Samtig-cremig legt sich die Piña Colada auf die Zunge, ein Cocktail, der die Essenz tropischer Lebensfreude in sich trägt. Ihr Name, abgeleitet von „piña“ für Ananas und „colar“ für sieben, erinnert an die feine, fruchtige Süße der goldenen Frucht, die diesem Getränk seinen unverwechselbaren Charakter verleiht.
Ein Hauch von Karibik entfaltet sich in jedem Schluck: Weißer Rum, geboren aus den Zuckerrohrfeldern der Kolonien, trifft auf die exotische Verführung der Kokosnuss. Die Cream of Coconut, dickflüssig und leicht gesüßt, schmiegt sich an den goldenen Ananassaft, während das fein zerkleinerte Eis die Aromen miteinander verschmelzen lässt. Wer es noch cremiger liebt, ergänzt einen Schuss Sahne – ein Hauch von Himmel in einem Glas.
Ihre Geschichte reicht weit zurück: Schon der Pirat Roberto Cofresí soll Anfang des 19. Jahrhunderts eine Mischung aus Kokosnuss, Ananas und Rum an seine Mannschaft ausgeschenkt haben. Doch es ist das Jahr 1954, als die Piña Colada in der „Beachcomber Bar“ des Caribe Hilton in Puerto Rico zur Legende wird. Dort verfeinert der Barkeeper Ramón „Monchito“ Marrero Pérez über Monate hinweg die Rezeptur, bis sie zur perfekten Verkörperung tropischer Leichtigkeit reift.
In den 1970ern erobert sie die Cocktailbücher, 1978 wird sie zum Nationalgetränk Puerto Ricos gekürt. Und als 1979 Rupert Holmes’ Song „Escape (The Piña Colada Song)“ durch die Radiowellen klingt, ist ihr Platz in der Kulturgeschichte gesichert. Sie ist nicht einfach nur ein Cocktail – sie ist ein Versprechen von Sonne, Palmen und der sanften Brise eines karibischen Strandes.
Ob in der klassischen Form mit Rum, als alkoholfreie Virgin Colada oder als Chi Chi mit Wodka – sie bleibt eine Hommage an die Fülle tropischer Aromen. Eine Piña Colada genießen heißt, sich für einen Moment dem süßen Fluss des Lebens hinzugeben, Augen zu schließen und sich an einen warmen Strand träumen zu lassen, wo die Wellen sanft ans Ufer rollen und die Zeit in goldener Unendlichkeit schimmert.
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Steinzeit - Kokospalme/Kokoswasser
Die Kokospalme bietet den Bewohnern tropischer Küsten seit Jahrtausenden eine hervorragende Nahrungs- und Rohstoffquelle: mit ihren Früchten als gehaltvolle Nahrung und Getränk (roh oder vergoren), ihrem Holz als Baumaterial für Hütten, ihren Blättern zum Flechten von Hauswänden, Dachbedeckungen, Körben und Matten, ihren Fasern zum Drehen von Seilen und den trockenen Kokosnussschalen als Brennmaterial.
Kokoswasser, also die in einer Kokosnuss enthaltene Flüssigkeit, dient seit jeher als Trinkwasserersatz, wenn keine natürlichen Quellen vorhanden sind.
2.000 v. Chr./16. Jahrhundert - Kultivierung der Ananas
Die Ananas wird bereits in präkolumbischer Zeit kultiviert und über weite Teile Südamerikas und im Norden bis nach Mexiko verbreitet.
Die Ananas wird noch vor Ende des 16.Jhs. in den meisten tropischen Ländern angebaut.
1639 - Abfallprodukt Rum
Zu den frühesten Erwähnungen von Rum zählt ein Bericht des britischen Seekapitäns John Josselyn. Im September 1639 wird ihm bei einem Dinner auf einem Schiff vor der Küste von Maine von einem anderen Kapitän mit Rum zugeprostet.
Rum entsteht Anfang des 17.Jh. als Abfallprodukt des Zuckerrohranbaus in den Kolonien in der Karibik.
Beginn 19. Jahrhundert - Rumproviant
Der in der Karibik destillierte Rum wird seit Anfang des 19.Jhs. nicht nur von der britischen Marine, sondern auch von Piraten an ihre Besatzungen ausgeschenkt, und zwar vorzugsweise verdünnt.
1820er - Pirat Roberto Cofresí
Der Pirat Roberto Cofresí (1791–1825) aus Cabo Rojo soll eine Mischung aus Ananas, Kokosnuss und Rum bereits zu Beginn des 19.Jhs. an seine Seeleute ausgeschenkt haben.
Beginn 20. Jahrhundert - piña fria colada
Zu Beginn des 20.Jhs. wird von gekühltem, gesüßten Ananassaft als piña fria, piña fria colada, also gekühltem, gesiebten Ananassaft oder schlicht piña colada gesprochen.
1922/1946 - Elektrische Mixer (Blender)
Als Erfinder des Blenders gilt Steven Poplawski, dem die The Stevens Electric Company in Racine (Wisconsin) gehört. Er platziert als erster ein rotierendes Messer am Boden des Mixbechers und lässt seine Erfindung 1922 patentieren. Allerdings ist das Produkt noch nicht ausgereift.
Erst Jahre später, nach dem Verkauf der Firma an John Oster im Jahr 1946, wird ein verbessertes Modell, der Osterizer, kommerziell erfolgreich.
1922 - Rum-Cocktail mit Ananassaft
Ein Piña Colada genannter Rum-Cocktail mit Ananassaft wird 1922 im TRAVEL Magazine beschrieben: „Doch am allerbesten ist eine Piña Colada: Der Saft einer reifen Ananas – schon an sich ein köstliches Getränk – wird im richtigen Verhältnis mit Eis, Zucker, Limettensaft und Bacardi Rum kräftig geschüttelt.“
1937/1954 - Waring Blender
Der Musiker Fred Waring stellt 1937, nachdem er die entsprechenden Rechte von Fred Osius erworben hat, einen funktionierenden Blender auf der National Restaurant Show in Chicago vor. In den Folgejahren wird diese Waring Blender zunehmend auch an Bars verkauft, wo sie beispielsweise die Zubereitung von Frozen Daiquiris enorm erleichtert.
Im Jahr 1954, als man im Caribe Hilton die angeblich ersten Piña Coladas mixt, kann Waring schon das millionste Gerät verkaufen.
1937 - Kokosnuss- und Ananas-Mischung
1937 erwähnt der Middletown Times Herald eine Piña Colada genannte Kokosnuss- und Ananas-Mischung.
Vor 1950 - Kokosnusscreme per Hand
Kokosnusscreme, Cream of Coconut oder Coconut Cream, ist Mitte des 20.Jhs. eine bekannte und verbreitete Zutat in der karibischen Küche, allerdings recht mühsam herzustellen: Das Fruchtfleisch frischer Kokosnüsse muss gemahlen oder gerieben und mit Wasser (oder Kokoswasser) aufgekocht werden. Die Masse wird dann, zum Teil mehrmals, durch ein Tuch gepresst, die entstandene Flüssigkeit mehrere Stunden stehen gelassen und schließlich die gewünschte Coconut Cream abgeschöpft.
1950er - Kokosnusscreme per Maschine
Anfang der 1950er gelingt es dem Lebensmittelchemiker Don Ramón López-Irizarry Kokosnusscreme erstmals maschinell herzustellen.
In gesüßter Form bringt er seine Cream of Coconut 1954 unter der Marke Coco López in Puerto Rico auf den Markt. Anfangs werden nur etwa 300 Kokosnüsse täglich verarbeitet.
Das Caribe Hilton zählt zu seinen ersten Kunden, allerdings interessiert sich Irizarry zeit seines Lebens nicht für Alkohol oder gar Cocktails.
Später beginnt eine Kooperation mit dem Getränkehersteller Norman Parkhurst, der in der Nähe Fruchtsaftkonserven abfüllt und die Produktion schließlich vollständig von Irizarry übernimmt. Der neue Kokossirup wird mit Hilfe spezieller „Piña Colada-Sets“ intensiv beworben und durch David Ballachow auch auf dem US-amerikanischen Markt eingeführt.
1950 - Rum, frische Ananas und Kokosmilch
Die New York Times berichtet 1950 von einem Cocktail der auf Kuba verbreitet ist, der mit Rum, frischer Ananas und Kokosmilch zubereitet wird: „Mixgetränke der karibischen Inseln reichen von Martiniques berühmtem Rumpunsch bis zur kubanischen Piña Colada (brauner Rum, Ananasstücke und Kokosmilch). In Key West kennt man zahlreiche Limetten-Swizzles und Pünsche, und auf den Grenadinen werden Rum-Drinks mit Muskatnuss gewürzt.“
15. August 1954 - Caribe Hilton’s Beachcomber Bar
Die „Erfindung“ der Piña Colada wird oft mit der Caribe Hilton’s Beachcomber Bar der Ende 1949 eröffneten Hotelanlage Caribe Hilton in Puerto Rico in Verbindung gebracht und vom Hotel selbst auf den 15. August 1954 datiert, wobei sowohl das Datum als auch die weiteren Umstände und das Originalrezept umstritten sind.
Mitte der 1950er, als in der Bar des Caribe Hilton fast 50 Beschäftigte arbeiten, verfügt man dort nur über drei bis vier elektrische Mixer, so dass etliche Piña Coladas noch im Shaker zubereitet werden.
Das Hotel erwähnt 50 Jahre lang allein Ramón „Monchito“ Marrero Pérez aus Aguas Buenas (Puerto Rico), der zuvor mehrere Monate lang an dem Drink gefeilt haben soll, und feiert das 50-jährige Jubiläum dieses Ereignisses im Jahr 2004.
Sein Kollege Ricardo Gracia, der seit 1952 im Caribe Hilton beschäftigt ist, behauptet indes, er habe die Piña Colada spontan entwickelt, als ihm für seinen beliebten Drink Coco Loco aus Rum, Kokoswasser und Kokosnusscreme, der in einer ausgehöhlten Kokosnuss serviert wird, die Kokosnüsse ausgehen und er stattdessen das Getränk schließlich in Ananas serviert.
1960er - USA
Außerhalb der Karibik findet die Piña Colada zunächst vor allem in den USA Verbreitung.
1963 - Don Ramon Portas Mingot
Einer Version zufolge erfindet der Barkeeper Don Ramon Portas Mingot die „Piña Colada“ 1963 in der Bar La Barrachina in San Juan, Puerto Rico.
1970er - Mixbücher
In Mixbüchern wird der Cocktail erst seit den frühen 1970er erwähnt.
1978 - Nationalgetränk von Puerto Rico
Am 17. Juli 1978 erklärt Gouverneur Rafael Hernández Colón die Piña Colada zum Nationalgetränk von Puerto Rico.
1979 - The Piña Colada Song
1979 landet der Sänger und Komponist Rupert Holmes mit dem Lied Escape, später umbenannt in The Piña Colada Song, einen Hit. Nach eigenen Angaben hatte Holmes zuvor noch nie eine Piña Colada probiert.
In der ursprünglichen Textfassung hat er noch „If you like Humphrey Bogart“ formuliert, sich aber dann für „If you like Piña Coladas“ entschieden, da er schon zu oft Filmbezüge in seinen Texten verwendet habe und er den Cocktail mit Urlaub assoziiere.
1980er - Deutschland
In Deutschland wird die Piña Colada vor allem in den 1980er populär, als die Barkultur wieder auflebt.
1979/1986 - Charles Schumann
Charles Schumann kreiert verschiedene Coladas wie den Swimming Pool Cocktail (1979) und serviert diese nicht nur in seiner legendären Schumann’s Bar in München, sondern widmet ihnen auch in Barbüchern wie dem Schumann’s Tropical Barbuch (1986) erstmals eine eigene Kategorie.
Schumann bereitet seine Piña Colada mit crushed ice im Blender oder im Shaker zu und nimmt 6 cl weißen oder braunen Rum oder je zur Hälfte weißen und braunen, 6 cl Ananassaft und je 2 cl Kokosnusscreme und süße Sahne.
1985 - Piña Colada Tag
Ein Artikel des Edmonton Journal vom 3. Februar 1985 nennt erstmals den 10. Juli als Piña Colada Tag, was darauf hindeutet, dass dieser Gedenktag mindestens seit den 1980er Jahren existiert.
1990er - Tropisches Lebensgefühl
Die Piña Colada wird zu den einflussreichsten Cocktails gezählt und hat, ähnlich wie der Martini, wenn auch in völlig entgegengesetzter Hinsicht, Bedeutung weit über die Bar hinaus erlangt.
Eine Piña Colada symbolisiert Urlaub, Strand, Sonne, ein tropisches Lebensgefühl und die Karibik schlechthin.
1990er - Geschmacksrichtung „Piña Colada“
Keine andere Geschmacksrichtung eines Cocktails wird so oft kopiert wie „Piña Colada“. So wird das Aroma in Seifen, Räucherstäbchen, Shampoos, Eiskrem, Sorbets, Süßigkeiten, jelly beans (Fruchtdragees), diätischen Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln für Bodybuilder, Kosmetika, Erfrischungsgetränken, Tees, Popcorn, Brotaufstrichen (‚peanut butter‘), parfumierten Bowling-Kugeln, Arzneimitteln für Menschen und Tiere, Mundstücken für Saxophone und Pfeifentabak gefunden.
1998 - Two Piña Coladas
Der amerikanische Country-Sänger Garth Brooks hat mit dem Titel Two Piña Coladas 1998 ebenfalls einen Nr.-1-Hit in den USA.
2006 - Tiki-Cocktail/Frauengetränk
Wayne Curtis klassifiziert die Piña Colada als eines der übelsten Beispiele eines Tiki-Cocktails: „Ananas und Kokosnuss sind geschmackliche „Abwehrspieler“ und können jeden noch so scharfen Rum neutralisieren. Es überrascht nicht, dass sie ausgerechnet in Puerto Rico erfunden wurde, wo viele Rumsorten eher versteckt als angepriesen werden sollten.
In gehobenen Bars gilt es daher zum Teil als Ausweis schlechten Geschmacks, eine Piña Colada zu bestellen. Zudem wird der Drink, in der Regel abschätzig, oft als „Frauengetränk“ bezeichnet, da er süß-cremig ist und man den Alkohol kaum herausschmeckt."
2007 - Standardrezepte
Das Standardrezept der International Bartenders Association für eine Piña Colada sieht 5 cl weißen Rum, 3 cl Cream of Coconut sowie 5 cl Ananassaft vor, bei Zubereitung im Blender mit zerstoßenem Eis und einer Ananasscheibe und einer Cocktailkirsche als Dekoration.
An deutschen Barschulen wird in der Regel die Zubereitung mit Sahne gelehrt, z. B. mit je 4 cl weißen Rums und Cream of Coconut, 8 cl Ananassaft und 2 cl Sahne, so dass der Drink noch cremiger, aber auch milder und geschmacklich weniger markant wird.
Auf den Kleinen Antillen wird die Piña Colada oft mit einer Prise Muskatnuss oben auf dem Schaum bestreut.

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