eine Frage bleibt in Gediks Einleitung unbeantwortet: War der Anonymus, der die Disputatio nova verfasst hat, wirklich ernst, oder war es ein gelehrter Scherz, ein Spiel mit den Worten und der Menschlichkeit?

Inmitten dieser Kontroversen wird die Disputatio nova zu einem Spiegel der Zeit, in dem sich die Ängste, Vorurteile und theologischen Auseinandersetzungen der Epoche offenbaren. Der Verfasser – ob als Gegner der Sozinianer oder als entschlossener Denker, der die Stellung der Frau in Frage stellt – wirft Fragen auf, die weit über das unmittelbare Ziel hinausgehen: Welche Rolle spielen Frauen in der Gesellschaft, in der Kirche, im Menschsein? Und kann es wirklich sein, dass diese Fragen nur mit Spott und Polemik beantwortet werden können?

So bleibt die Disputatio nova ein bedeutendes, wenn auch schmerzhaftes Denkmal für die philosophischen und religiösen Konflikte des späten 16. Jahrhunderts, das noch lange nach ihrem Erscheinen die Gedanken und Herzen derer bewegt, die sich mit den fundamentalen Fragen des Menschseins auseinandersetzen.

Ein geheimnisvoller Schatten im Hintergrund
Sobald die Schrift „Ob die Weiber Menschen seyn, oder nicht?“ die Öffentlichkeit erreicht, beginnt die fieberhafte Suche nach ihrem geheimen Verfasser. In einer Zeit, in der Werke von solcher Brisanz und Schärfe nicht einfach unkommentiert bleiben können, entbrennt ein Streit, dessen Ausgang mehr Fragen als Antworten hinterlässt. Der Leipziger Rat, besorgt um den öffentlichen Aufruhr, wendet sich an Heinrich Osthausen, einen bekannten Verleger aus Leipzig und Frankfurt, der das Werk herausgebracht hat. In einer Zeit, in der der Autor einer Schrift für seine Worte verantwortlich gemacht wird, hat man großes Interesse an der Herkunft der provokativen Zeilen.

Osthausen, von den erhobenen Vorwürfen selbst ergriffen, gibt schließlich zu, das Werk verlegt zu haben, und benennt Valens Acidalius als den angeblichen Verfasser. Doch Acidalius, nun in der Rolle des Ziels öffentlicher Angriffe, kann die Wahrheit nicht länger schweigend hinnehmen. In einem Brief an Jakob Monau offenbart er seine Sicht der Dinge. Er berichtet, dass er eine Abschrift der Schrift, die ursprünglich aus Polen stammt und bereits seit Jahren in bestimmten Kreisen kursiert, schon seit geraumer Zeit in seinem Besitz hat. Als Osthausen ihn daraufhin drängt, ein weiteres Werk – das zuvor bereits unter Acidalius’ Namen veröffentlicht worden ist – zu drucken, bietet er ihm diese kleine Schrift zur freien Verfügung an. Dabei betont er klar, dass er nicht der Urheber der Worte sei.

Doch trotz dieser Klärung bleibt der Name Acidalius fest mit der Schrift verknüpft, auch wenn er sich gegen diese Zuschreibung wehrt. Fortan kursiert das Werk weitgehend unter seinem Namen, jedoch stets mit einem gewissen Vorbehalt, als eine Frage der Verantwortung, die nicht wirklich geklärt werden kann. So bleibt die Frage nach dem wahren Verfasser der Schrift ein rätselhaftes Kapitel in der Geschichte dieser provokanten Schrift, ein Schatten, der selbst im Glanz des literarischen Ruhms nie ganz vertrieben werden kann.

Ein erschreckender Blick auf die gesellschaftliche Haltung gegenüber Frauen
Im Jahr 1618 erscheint eine Schrift, die die Gemüter in Aufruhr versetzt und das geistige Klima der Zeit mit scharfer Zunge aufrührt. Anonym und mit dem Titel „ein lustig Gespräch“ versehen, wird sie als bearbeitete deutsche Übertragung der Streitschriften veröffentlicht, die vorab in Latein kursierten. Der Titel selbst, fast wie ein Rätsel, kündigt das Thema an: die Frage, ob Frauen wirklich Menschen sind oder nicht.

Die Schrift erscheint in einer Zeit, in der solche Fragen sowohl die gesellschaftlichen als auch die theologischen Auseinandersetzungen durchdringen. Sie ist nicht nur ein simples Werk, sondern eine gewagte Umformulierung der Disputatio nova und der Defensio von Simon Gedik, die als Dialog zwischen zwei gegensätzlichen Ordensmännern, Bruder Endres, genannt „Weiberfeind“, und Pater Eugenius, genannt „Weiberfreund“, auftritt. Es ist ein lebendiges, wenn auch erschreckendes Gespräch, in dem zwei Denker mit ebenso scharfsinnigen wie grausamen Argumenten versuchen, die Rolle und den Wert der Frau in der Gesellschaft und vor Gott zu bestimmen.

Der Dialog basiert vor allem auf den Argumenten der Bibel, der heiligen Schrift, aber auch auf den Schriften anderer Autoren und den Beobachtungen der Natur. Der „Weiberfeind“ Bruder Endres argumentiert mit einer Reihe von brutalen und unsinnigen Vergleichen, die die Frau als das andere, das Unmenschliche, das Tierische darstellen. Der Verfasser stellt sich mit einer Kaltblütigkeit und einer Logik, die an Satire grenzt, vor den Leser: „Ein Schmied kann kein Schwert schmieden, wenn er nicht als Hilfsmittel einen Hammer hat; ein Schreiber kann nicht schreiben, wenn er nicht ebenso ein Hilfsmittel hat, die Feder; ein Schneider kann nicht nähen, wenn er nicht als Hilfsmittel die Nadel hat; ein Mensch kann nicht zeugen, wenn er nicht als Hilfsmittel die Frau hat.“

Diese Argumentation erreicht ihren Höhepunkt in der schockierendsten These: Die Frau ist keine „Wirkursache“, sie ist nur das „instrumentale Hilfsmittel“, das vom Mann gebraucht wird. So wie der Hammer kein Schmied ist, ist auch die Frau kein Mensch. Es ist eine entmenschlichende, entwürdigende Sichtweise, die den Wert der Frau auf das Maß eines Objekts reduziert. Ihr Schmerz, ihre Emotionen, ja sogar ihre Rolle in der Fortpflanzung sind keine Merkmale eines Menschen, sondern nur eines Tieres.

Der Dialog selbst ist nicht nur eine trockene Auseinandersetzung von Argumenten, sondern ein zynisches Spiel mit der Logik, das in seiner Ironie und Satire zu einer scharfsinnigen, aber oft absurder werdenden Polemik führt. Der „Weiberfeind“ – in seiner spitzfindigen, oft vulgären Argumentation – zieht wiederholt tierische Vergleiche heran, die das Bild der Frau weiter entmenschlichen: „Kein Tier ist so gifitg, das Weib ist noch gifftiger, ja teuflischer und boshafter als der Teufel selbst“, so schließt er mit einer erschreckenden Verallgemeinerung.

Das Gespräch endet nicht in einem klaren Ergebnis oder einer befriedigenden Antwort. Vielmehr bleibt es eine bitterböse Satire, die zwischen ernsthaften theologischen und naturwissenschaftlichen Argumenten eine zynische Verzerrung der Wirklichkeit verbreitet.

Doch in diesem „lustigen Gespräch“ schwingt stets eine düstere Ernsthaftigkeit mit, die das Spiel mit der Wahrheit und der Logik in den Vordergrund rückt. Denn Satire und Ironie schließen bekanntlich tiefere Bedeutung nicht aus – und so bleibt die Frage offen, wie viel Wahrheit in dieser monströsen Sicht auf die Frau verborgen ist.

Es ist ein Werk, das den Leser in den Sog von Paradoxien, Zweifeln und dunkler Komik zieht, und das trotz seiner spöttischen Fassade einen erschreckenden Blick auf die gesellschaftliche Haltung gegenüber Frauen in dieser Zeit wirft.

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