Das Lied "I bin bläd" von Lisa Fitz (1972) spielt in bairischem Dialekt mit der Figur eines Frau, die sich selbst als „bläd“ bezeichnet – jedoch nicht im wörtlichen Sinn, sondern als Symbol für gesellschaftliche Unsicherheit, Außenseitertum und ironischen Widerstand gegen eine Welt der Besserwisser.
Das Lied ist eine liebevolle, tiefgründige Satire über das Gefühl, nicht dazuzugehören. Es zeigt, dass Klugheit oft im Zweifel, im Mitgefühl und in der Fähigkeit zur Selbstironie liegt – und dass echte Menschlichkeit beginnt, wo wir uns gegenseitig verstehen, auch wenn wir uns manchmal „bläd“ fühlen.
1. Thema und Tonfall:
Der Ton ist humorvoll, zugleich aber melancholisch und kritisch. Das lyrische Ich fühlt sich ständig unterlegen, unverstanden und nicht gehört – ein Gefühl, das viele Menschen teilen, besonders in einer Zeit, in der Meinungsvielfalt, Informationsflut und soziale Spannungen allgegenwärtig sind.
2. Sprache und Stilmittel:
Der Dialekt verstärkt die Authentizität und schafft Nähe zur Volkskultur. Die Wiederholung des Satzes „i bin bläd“ wirkt wie ein Refrain – eine Mischung aus resignierter Selbsteinschätzung und trotzigem Bekenntnis. Dabei nutzt der Text Ironie als zentrales Stilmittel: Wer sich selbst „bläd“ nennt, reflektiert in Wahrheit tief – und offenbart damit, dass er keineswegs dumm ist.
3. Gesellschaftskritik:
• Politik & Krieg: Die Menschen reden scheinbar klug über Weltgeschehen, während das lyrische Ich sich ausgeschlossen fühlt.
• Sex & neue Normen: Auch im Intimen wird das Ich belehrt – wieder fühlt es sich überfordert und falsch.
• Streit & Schuld: Die Gesellschaft zeigt sich aggressiv und besserwisserisch. Wer nicht mitkommt, wird schnell zum Sündenbock.
All dies deutet auf eine Kultur der Überforderung und Ausgrenzung hin – ein feines Porträt des modernen Menschen im Spannungsfeld von Anpassungsdruck und Identitätsverlust.
4. Identität und Sehnsucht:
Besonders bewegend ist der Wunsch, „aa was sagn“ oder „aa was fragn“ zu dürfen. Das Ich möchte mitreden, gehört werden, mitfühlen – aber wird immer wieder übertönt. Das Gefühl, „nie zu Wort“ zu kommen, ist Ausdruck einer stillen Verzweiflung, aber auch eines tiefen Bedürfnisses nach Gemeinschaft.
5. Die Pointe – Der Verein für Blede:
Die Idee, einen „Verein für Blede“ zu gründen, kehrt die Scham ins Positive um. Es wird eine Gemeinschaft imaginiert, in der sich Menschen auf Augenhöhe begegnen – ohne Überheblichkeit. Die Pointe ist charmant, klug und menschlich: Wenn alle „bläd“ sind, ist keiner mehr blöd – sondern einfach nur menschlich.
========================
Der Begriff ‚Blödheit‘ hat eine lange, vielschichtige Geschichte – die Bedeutung des Wortes wandelt sich durch Jahrhunderte. Ein Blick in diese Entwicklung zeigt, wie eng Sprache und Gesellschaft verknüpft sind.
1.Jahrtausend v.Chr. bis 9.Jahrhundert n.Chr. - Art und Weise
Das Suffix -heit stammt vom germanischen Wort *haidu-, „Art und Weise, Erscheinung“ ab.
9. bis 5.Jahrhundert v.Chr. - Geisteszustand
Das Gesicht gilt als einer der ausdrucksfähigsten Körperteile des Menschen, als Eingang zu seiner Seele, und lässt auch auf seinen Geisteszustand und seine geistige Aufnahmefähigkeit schließen.
In Genesis Kap 29. heißt es: "Lea hatte ein blödes Gesicht. Rahel aber war hübsch und schön."
399 v.Chr. - „Ich weiß, dass ich nichts weiß“
In Platons Werk „Apologie des Sokrates“, das um 399 v.Chr. entsteht, schildert Platon die Verteidigungsrede, die Sokrates vor dem athenischen Gericht hält. In dieser Rede erklärt Sokrates, dass er im Gegensatz zu anderen, die glauben, Wissen zu besitzen, sich seiner eigenen Unwissenheit bewusst ist. Diese Aussage ist eine Zusammenfassung seiner Haltung gegenüber Wissen und Erkenntnis. Er betont, dass wahre Weisheit darin besteht, sich der eigenen Unwissenheit bewusst zu sein. Diese Haltung führt ihn dazu, ständig Fragen zu stellen und nach tieferem Verständnis zu suchen.
750 bis 1050 - schwach, kraftlos
Sprachgeschichtlich leitet sich Blödheit von althochdt. blodi, „schwach, kraftlos“ ab. Im dänischen Wort blød hat sich die Bedeutung „weich“ bis heute erhalten.
750 bis 1050 - Suffix -heit
Das Suffix -heit hat sich in Verbindung mit Adjektivstämmen in althochdeutscher Zeit zur beliebtesten Möglichkeit, Abstrakta zu bilden, entwickelt (Eigenschaftsnominalisierung).
In Konkurrenz zu -heit steht schon damals das Suffix -ung, das aber vorzugsweise an Verbalstämme angehängt wird (Ereignisnominalisierung).
Das germanische Wort *haidu- wird im Althochdeutschen zu heid/heit und dient im 8. und 9.Jh. als Übersetzungsmöglichkeit für die lateinischen Wörter persona und sexus.
Blödheit ist also ein typisches Beispiel für eine Eigenschaftsnominalisierung. Das entsprechende Ereignisabstraktum wäre Verblödung.
1050 bis 1350 - zart, gebrechlich
Im Mittelhochdeutschen bedeutet blœde, „schwach, zart; auch atrophisch, schwächlich, gebrechlich“. Mittelhochdeutsche Varianten sind Blödigkeit für „Schwäche“ als Kopfblödigkeit, dann „Gedächtnisschwäche, Demenz, Desorientiertheit, Debilität, Psychose“ sowie als Adjektiv blödsinnig und blöde.
1265 - Unzulänglichkeit des menschlichen Erkennens
In diesen Schriften spricht Thomas von Aquin an mehreren Stellen über die Begrenztheit des menschlichen Verstandes, die er unter anderem mit dem Ausdruck „imbecillitas intellectus nostri“ beschreibt.
Dieser lateinische Ausdruck bedeutet wörtlich: die Schwäche, Blödheit oder Stumpfheit unseres Verstandes. Dabei meint er nicht eine persönliche Dummheit (im modernen Sinn von „blöd“), sondern die grundsätzliche Unzulänglichkeit des menschlichen Erkennens im Vergleich zur göttlichen Wahrheit.
1400 - Unzurechnungsfähigkeit
„Blödheit“ wird in der Rechtssprache benutzt, um einer Person Unzurechnungsfähigkeit wegen bestimmter seelischer Schwächen, Eigenschaften zuzuschreiben: „Item, ob ain raisender von plöttigkeit wegen oder ain schwangere frau ain weinbeer auf der straaß abbrech, die seint darumb nichtß schuldig.“ – Niederösterreichische Weisthümer Mannhartsbergviertel Mitte 1400.
1500 bis 1700 - Hofnarrentum
Oft gelten in der Literatur wie im realen Leben die Narren als weise Mahner, die Philosophen hingegen als weltfremde Narren.
Das Hofnarrentum ist ein fester Bestandteil des Hofstaates. Die Hofnarren als „Offizianten“ in einem festen höfischen Amt sollen ursprünglich ihren Herrn nicht belustigen, sondern ihn als ernste Figur ständig daran erinnern, dass auch er der Sünde verfallen könne, und in religiöser Deutung seinem Herrn als Erinnerer an die Vergänglichkeit seines menschlichen Daseins dienen.
17. Jahrhundert - sich entblöden
Die ursprüngliche Wortbedeutung der Blödheit als Schwäche oder Scheu wird noch in der Redensart sich entblöden tradiert. Schon seit dem 17.Jh. ist diese Form als sich entblöden, also die Schwäche abtun, sich erkühnen, sich erfrechen, bekannt, daneben in der gleichen Bedeutung sich nicht entblöden, was auf eine Uminterpretation von sich entblöden als sich schämen zurückgeht.
1781 - Mangel an Urteilskraft
Dummheit ist die mangelhafte Fähigkeit, aus Wahrnehmungen angemessene Schlüsse zu ziehen beziehungsweise zu lernen.
Dieser Mangel beruht teils auf Unkenntnis von Tatsachen, die zur Bildung eines Urteils erforderlich sind, teils auf mangelhafter Intelligenz oder Schulung des Geistes oder auf einer gewissen Trägheit und Schwerfälligkeit im Auffassungsvermögen bzw. der Langsamkeit bei der Kombination der zur Verfügung stehenden Fakten (Urteilsvermögen).
In diesem Sinne nennt Kant den „Mangel an Urteilskraft“ als „das, was man Dummheit nennt“, und postuliert, dass „einem solchen Gebrechen … gar nicht abzuhelfen“ ist.
1794 - Unzurechnungsfähigkeit
„Blödheit“ wird in der Rechtssprache benutzt, um einer Person Unzurechnungsfähigkeit wegen bestimmter seelischer Schwächen, Eigenschaften zuzuschreiben: „menschen, welchen das vermögen, die folgen ihrer handlungen zu überlegen, ermangelt, werden blödsinnig genannt“ – Allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten von 1794.
19. Jahrhundert - schüchtern
In der Literatursprache des 19.Jhs. wird "blöd" auch mit der Bedeutung „(zu) schüchtern“ verwendet.
1812 bis 1858 - Kraftlosigkeit
Zeitweise beschränkte sich die Bedeutung von Blödheit und blöde noch auf die alte Vorstellung von der Kraftlosigkeit oder Schwäche, die bei diesem Wort offenbar immer mitschwingt: „Sie zogen weiter und fanden einen am Weg sitzen, der hatte die Augen zugebunden. Sprach der Königssohn zu ihm: ‚Hast du blöde Augen, dass du nicht das Licht sehen kannst?‘“ – Grimms Märchen, Die sechs Diener.
1815 - Schwachsinn, Demenz
Die Begriffe Debilität (lat. ‚ungelenk, schwach‘), Imbezillität (lat. ‚schwach, gebrechlich‘) und Idiotie (altgr. ‚der abgesondert, für sich Lebende‘) bezeichnen Grade des Schwachsinns.
Auf Vorarbeiten von Philippe Pinel aufbauend unterscheidet Jean Étienne Esquirol Anfang des 19.Jhs. die Idiotie von der Demenz.
1816 - Geistesschwäche oder Idiotie
Blödheit wird, auch ohne Berücksichtigung besonderer körperlicher Merkmale bzw. des Blicks einer Person, auch zu einem Wort für Geistesschwäche oder Idiotie (vgl. mittelhochdt. kopfblödigkeit und blödigkeit des haupts). Von hier aus kommt es dann zu unserem heutigen Wortverständnis.
In E. T. A. Hoffmanns Der Sandmann etwa macht sich das Publikum über die Automatenpuppe Olimpia lustig. Da es nicht erkennt, dass deren Wortkargheit auf ihrer Künstlichkeit beruht, beurteilt es Olimpia als blöde Person.
1857 - Schwäche des Verstandes/Mangel an Selbstvertrauen
Pierers Universal-Lexikon von 1857 unterscheidet bei dem Begriff zwischen „der Schwäche des Verstandes, welche eine Unklarheit u. Verworrenheit der Vorstellungen veranlasst“, und einer Blödheit „die aus Mangel an Selbstvertrauen entsprungene Furchtsamkeit im geselligen Umgange, Ängstlichkeit durch sein Benehmen gegen den Tact od. die seine Sitte zu verstoßen“.
1866 - Sprichwörter
In Wanders Deutschem Sprichwörter-Lexikon von 1866 werden als Dimension der Dummheit hervorgehoben:
Die Dummen, die sich hindurch mogeln und damit weit kommen: „Den Dummen gehört die halbe Welt“; „Der Dumme hat’s Glück“; „Die dümmsten Bauern ernten die größten Kartoffeln“ und die Dummen, die untergehen: "Die Blöden verlieren alle Fehden", "Wer beim Essen zu blöd ist mit dem Munde, geht bald zu Grunde", "Blödigkeit ist dem Armen wenig nütz".
1895 - Geistige Aufnahmefähigkeit
In Fontanes Effi Briest ist zu lesen: „Sie war damenhafter als die beiden anderen, dafür aber langweilig und eingebildet, eine lymphatische Blondine, mit etwas vorspringenden, blöden Augen, die trotzdem beständig nach was zu suchen schienen, weshalb denn auch Klitzing von den Husaren gesagt hatte: ‚Sieht sie nicht aus, als erwarte sie jeden Augenblick den Engel Gabriel?‘“ - Das Auge gilt als einer der ausdrucksfähigsten Körperteile des Menschen, als Eingang zu seiner Seele, und lässt auch auf seinen Geisteszustand und seine geistige Aufnahmefähigkeit schließen.
1900 - Kognitive Fähigkeit
Die Dummheit gilt um 1900 als ein Sachverhalt, der noch im Normalbereich kognitiver Fähigkeiten liegt und deshalb von geistiger Behinderung oder Unsinn unterschieden werden kann.
1907 - Urteilsschwäche/Schüchternheit
In Kirchner/Michaëlis Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe wird Blödigkeit als „die aus Urteilsschwäche und Mangel an Selbstvertrauen entspringende Schüchternheit im Verkehr mit anderen“ beschrieben.
1920 - Unzurechnungsfähigkeit
Die Konnotation der Unzurechnungsfähigkeit, mit den entsprechenden juristischen Konsequenzen, wird in Jaroslav Hašeks Schwejk deutlich: „Er schaute blutdürstig auf Schwejk und sagte: »Benehmen Sie sich nicht so blöd!« »Ich kann mir nicht helfen«, antwortete Schwejk ernst, »man hat mich beim Militär wegen Blödheit superarbitriert. Ich bin amtlich von der Superarbitrierungskommission für einen Idioten erklärt worden. Ich bin ein behördlicher Idiot.«“
1937 - Anmaßung
Robert Musil (1937) benennt das Paradox, dass jeder, der über Dummheit spricht, voraussetzt, über den Dingen zu stehen, also klug zu sein, obwohl genau diese Anmaßung als Zeichen für Dummheit gilt.
1957 - Dummheit zweiter Art
Der Begriff "Dummheit zweiter Art" des Sozialpsychologen Peter R. Hofstätter bezeichnet Situationen oder Ereignisse, in denen eine Person paradoxer Weise nach einer Regel, Gesetzmäßigkeit oder allgemein nach einer Struktur sucht, obwohl in dem betrachteten Sachverhalt keine derartige Struktur vorhanden ist.
1958 - Geistige Behinderung
Der Begriff "Geistige Behinderung" wird durch die 1958 gegründete Elternvereinigung Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind in Abgrenzung zu den zuvor üblichen Bezeichnungen wie „Idiotie“ oder „schwerer Schwachsinn“ etabliert.
Diese Form der Behinderung manifestiert sich vor dem 18. Lebensjahr.
1972 - Verdummung
Nach René Spitz kann Dummheit besonders in der frühen Kindheit erlernt und zur Dummheit erzogen werden („Verdummung“), z.B. durch weitergegebene Vorurteile, Groupthink im Team oder mediale Einflüsse sowie durch Mangel an Anregungen von erwachsenen Personen.
Einschränkungen und Verfall der Verbalisierungsfähigkeit spielen dabei eine wesentliche Rolle: Die Nutzung unreflektierter Floskeln oder Euphemismen reduziert die Urteilsfähigkeit.
1981 - Wundmal
Horkheimer/Adorno konstatieren in dem Aufsatz Zur Genese der Dummheit: „Dummheit ist ein Wundmal“.
1985 - Schwachsinn/Dummheit/Beschaffenheit
Knaurs Wörterbuch über Bedeutung, Herkunft etc. von 1985 unterscheidet zwischen Blödheit einmal als Schwachsinn, dann als Dummheit und schließlich als eine Beschaffenheit. Letzteres findet Anwendung beispielsweise in der Bemerkung, dass ein Text an Blödheit nicht zu übertreffen sei.
1988 - irrational, unvorhersehbar
In seinem Werk Die Prinzipien der menschlichen Dummheit beschreibt Carlo M. Cipolla satirisch die fünf fundamentalen Grundgesetze der Dummheit und kommt zu dem Schluss: Die Dummheit richtet mehr Schaden an als Verbrechen. Denn gegen Verbrecher kann man sich schützen, aber der Dumme handelt vollkommen irrational und unvorhersehbar, und gegen das Unvorhersehbare gibt es keinen Schutz.
1988 - Emotionaler Widerstand
Ursachen für Dummheit liegen auch im emotionalen Bereich (emotionaler Widerstand gegen Einsichten, Abhängigkeit von Meinungsbildnern) und in der Indoktrination und Manipulation durch kognitive Programme wie Weltanschauungen und Religionen.
James Welles beschreibt in seiner anthropologisch-kulturgeschichtlichen Analyse, die auch Akte politischer Dummheit (Kreuzzüge, Schweinebucht-Invasion) einschließt, wie solche „maladaptiven Programme“ die kluge Bewältigung der realen Anforderungen behindern.
1995 - dumm, unangenehm, bedrohlich
Das Substantiv Blödheit ist heute weit seltener in Gebrauch als das Adjektiv oder Adverb blöd. Dieses kann nicht nur dumm bedeuten, sondern in bestimmten Zusammenhängen auch unangenehm oder bedrohlich, zum Beispiel wenn jemand sagt, er habe ein blödes Gefühl.
MediaMarkt startet 1995 eine groß angelegte Werbekampagne mit dem Slogan „Ich bin doch nicht blöd!“. Dieser Spruch soll die Kunden ansprechen, die sich als klug und preisbewusst sehen.
2002 - Infantilisierung
Auch das Bedürfnis nach Spaß bei wachsender Unlust an kritischer Ernsthaftigkeit gilt als Ursache von Verdummung in der „Spaßgesellschaft“ mit ihrer Tendenz zur Infantilisierung, so u.a. Berman in einer kritischen Analyse der US-Massenkultur.
Das Fernsehen hat zum ersten Mal in der Geschichte dafür gesorgt, dass die Gescheiten neidisch auf die Dummen wurden.
2004 - Beschimpfungen
Heute unterstellt man keinem Menschen mit einer kognitiven Behinderung mehr „Blödheit“, da das Wort inzwischen als Beschimpfung gilt.
Mit Ausrufen wie Blöde Kuh! oder Blödmann! drückt man weniger ein Urteil über das intellektuelle Niveau seines Gegenübers aus, sondern erklärt ihn eher für lästig, störend oder auch albern.
Die Begriffe Idiotie und Debilität finden als Schimpfwörter Eingang in die Alltagssprache und werden aufgrund dieser negativen Konnotation gar nicht mehr fachsprachlich verwendet.
Eine Person kann als dumm (oder salopp: doof) bezeichnet werden und wird oft mit dem ebenso herabsetzenden Begriff Blödheit gleichgesetzt (eigentlich Schwäche, Schüchternheit oder Ungeschicklichkeit).
2004 - Beschimpfungen in der Pädagogik
Etwas Erarbeitetes/Konstruiertes kann dumm genannt werden, zum Beispiel ein dummer Aufsatz oder ein dummer Diskussionsbeitrag.
In der heutigen Pädagogik verbietet sich eine solche Wertung, weil sie die Fähigkeiten eines Kindes oder Jugendlichen extrem herabmindert („Du bist so dumm, dass du brummst“; hessisch).
Der Wertende erhebt sich überdies arrogant und beleidigend über den Status des Bewerteten – eine Einstellung, die in Erziehungsprozessen heutzutage als indiskutabel gilt.
2004 - Gemeinsam sind wir blöd!?
Blödheit beschränkt sich aber nicht nur auf das Individuum. Es gibt auch das Phänomen, dass eigentlich intelligente Menschen, wenn sie sich in Gruppen zusammentun, zusammen blöder agieren, als sie es vermutlich als Individuum tun würden.
2012 - Digitale Demenz
Nicht nur Anregungsarmut, sondern auch Reizüberflutung kann die kognitiven Fähigkeiten und das Urteilsvermögen beeinträchtigen. Manfred Spitzer spricht von „digitaler Demenz“ als Folge medialer Überflutung schon von Kleinkindern.
2015 - situationsabhängig
Dummheit ist laut Werner Van Treeck relativ: Es gibt situationsabhängige Dummheit sowie individuell, gesellschaftlich und historisch unterschiedliche Bewertungen von Dummheit. Was für den einen dumm ist, muss es für andere nicht sein. Was früher für klug und richtig angesehen wurde, kann heute als dumm erscheinen.
2020 - Intelligenzminderung
Mit dem 60. Gesetz zur Änderung des Strafgesetzbuchs vom 30. November 2020 wird der Begriff Schwachsinn durch den Begriff „Intelligenzminderung“ ersetzt.
Im Betreuungsrecht, das 1992 eingeführt wurde, wird demgegenüber der Begriff der geistigen Behinderung in § 1896 BGB verwendet.
2020 - Gebildete Dummheit
Dem französischen Humoristen François Rollin sind Inkonsequenz der Argumentation, Zirkelschlüsse, das beharrliche Kleben am Wort, die Abwesenheit von Empathie und der Nichtexistenz jeden Zweifels Zeichen der Dummheit.
Dummheit ist damit auch ein Merkmal, das gerade in gebildeten und gelehrten Kreisen anzufinden ist.
========================
Lisa Fitz verleiht mit ihrem Lied einer Haltung Ausdruck, die sich durch die Geschichte zieht: Die Stärke, sich schwach zu zeigen – und darin vielleicht klüger zu sein als all die vermeintlich Klugen.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen