Donnerstag, 27. März 2025

Beim Spazieren - Bewusstseinsstrom

📖 Lesezeit: ca. 5 Minuten
Ich gehe. Ich spaziere. Ein Schritt, dann der nächste. Meine Gedanken laufen schneller als meine Füße, springen, stolpern, fliegen. Was mach ich mir zur Brotzeit? Käse, Wurst, oder einfach nur ein Butterbrot? Oh, sieh mal, wie der Hund mit seinem Frauchen Gassi geht. Sie zieht, er bleibt stehen. Oder ist es andersrum? Ich habe Hallo gesagt, hätte ich nicht doch besser Grias God gesagt? War das unhöflich? Aber warum nur lebe ich? Einfach so? Oder gibt es einen Grund? Ich könnte darüber schreiben. "Der Berg ruft" – oder doch "Chiemgau ruft"? Klingt beides gut. Ich muss bald mal aufs Klo. Vielleicht da vorne, wenn ich rechts abbiege. Apropos rechts – mein Schuhband am rechten Fuß lockert sich. Ich sollte es binden. Nein, später. Die Kampenwand? Ich könnte sie nehmen. Ich ging so gern auf Kampenwand, wenn ich mit meiner Wampen kannt – aber ich hab ja keine Wampen nicht. Wortspiel. Lustig. Oder nicht?

Ich denke an Krähen. Ich bin nur eine Krähe. Krächzend, schwarz, fliegend, wartend. Ich bin ewiglich. Sternenstaub. Ewiger Sternenstaub. Wie die Funken eines Lagerfeuers, die in den Himmel steigen und verschwinden. Früher?! Ja früher, da war … was? War alles besser? Oder nur anders? Der Linke. Der Rechte. Das Gassigehen. Ich sollte mehr über das Gassigehen nachdenken. Warum gehen Menschen mit Hunden? Und warum gehen Hunde mit Menschen?

Der Himmel ist weit, meine Gedanken sind weiter. Sie drehen sich im Kreis, überholen sich selbst, verheddern sich und lösen sich wieder. Die Lindenallee. Die alte Linde. Sie steht. War sie je ein Zentrum? Nein. Aber sie steht. Ich stehe auch. Bleibe stehen, atme. Und gehe weiter.

Mein Bewusstseinsstrom
Ich gehe weiter. Meine Gedanken breiten sich aus wie die Äste eines Baumes, wachsen ungestüm in alle Richtungen. Der Bewusstseinsstrom – das ist der Fluss der Gedanken, das stetige Rauschen der inneren Welt, das sich von einer Wahrnehmung zur nächsten bewegt, ohne Halt, ohne Pause. Es ist keine strukturierte Erzählung, sondern ein lebendiger Strom von Eindrücken, Assoziationen, Erinnerungen, die sich miteinander verweben, ohne dass sie miteinander in einem klaren Zusammenhang stehen müssen. Manchmal springt mein Gedanke von der Brotzeit zur Kampenwand, dann wieder zur Krähe und dann, wie ein Sprung in ein anderes Bewusstsein, in die Frage, warum ich eigentlich lebe. Jede dieser Gedanken ist gleich wichtig, aber keiner bekommt den Vorrang. Sie sind da, in meinem Kopf, fließen, mischen sich.

Die Bewusstseinsstromtechnik
Die Bewusstseinsstromtechnik ist genau das – der Versuch, diese Unordnung in Worte zu fassen. Es ist keine lineare Erzählung, die sich an Regeln hält. Es ist ein Rausch, ein innerer Monolog, der nicht von außen gelenkt wird. Es sind Gedanken, die sich selbst steuern. Der Satzbau ist nicht immer korrekt, oft scheint es, als würde ein Gedanke den anderen überholen, als wären sie unabhängig voneinander, und trotzdem ergeben sie irgendwie ein Bild. So wie ich beim Spazieren bin, meine Schritte laut und ruhig zugleich, so laufen meine Gedanken parallel zu meinem Weg.

Der Leser wird in diesen inneren Dialog eingeführt. Es geht nicht darum, etwas Bestimmtes zu erzählen, sondern die Erfahrung des Denkens zu zeigen. In diesem Fluss der Gedanken geht es nicht um eine stringente Handlung, sondern um den Moment, den Gedanken, der gerade da ist. Der Leser wird zum Mitspazierenden, zum Mitdenker. Alles ist offen, alles ist möglich. Es gibt keine Richtung, keine Notwendigkeit, einem bestimmten Ziel zu folgen – genau wie bei einem Spaziergang. Ich gehe einfach, und meine Gedanken gehen mit mir.

Wenn ich in diesen Strom eintauche, kann ich mir vorstellen, wie der Leser ebenfalls in diese unaufhörliche Folge von Wahrnehmungen, Überlegungen und Assoziationen eintaucht. Es ist eine Art, die Welt zu begreifen – nicht in klaren Sätzen, sondern in einem durcheinander fließenden Bewusstseinsstrom, der so real ist wie der Boden unter meinen Füßen. Und ich lasse diesen Strom in meine Texte einfließen, so wie der Wanderer in der Landschaft – immer in Bewegung, immer auf der Suche, immer im Moment.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen