Montag, 17. März 2025

Warum ich ein Linker bin

📖 Lesezeit: ca. 4 Minuten
Der Wind streicht sanft über mein Gesicht, während ich über den schmalen, unbefestigten Weg spaziere. Die Sonne taucht die Landschaft in warmes, goldenes Licht, und ich spüre, wie meine Schritte mich wie von selbst nach links lenken. Es ist keine bewusste Entscheidung – es ist eine tiefe, natürliche Bewegung, die mich stets begleitet.

Ich bin ein Linker, nicht im politischen, sondern im ganz persönlichen, im tiefsten Sinne meines Seins. Es beginnt mit der Straße selbst: Dort, wo es keinen Gehweg gibt, gehe ich links, dem Verkehr entgegen. Es gibt mir Sicherheit – ich kann den herannahenden Wagen in die Augen blicken, bevor sie an mir vorbeiziehen, und ich weiß, dass ich gesehen werde. Ich fühle mich dabei nicht nur geschützt, sondern auch präsent, als wäre ich Teil eines uralten Rhythmus zwischen Mensch und Straße.

Auch in der Nähe einer Frau wähle ich instinktiv die linke Seite. Nicht aus Konvention, sondern aus etwas, das in mir verankert ist. Früher trugen Männer ihre Waffen an der linken Seite, um mit der rechten Hand zu kämpfen und gleichzeitig ihre Begleiterin zu schützen. Heute ist kein Degen an meiner Hüfte, und doch bleibt diese Geste – ein Echo der Vergangenheit, das mich sanft lenkt. Ich bin ein Beschützer, nicht durch Worte, sondern durch Haltung, durch diesen stillen Instinkt, der mich immer links gehen lässt.

Es ist mehr als eine Angewohnheit. Es ist meine Natur. Mein Körper, meine Gedanken – sie alle scheinen sich nach links zu neigen. Vielleicht liegt es an meiner rechten Gehirnhälfte, die mich in diese Richtung zieht, oder an meiner B-DNA, die sich wie eine rechtsgewundene Spirale durch meine Zellen windet, während tief in mir Z-DNA-Abschnitte verborgen sind, die eine geheimnisvolle, linksgewundene Geschichte erzählen. Ich stelle mir vor, dass sie flüstern, dass sie mir sanfte Impulse geben – eine leise, biologische Melodie, die mich auf meinem Weg begleitet.

Es ist seltsam, wie sich alles fügt. Auf der Rolltreppe bleibe ich rechts stehen, lasse den schnellen Strom der Eiligen links an mir vorbeiziehen – als wäre links immer der Ort der Bewegung, der Richtung, des Fortschritts. Im militärischen Schritt, in der alten Welt der Soldaten, bedeutete links marschieren, bereit zu sein, sich zu behaupten. Und auch wenn ich kein Krieger bin, so fühle ich mich in dieser Position stark – nicht als Kämpfer, sondern als jemand, der seinen Weg mit Beständigkeit geht.

Ich bin kein „linker Säger“, keiner, der im Verborgenen andere zu Fall bringt. Mein Weg ist nicht hinterlistig, nicht von Täuschung durchzogen. Ich bin auch kein „Linker“, kein politischer Aktivist, der radikale Veränderungen fordert. Und doch bin ich ein Linker – ein Mann, der seinen eigenen Pfad gefunden hat, geführt von Instinkt, von Geschichte, von der leisen Stimme seines Körpers.

Es ist nicht meine Entscheidung. Es ist meine Bestimmung. Und mit jedem Schritt, den ich nach links gehe, weiß ich: Ich folge meiner Natur. Ich bin ein "Linker". 

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